Bauskandal Pfähle sorgen für den festen Stand

Duisburg · Hat die Stadt beim Vertrag mit dem Investor von „The Curve“ zu viele Zugeständnisse gemacht? Sicher ist: Der Investor hat in jedem Fall gut verhandelt.

 Die markante Treppe im Innenhafen wurde ebenfalls auf Pfählen gebaut. Das ist für die „Kurve“, die direkt im Anschluss an die Treppe entstehen soll, ebenfalls notwendig.  RP-Archivfoto: crei

Die markante Treppe im Innenhafen wurde ebenfalls auf Pfählen gebaut. Das ist für die „Kurve“, die direkt im Anschluss an die Treppe entstehen soll, ebenfalls notwendig. RP-Archivfoto: crei

Foto: Christoph Reichwein (crei)

Die Diskussion um das Millionenloch bei der Realisierung der „Kurve“ im Innenhafen wirft einige Fragen auf. Insbesondere die Diskussion darüber, ob noch eine vernünftige Kosten-Nutzen-Relation möglich ist oder das ganze Projekt zu scheitern droht, erregt die Gemüter. Ein Blick in die Vergangenheit bringt dabei Erhellendes zutage.

Was hat der Rat beschlossen?

In nichtöffentlicher Sitzung hat der Rat am Montag wie berichtet einer Erhöhung der Kosten für die Baureifmachung um rund 1,8 Millionen auf insgesamt rund 5,4 Millionen Euro zugestimmt. Gleichzeitig hat er bekräftigt, an der Realisierung von „The Curve“ festzuhalten.

Was hat zu der Kostenexplosion geführt?

Die Verwaltung hat dazu mehrere Gründe genannt. Am gravierendsten dabei soll die Verfüllung des Baugrunds mit sogenannten „Waschbergen“, einem Abfallprodukt aus dem Bergbau, in den Jahren 2007/2008 gewesen sein. Dies habe dazu geführt, dass der Baugrund nicht tragfähig genug geworden ist. Nun sind aufwändige Verdichtungs- und Bodenverbesserungsmaßnahmen notwendig.

Wer ist Schuld daran?

Federführend war seinerzeit die inzwischen aufgelöste Innenhafen Duisburg Entwicklungsgesellschaft (IDE). Sie ließ seinerzeit Waschberge zum Einsatz kommen, um Kosten zu sparen.

Ist die Stadt von dieser Entwicklung überrascht worden?

Nur zum Teil. Selbst wenn in der Bauverwaltung niemand davon gewusst haben sollte, hätten Probleme mit dem Baugrund bekannt sein müssen. Dass am Innenhafen aufgrund der Bodenbeschaffenheit grundsätzlich nur Pfahlbauten die notwendige Standsicherheit gewährleisten, war allgemein bekannt. So sind seinerzeit auch die von der KölblKruse-Gruppe gebauten Immobilien am Innenhafen errichtet worden. Das gilt selbst für die – bislang ungenutzte – Treppe in der Kurve des Holzhafens.

Warum hat sich die Stadt gegenüber dem Investor dann dazu verpflichtet, für die Kosten der Baureifmachung aufzukommen?

Offensichtlich ist auf Seiten der Projektentwickler geschickt verhandelt worden. Im Wissen darum, dass die Stadtverwaltung das Projekt unbedingt verwirklichen wollte, hat man die Klausel in den Vertrag gebracht, dass die Stadt für diese Kosten aufkommt. Dabei hätten Fachleute in der Bauverwaltung eigentlich wissen müssen, dass es Probleme mit der Tragfähigkeit des Bodens geben würde.

Wie hätte man dies umgehen können?

In solchen Fällen ist es durchaus üblich, die Kosten auf Seiten des Verkäufers zu deckeln. Ein Beispiel: Der Verkäufer – die Stadt Duisburg – verpflichtet sich vertraglich, bis zu 90 Prozent des Verkaufspreises für die Kosten der Bodenverbesserung zu übernehmen. Bei einem Verkaufspreis von sechs Millionen würde sie also 5,4 Millionen Euro dafür aufwenden müssen – maximal. Zehn Prozent, also 600.000 Euro, würden ihr aber auf jeden Fall bleiben, selbst wenn die Baureifmachung zehn Millionen Euro kosten würde. Nach der derzeitigen Regelung ist es für die Stadt aber ein Fass mit offenem Boden, denn noch kann nicht abschließend beantwortet werden, wie hoch am Ende die Kosten wirklich werden.

Wie geht es jetzt weiter?

In Nachverhandlungen mit den Investoren kann die Stadt noch auf Besserungen hoffen. Der hohe Stellenwert des Projekts ist politisch unumstritten. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gebag nimmt sich der Sache an. Gutachter sollen klären, wie der Boden technisch verbessert und noch nötige Sondierungen für Kampfmittelräumungen vorgenommen werden können.

Und wenn es doch noch deutlich teurer wird als die jetzt veranschlagten 5,4 Millionen Euro?

Dann muss der Rat erneut entscheiden, ob er bereit ist, für dieses Projekt noch einmal in die Tasche zu greifen. Die Frage ist, wie viel unserer Stadt dieses Projekt wert ist. Aber auch die Stadtspitze hatte bereits klar gemacht, wie wichtig der Lückenschluss im Innenhafen wäre. Allerdings nicht um jeden Preis.

(mtm)