Duisburg: Superintendent Armin Schneider über Ostern

Interview Armin Schneider, Superintendent : „Uns allen blüht das Leben“

Die Botschaft des Osterfestes ist für den Superintendenten so aktuell wie nie.

Sie sind zum einen Superintendent und damit Repräsentant der evangelischen Kirche in Duisburg. Zum anderen sind Sie auch Krankenhauspfarrer, sprechen in diesem Amt oft mit Menschen, denen es sehr schlecht geht. Welchen Stellenwert hat für Sie vor diesem Hintergrund das Osterfest?

Armin Schneider Ganz kurz gesagt: Ohne meinen Osterglauben könnte ich meine Arbeit so nicht machen! Der Glaube, dass am Ende das Leben siegt, gibt mir die Kraft, mich auch der Begrenztheit des irdischen Lebens auszusetzen.

Blickt man auf die gesellschaftlichen Gepflogenheiten, auch auf das Konsumverhalten der Menschen, dann steht Ostern allerdings weit hinter Weihnachten zurück. Sehen Sie das anders?

Schneider Diese Beobachtung ist natürlich richtig. Von allen christlichen Festen steht Weihnachten in der Bevölkerung eindeutig an erster Stelle. Aber man muss sich als Christ klarmachen: Eigentlich ist Ostern das höchste der Feste, denn ohne die Osterbotschaft und den Glauben an den auferstandenen Jesus Christus, gäbe es unsere Kirche nicht.

Sprechen Sie über diesen Glauben auch in Ihren Osterpredigten?

Schneider Ich predige Ostersonntag im Fahrner Krankenhaus, Ostermontag im Herzzentrum. Bei den Predigten vor Kranken muss ich mir bewusst sein, dass sie womöglich existentiell bedrängende Fragen umtreiben. Die Notlage der Menschen im Krankenhaus kann ich nicht einfach überspringen. Man darf da auch nichts schönreden. Ich spreche deshalb auch den Karfreitag an, der zeigt, dass uns Menschen das Leid nicht erspart bleibt. Aber der Osterglaube ist ein zutiefst optimistischer, lebensbejahender Glaube, der besagt, dass es mit uns auch dann weitergehen kann, wenn wir es selbst nicht mehr erwarten. Gerade in unseren Breitengraden ist Ostern ein schönes Fest, weil es mit dem Frühlingsbeginn und dem neu erwachenden Leben zusammenfällt. Ostern - in einem Satz zusammengefasst - heißt für mich: „Uns allen blüht das Leben.“

Sie haben einmal erzählt, dass Sie von den Ostermärschen in den 70er und 80er Jahren und von der Aktion Sühnezeichen stark geprägt wurden. Spiegelt sich das auch heute noch in Ihrem Bewusstsein wider?

Schneider Ja, ganz stark. Die Aktion Sühnezeichen ist ja nichts anderes als eine religiös motivierte Friedensbewegung, der sich viele angeschlossen hatten. Ich erinnere mich noch heute mit einer Gänsehaus an einen Auftritt von Harry Belafonte, der bei einer Veranstaltung der Aktion Sühnezeichen im Jahr 1981 ungemein ergreifend „We shall overcome“ gesungen hatte. Wenn Menschen voller Hoffnung „We shall overcome“ („Wir werden es schaffen“) singen können, dann haben sie etwas von der Osterbotschaft verstanden. Und das Motto der frühen Ostermärsche „Aufstehen für das Leben“ finde ich nach wie vor richtig und gut.

Können Glaube und das aktive Mitwirken in der Gesellschaft miteinander verbunden werden?

Schneider Ja, unbedingt. Der Glaube an ein Leben nach dem Tod soll ja nicht dazu führen, alle Ungerechtigkeiten und Drangsale einfach hinzunehmen. Im Gegenteil: Wir sollen gegen alles aufstehen, was das Leben hier und jetzt beschädigt. Und das kann auch der Unfriede in der Stadtgesellschaft sein.

Was bedeutet das für Duisburg?

Schneider Das bedeutet beispielsweise ein friedliches Mit- und Nebeneinander der Weltreligionen. Der Runde Tisch der Religionen, der hier eingerichtet wurde, kann gewiss dazu beitragen, den Frieden in der Stadtgesellschaft zu fördern.
Peter Klucken 

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