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Duisburg: Tsingtao und das deutsche Bier

Duisburger Geschichte und Geschichten : Tsingtao und das deutsche Bier

Das chinesische Bier Tsingtao erzählt ein Stück deutsche Geschichte – auch unter Duisburger Beteiligung.

Wer weiß schon, dass Deutschland in China eine Kolonie hatte und dass dort auch deutsche Marinesoldaten im Einsatz waren? Blenden wir zurück in die Zeit der kolonialen Begehrlichkeiten. Deutschland forderte seinen „Platz an der Sonne“ und die von Wilhelm II. zu verantwortende Kolonialpolitik in Übersee zeichnete sich durch aggressive Machtdemonstration aus. 1897 belastete ein folgenschwerer Vorfall die deutsch-chinesischen Beziehungen. In China wurden zwei deutsche Missionare ermordet. Die Deutschen schickten als Antwort Kanonenboote.

Am 14. November 1897 setzten zwei deutsche Kriegsschiffe etwa 700 Matrosen im chinesischen Tsingtao ab. Darunter auch Marinesoldaten aus Duisburg. Tsingtau wurde kampflos besetzt und später zum Marinestützpunkt und Handelsplatz ausgebaut. Postkarten, Zeichnungen und zehn Vogelschaupläne zeigen die Gründung der Stadt und stellen ihre Entwicklung bis 1914 anschaulich dar. Die kunstvollen Zeichnungen wurden von chinesischen Künstlern erstellt und von deutschen Marineangehörigen als Erinnerungsdokumente nach Deutschland mitgenommen. Für die historische Forschung der Stadtentwicklung sind die Vogelschaupläne ein Glücksfall.

Die Region Kiautschou mit der Ortschaft Tsingtao sollte zu einer „deutschen Musterkolonie“ ausgebaut werden. Die Deutschen hatten sich Bergbau-, Eisenbahnkonzessionen und Zollnachlässe mit „ungleichen Verträgen“ gesichert. Man begann mit dem Bau von Straßen, Eisenbahnlinien, Kraftwerk-, Hafenanlagen und errichtete in kurzer Zeit Kasernen, Schulen, Hotels und später sogar eine Hochschule. Alles im Architekturstil der Jahrhundertwende. Und da nicht nur Marinesoldaten ihren Durst gerne mit Bier löschten, nahm 1903 die „Germania Brauerei“ ihren Betrieb auf. Obwohl die Chinesen die deutschen Kolonialherren eher ablehnten, schätzten die Einheimischen das deutsche Bier  nach dem deutschen Reinheitsgebot. Tsingtau erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung; deutlich ablesbar an der wachsenden Zahl von Gebäuden auf den Vogelschauplänen.

Doch die Bewohner gerieten in den Strudel des Ersten Weltkriegs. Nach Kriegsausbruch 1914 wurde Tsingtau von den Japanern nach Seeblockade und schwerem Artilleriebeschuss erobert. Die Verteidiger mussten „wegen Erschöpfung der Verteidigungsmittel“ am 7. November 1914 kapitulieren. Die deutsche Militärgeschichtsschreibung sprach von „heldenmütigem“ Kampf. Von den dort stationierten Soldaten gerieten etwa 4700 in mehrjährige japanische Gefangenschaft. Die Internetrecherche (www.tsingtau.info) liefert dazu Kurzbiographien von Soldaten, die unter anderem aus Duisburg stammten. Viele der Kriegsgefangenen kehrten erst nach Kriegsende in den Jahren 1919 und 1920 nach Deutschland zurück. Immerhin:  170 blieben freiwillig in Japan.

Zurück blieb eine chinesische Stadt, die vom deutschen Städtebau, von Industriekultur und deutscher Infrastruktur-Technik geprägt war und sich im heutigen Qingdao zumindest im Altstadtbereich teilweise erhalten hat. Erhalten hat sich auch das deutsche Kulturgut Bier. Denn die siegreichen Japaner brauten während der Besatzungszeit in der Germania-Brauerei weiter Bier – unter dem inzwischen weltbekannten Namen „Tsingtao“. Auch als die Chinesen einige Jahre später die Stadt zurückerhielten, wurde die Braukunst weiter gepflegt. Tsingtao ist in der Volksrepublik China mittlerweile die größte Brauerei, ihre Produkte sind weltweit ein Verkaufsschlager. Tsingtao-Bier ist dem einen oder anderen Chinarestaurant-Besucher bekannt und auch der hiesige Asia-Markt auf der Mercatorstaße 50 bietet verschiedene Tsingtao Pilsener an. Wohl bekommt`s!

Zum Weiterlesen: Die Vogelschaupläne von Tsingtau. Verlag Ludwig, Gert Kaster

Zur Ahnenrecherche: www.tsingtau.info