Duisburg: TheaterStrahl Berlin mit Berliner-Stück im Stadttheater

Gastspiel im Theater : Mauern trennen Menschen

Das Theater Strahl Berlin gastierte im Duisburger Theater mit dem Schauspiel „#BerlinBerlin".

Die vier Theaterautor/innen Sina Ahlers, Uta Bierbaum, Günther Jankowiak und Jörg Steinberg sind aus Ost und West, geboren vor und nach der „Wende“. Sie hatten in einem kollektiven Schreibprozess dieses Stück über das Leben in einer geteilten Stadt entwickelt. Eine Familiengeschichte zwischen Ost und West stellt darin die Frage nach dem Sinn von Mauern, die uns trennen und immer wieder neu errichtet werden. Die Hauptfigur Ingo wird am Tag des Mauerbaus in Ost-Berlin geboren. Auf seinen Vater wartet er vergebens, denn der konnte an jenem 13. August 1961 nicht mehr zurück von seiner Arbeitsstelle in West-Berlin zu seiner Familie in den Osten und lebt nun längst mit seiner neuen Familie in West-Berlin. Seine Mutter schweigt und das Leben in der DDR wird immer schwieriger. Doch als das „Hierbleiben“ für Ingo nicht mehr geht und er endlich „rüber“ darf, ganz legal per Ausreiseantrag, ist der 9. November 1989 und die Grenze endlich offen.

Das ist weit mehr als eine szenische Geschichtsstunde, das ist eine unaufdringliche und allgemeinverständliche Diskussion der philosophischen Begriffe „Freiheit“, „Heimat“ und „Sicherheit“. Es geht auch nicht nur um „die“ Mauer und die damals geteilte (oder doppelte) Stadt Berlin. Mauern trennen Menschen - das kann die Betroffenen sehr leiden lassen, wie hier am Beispiel einer Familie gezeigt wird, das kann unter Umständen auch besser so sein. Das Stück fällt kein eindeutiges Urteil, wägt ab zwischen Vor- und Nachteilen. Bezeichnend ist die Figur von Vater Klaus, der durch seinen Hass gegen die Diktatur selbst zum autoritären Charakterschwein wird. Übrigens verdarben die vielen Köche hier nicht den Brei, denn dramaturgisch hat der Abend eine geschickte Bandbreite zwischen skurrilen Komödienszenen (zum Beispiel sollte das zweite Kind der Familie ein Junge werden und „Olaf“ heißen, wurde aber auch ein Mädchen heißt „Olinga“) und poetisch verdichteten Ruhepunkten.

Die Inszenierung von Jörg Steinberg ist lustvoll auf den Punkt gebracht, das Bühnenbild von Fred Pommerehn besticht durch „Mauer“-Elemente, die ständig neu kombiniert werden. Nora Decker, Beate Fischer und Josephine Lange sowie Oliver Moritz, Justus Verdenhalven und Raphael Zari spielen die verschiedenen Rollen unendlich liebevoll, vor allem wenn sie sich glaubwürdig in Kinder und Jugendliche verwandeln.

Am bislang heißesten Tag des Jahres war dieser an sich großartige Theaterabend durch die Wetterverhältnisse keine reine Freude. Immerhin sorgte die Lüftung im Großen Saal für erträgliche Temperaturen, zumal das Publikum kaum das Parkett füllte und die Ränge gesperrt waren. In der Pause draußen Luft schnappen war aber diesmal die schlechtere Idee, dort war es am späten Abend drückend-warm.

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