Duisburg: Trio um dem Jazz-Gitarristen Igor Lazarev in der Säule

Jazz in der Säule : Konzert der Stimmungen und Erinnerungen

Die Band um Igor Lazarev gastierte in der Reihe „Säule-Jazz Kabinett“.

 Mit dem Stück „Welcome to the Gig - Willkommen zu unserem Auftritt“ begann das Trio um den Jazz-Gitarristen Igor Lazarev das Konzert im Rahmen der Reihe „Säule-Jazz Kabinett“. Zum ersten Mal gastierte Lazarev in Duisburg und es wurde gleich zu einem Gedenk-Konzert. Denn organisiert hatte dieses Engagement der Anfang des Jahres verstorbene Schlagzeuger Bernhard Spieß. Aus diesem Grund widmete die Band diesen Abend auch dem verstorbenen Musiker.

Der in Bonn lebende Gitarrist mit russischen Wurzeln komponiert seine Stücke nach Gefühlslagen. Lazarev  will Stimmungen, Emotionen und Erinnerungen in die Musik übertragen. Seinem Publikum erläutert er deshalb zu jedem Stück die Motivation, die den Kompositionen zugrunde liegen. Mit dem kompakt gespielten „Song for Aljoscha“ erinnert er an seine Jugendjahre als Musiker auf einer Wolga-Kreuzfahrt, mit „Grenzenlos“ beschreibt er seine Ansicht über das freie Leben in Deutschland, mit „It’s not over“ erinnert er sich melancholisch an seine Eltern.

Jazz-Rock und Blues bekamen die Besucher zu hören. Bassist Christian Kussmann ist für den eher introvertierten Igor Lazarev der extrovertierte Gegenpart. Auf seinem sechsaitigen Bass liefert er gleichzeitig Groove und harmonische Ergänzungen, seine Solis sind herausragend. Schlagzeuger Maik Haarmann  - ein Schüler des verstobenen Bernhard Spieß - lieferte eine solide Basis der „Lazarev Project Group“, die auch mit wechselnden Besetzungen im Auftrag des Jazz-Rock unterwegs ist. Wie sich Musiker im Jazz gegenseitig beeinflussen zeigte das Trio mit der schweißtreibenden Komposition „Very Personal“ in Anlehnung an „Nothing Personal“ von Michael Brecker.

Igor Lazarev entwickelt seine Stücke aus scheinbar einfachen Themen, baut sie dann zu einem harmonischen Geflecht aus, kehrt zurück zum Thema, verfremdet es erneut, nutzt Effekte, die manchmal nicht von dieser Welt zu sein scheinen; nur selten spielt er sein Instrument ohne einen Soundeffekt, was manchmal den Eindruck hinterlässt, als wären die Stücke austauschbar. Igor Lazarev  lässt seinem Bassisten immer auch genügend Raum zur Entfaltung. Manchmal dominierte der Bass-Sound bei diesem Konzert zwar etwas zu sehr und überlagerte so die Gitarre. Es war aber sicherlich nicht gewollt, sondern den Raumverhältnissen in der „Säule“ geschuldet.

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