Duisburg: Theatertreffen zu den Utopie-Akzenten

Theatertreffen zu den Akzenten 2019 : Utopien der Liebe und anderes

Die 40. Duisburger Akzente beschäftigen sich vom 16. März bis 7. April 2019 mit „Utopien“. Kernstück der Kulturwochen ist dabei das Schauspieltreffen im Duisburger Stadttheater mit Gastspielen aus Wien, Hamburg und Hannover.

Seit 1999 wurde der Landeszuschuss für das Duisburger Schauspiel nicht erhöht – ungeachtet aller Preissteigerungen und des Übergangs von der D-Mark zum Euro. Gestern machte Kulturdezernent Thomas Krützberg die Mitteilung, dass das Land endlich mehr Geld für das Duisburger Schauspielangebot bewilligt hat. In diesem Jahr gab es 68.000 Euro zusätzlich. In den kommenden Jahren wächst der zusätzliche Jahreszuschuss schrittweise von 71.000 Euro über 77.000 und 84.000 Euro bis zu 90.000 im Jahr 2022. Diese zusätzlichen Gelder kann Michael Steindl frei für das Duisburger Schauspielangebot verwenden – beispielsweise auch für den „Einkauf“ von hochkarätigen Gastspielen.

Gastspiele von großen Bühnen prägen auch das Theatertreffen zu den 40. Duisburger Akzenten, die von 16. März bis 7. April 2019 unter dem Motto „Utopien“ stehen. Im druckfrischen Programmheft für die zweite Spielzeithälfte werden auch die Akzente-Vorstellungen im Stadttheater ausführlich beschrieben. Die Broschüre liegt zum kostenlosen Mitnehmen im Stadttheater und anderen Kultureinrichtungen aus.

Schauspieler und Autor Joachim Meyerhoff in einer Szene aus „Die Welt im Rücken“. Foto: Reinhard Maximilian Werner

Eröffnet werden die 40. Duisburger Akzente aber nicht mit einem Gastspiel, sondern mit einer Eigenproduktion und dem wohl berühmtesten Schauspiel überhaupt: „Romeo und Julia“. Der Schauspieljugendclub „Spieltrieb“ wagt dabei den Sprung auf die große Bühne. Die jugendlichen Schauspieler stehen dabei mit vier erfahrenen Profischauspielern auf der Bühne (Katharina Böhrke, Stephanie Gossger, Kai Bettermann und Matthias Matz). Die Titelrollen werden jedoch von den Jugendlichen übernommen, wobei sich jedoch erst in den kommenden Probewochen herausstellen wird, wie der junge Regisseur Kevin Barz den Shakespeare-Text inszenieren und ins Heute übertragen wird. Kevin Barz war übrigens selber einst Mitglied des Spieltriebs.

„Jeder stirbt für sich allein“ – mit Barbara Nüsse und Benjamin-Lew Klon. Foto: Angerer, Krafft

Das Schauspiel Hannover kommt am 23. März mit „Madame Bovary“ ins Duisburger Stadttheater, „allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“, wie es im Untertitel heißt. Das Regieduo Clemens Sienknecht, der bei dem Schauspiel auch auf der Bühne steht, und Barbara Bürk haben die berühmteste Ehebrecherin der Literaturgeschichte frei nach der Romanvorlage von Gustave Flaubert bearbeitet. Ihre Inszenierung gehört zu einer Serie von anderen Romanbearbeitungen wie „Effi Briest“ und „Anna Karenina“, die auch jeweils den Zusatz haben: „allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“. Michael Steindl kennt die Arbeiten von Sienknecht/ Bürk und kann begeisternd davon erzählen.

Ebenfalls als Gastspiel aus Hannover kann man im Duisburger Theater am 26. und 27. März „Macht und Widerstand“ von Ilija Trojanow erleben. Dabei taucht man tief in die neuere bulgarische Geschichte ein, die aber beispielhaft für die Auseinandersetzung mit Schuld, Unrecht, Anmaßung und politscher und privater Moral ist.

Vier Stunden und 15 Minuten ist die Inszenierung von Hans Falladas „Jeder stirbt für sich allein“ lang, die am 30.und 31. März beim Theatertreffen gezeigt wir. Regie führt der international bekannte Theatermann Luk Perceval. Die Inszenierung sei eine Sensation, sagte Steindl. In einer Kritik heißt es: „Großartiges Ensembletheater. Luk Percevals konzentrierter Minimalismus erreicht in diesem mühelos über vier Stunden tragenden Abend eine neue Dimension.“ „Jeder stirbt für sich allein“ wurde auch mit einem Bühnenbildpreis ausgezeichnet, die mitwirkende Schauspielerin Barbara Nüsse ist in diesen Tagen mit dem Theaterpreis „Faust“ geehrt worden.

Das Burgtheater Wien kommt mit einem Einpersonenstück nach Duisburg, das nach seiner Premiere von der Kritik geradezu überschwenglich gelobt wurde: „Die Welt im Rücken“ nach dem Roman von Thomas Melle (Gastspiele am 5. und 6. April). Die Wiener „Presse“ schrieb nach der Premiere: „Jan Bosse inszenierte ein fiebriges, bildstarkes Roadmovie über eine bipolare Störung. Joachim Meyerhoff ist phänomenal.“ Die Zeitschrift „Theater heute“ wählte im vergangenen Jahr Joachim Meyerhoff zum Schauspieler des Jahres.

Neben diesen vier großen Produktionen im großen Haus des Duisburger Stadttheaters beschert das Akzente-Theatertreffen noch sechs weitere Produktionen im Theater-Foyer.

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