Duisburg: Thomas Baumgärtel stellt in der Cubus-Kunsthalle aus

Ausstellung: Viele Bananen und eine Brücke

Der als „Bananensprayer“ bekannte Kölner Weltkünstler Thomas Baumgärtel zeigt jetzt noch bis zum 25. November in der Cubus-Kunsthalle „Politische Arbeiten“.

Es gibt wohl kaum einen Künstler, der sich vehementer für die Freiheit der Kunst und die freie Meinungsäußerung einsetzt, als der 1960 in Rheinberg geborene Kölner Weltkünstler Thomas Baumgärtel. Bekannt ist er als „Bananensprayer“, denn er hat seine Banane an die Eingänge von inzwischen 4000 Kunstorten in aller Welt gesprüht. 2001 gestaltete er zusammen mit dem Malermeister Dieter Siegel-Pieper die Fassade des Hauses Karlstraße 28 in Ruhrort, allgemein bekannt als „Bananenhaus“. Mit Hilfe der Banane prangert er aber auch Missstände an. Er titulierte Helmut Kohl einst nicht als „Birne“, sondern als „Banane“ und stellte ihn in Form vieler kleiner Bananen als „Bananenpointillismus“ dar. Und zwar lange vor der Spendenaffäre, welche die Bezeichnung „Bananenrepubik Deutschland“ bezüglich diverser Finanz-, Korruptions-, Umwelt- und Betrugs-Skandale erst salonfähig gemacht hat.

Jetzt zeigt Baumgärtel in der Cubus-Kunsthalle im Kantpark, Friedrich-Willhelm-Straße 64, noch bis zum 25. November etwa 100 „Politische Arbeiten“. Darunter ist auch die großformatige „Brooklyn Bridge“ in Acryl und Spraylack auf Plakatwand, denn Baumgärtel sieht sich eigentlich als Brückenbauer, dem der Dialog und die Verständigung wichtig sind. Er bleibt dabei aber natürlich ein kritischer Künstler, der auch Widerspruch bewirkt – bis hin zu Morddrohungen. Besonders setzt er sich für die derzeit in der Türkei inhaftierten Künstler und Journalisten ein, die er als „politische Gefangene“ und „Geiseln in einem Krieg“ bezeichnet.

  • Vernissage : Bananensprayer Thomas Baumgärtel im Sir Walter

Als jüngstes Werk ist in der Duisburger Ausstellung das Schild zu sehen, das Baumgärtel vor wenigen Tagen bei einer Demonstration gegen den Köln-Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan trug. Darauf steht „Stop State Terrorism in Turkey“ und zu sehen ist darauf ein Porträt von Erdogan mit Hitlerbärtchen. Das ist aber noch harmlos gegen sein Werk „Türkischer Diktator“, es zeigt den vorgebeugten Erdogan mit unbekleidetem Unterkörper und einer Banane im Gesäß – und das mit einem original türkischen Glitzer-Rahmen und vor dem Hintergrund der türkischen Flagge.

Als es im Sommer 2016 im Kunstverein Langenfeld und im Februar 2018 auf der Art Karlsruhe gezeigt wurde, gab es lautstarke Proteste und Drohungen. In Langenfeld wurde die Ausstellung vorzeitig beendet und der Künstler mit seiner Familie unter Polizeischutz gestellt. In Karlsruhe hängte der Galerist das Bild ab, Baumgärtel trennte sich daraufhin von ihm und sprach von Zensur und Bedrohung der Kunstfreiheit. Das Werk hängt jetzt auch in Duisburg. Die türkische Konsulin hat sich schon beschwert, was Cubus-Chefin Dr. Claudia Schaefer gestern gegenüber der Presse mit den Worten kommentierte: „Die ist schon bekannt dafür“. Der Staatsschutz ist informiert und bewacht die Umgebung.

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