Duisburg: Trio Imàge eröffnete erfolgreich die Kammerkonzert-Saison.

Kammerkonzert : Trio Imàge: Auf Skepsis folgte Begeisterung

Das Trio Imàge eröffnete die neue Saison 2019/20 der Duisburger Kammerkonzerte in der Philharmonie Mercatorhalle mit einem ersten Höhepunkt.

Als Klaviertrio ausgebildet wurden Gergana Gergova (Violine), Thomas Kaufmann (Violoncello) und Pavlin Nechev (Klaver) unter anderem in Duisburg (die RP berichtete), inzwischen sind sie auf den Konzertpodien der Welt zuhause. Klar, dass sie sich besonders freuen, wenn sie wieder einmal in unserer Stadt gastieren. Das Publkum war zunächst etwas skeptisch wegen des nicht alltäglichen Programms, ließ sich dann aber restlos überzeugen.

Der Abend in der Philharmonie Mercatorhalle begann mit der Uraufführung der „Ecstatic Eruptions...“ für Klaviertrio des 1984 geborenen bulgarischen Komponisten Peter Kerkelov, das ist ein Auftragswerk des Trio Imàge. Übrigens stammen sowohl die Geigerin und der Pianist als auch der Komponist aus der selben Stadt Plovdiv. Kerkelov gab zu seinem Stück die folgende Verständnishilfe: „Es scheint mir, dass die tägliche Routine unsere Augen für die Welt öffnen könnte. Wir sind ständig unter Druck gesetzt durch die hektische Wiederholbarkeit unseres Alltagslebens, doch in diesem Wahnsinn könnten wir die Zeit anhalten und unser inneres Fenster nach außen öffnen. Dieser Vorgang ist eine euphorische Ekstase. Es ist ein plötzlicher Ausbruch von Gedanken, Visionen oder närrischem Gekritzel, das uns wie Ikarus werden lässt - ein hilfloser Flieger in einer öden Umgebung.“ Das musikalische Ergebnis war ein Wechselbad von schroffen und hypersensiblen Elementen.

Als zweites stand auf dem Programm ein Werk, das fast nie aufgeführt wird, obwohl es sich hier als höcht hörenswert erwies. Es war jenes Klaviertrio a-Moll op. 4, in dem der damals 22 Jahre junge und später in einem KZ ermordete Siegfried Fall (1877-1943) stilistisch noch stark von Robert Schumann und Johannes Brahms abhängig ist, aber immer wieder schon auf einen eigenen, fast expressionistischen Weg ausreißt.

Nach der Pause kam das dann einzige Repertoirewerks des ersten Kammerkonzerts, nämlich das Klaviertrio f-Moll op. 65 (1883) von Antonín Dvorák. Freilich wirkt auch diese Komposition nicht ganz so gefällig wie man es von diesem Meister gewohnt ist, denn ihre Grundstimmung ist tragisch, ja widerständig. Fast überflüssig zu erwähnen, dass das Trio Imàge jederzeit ebenso detailgetreu wie spielfreudig daherkommt. Kleinteilige Artikulationen und großbögige Phrasierungen werden perfekt und mitreißend gestaltet, da bleiben praktisch keine Wünsche offen. Das begeisterte Publikum bekam eine Zugabe, es war die elegische Nr. 3 aus „Vier alte bulgarische Legenden“ von Marek Diakov – das war vor fünf Jahren ebenfalls ein Auftragswerk der Drei.

Im nächsten Kammerkonzert am Sonntag, 13. Oktober, um 19 Uhr, in der Philharmonie Mercatorhalle, widmen sich die Sopranistin Hana Blaziková und das Barockensemble nuovo aspetto „Haydns Entdecker“ Johann Georg Reutter. Karten gibt es am einfachsten im Internet unter karten@theater-duisburg.de.

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