Duisburg: Stolpersteine für schwule Opfer der Nazis

Homosexuelle Männer : Vier Stolpersteine für Nazi-Opfer

Am 12. September werden in Duisburg vier Stolpersteine zur Erinnerung an homosexuelle Männer verlegt, die Opfer der Nazis wurden. Eine solch große Aktion findet erstmals in Nordrhein-Westfalen statt.

Am Mittwoch, 12. September, werden erstmals in Nordrhein-Westfalen an einem einzigen Tag vier Stolpersteine zur Erinnerung an homosexuelle Männer verlegt, die Opfer der Nationalsozialisten wurden. Der Künstler Gunter Demnig, der 1992 damit begann, kleine Gedenktafeln in den Boden zu installieren, um damit an die Opfer der Nazis zu erinnern, wird die Steine persönlich an vier Orten in Duisburg verlegen. Der Bochumer Psychologe Jürgen Wenke hat die Namen der vier Duisburger recherchiert, an die mit den goldfarbenen Stolpersteinen erinnert wird. Seit zwölf Jahren beschäftigt sich Wenke mit den Untaten der Nazis an homosexuellen Männern. Auf Wenkes Initiative hin hat Gunter Demnig bereits 34 Stolpersteine in verschiedenen deutschen Städten verlegt. Mit den Stolpersteinen wird an Paul Friederich, Alfred Ledermann, August Zgorzelski und Walter Braumann erinnert. Jürgen Wenke hat in Archiven und auch anhand der Gestapo-Akten das Schicksal dieser vier Männer recherchiert. Seine Zusammenfassung stellt er der RP zur Verfügung:

Der Hausierer und spätere Angestellte Paul Friederich (1909 bis 1945) gestand in den Gestapo-Verhören 1936 sexuelle Kontakte zu Männern, unter anderem eine „einmalige gemeinsame Onanie“ mit dem Buchhalter und ehemaligen Bankbeamten Walter Braumann (1897-1973). Dieser sexuelle Kontakt zwischen beiden lag mehrere Jahre zurück. Braumann gestand in den Verhören bei der Gestapo sexuelle Kontakte zu weiteren Männern. Paul Friederich wurde als nicht schuldfähig eingestuft, das erste Strafverfahren im Jahr 1936 gegen ihn wurde eingestellt. Jedoch wurde er 1943 bei einem zweiten Gerichtsverfahren mittels §175 verurteilt zur Einweisung in eine Heil- und Pflegeanstalt. Von dort wurde er im September 1944 in das KZ Mauthausen/Österreich deportiert, wo er als „Sicherungsverwahrter“ kurz vor Ende des Krieges im März 1945 ermordet wurde.

Der 20 Jahre alte Arbeiter Alfred Ledermann (1921-1942) wurde als „asozial und homosexuell“ bezeichnet und nach zwei Gefängnisstrafen nach §175 in das KZ Sachsenhausen deportiert, wo er bei einer gezielten Mordaktion gegen Homosexuelle im Klinkerwerk im Sommer 1942 ermordet wurde.

Paul Friederich. Foto: Jürgen Wenke

Der bei Krupp in Rheinhausen arbeitende Schmelzer August Zgorzelski (1904 bis 1944) wurde gemeinsam mit dem in Viersen lebenden Färber Heinrich Kamps (1902-1943) im August 1941 vor dem Duisburger Landgericht angeklagt und zu Gefängnishaft verurteilt - unter anderem wegen eines gemeinschaftlichen sexuellen Kontaktes. Beide galten wegen anderer homosexueller Kontakte bereits als vorbestraft. Zuvor hatte das „Erbgesundheitsgericht Bochum“ Zgorzelski im Jahr 1939 für „angeboren schwachsinnig“ erklärt – während er im Bochumer Gefängnis die erste Strafe nach §175 verbüßte – und ihn zur zwangsweisen Unfruchtbarmachung zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“ verurteilt. Sowohl Kamps als auch Zgorzelski wurden nach voller Verbüßung der verhängten Haftstrafen von der Polizei in Vorbeugehaft genommen, nach Buchenwald deportiert und dort ermordet. Ein Stolperstein für den Viersener Heinrich Kamps soll zu einem späteren Zeitpunkt an dessen letzten freiwilligen Wohnort in Viersen verlegt werden.

Walter Braumann (1897-1973) wurde 1936 zeitgleich mit Paul Friederich – aber in einem getrennten Verfahren – zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt. Er fand „Milde“ vor den Richtern. Nach der Haftverbüßung wurde er entlassen und fand mit Hilfe seiner angesehenen Kaufmannsfamilie (Die Familie betrieb eine Holzschuh- und Galoschenfabrik in Duisburg) eine neue Arbeitsstelle und überlebte die NS-Zeit. Er starb im Alter von 76 Jahren – eine Entschädigung für das erlittene Unrecht erhielt er nicht.

August Zgorzelski. Foto: Jürgen Wenke/Jürgen Wenke

Im Gespräch mit der RP hob Jürgen Wenke die unkomplizierte Unterstützung durch die Stadt Duisburg hervor. Die Patenschaften für die vier Stolpersteine übernehmen: Michael Kleine-Möllhoff, Mitglied der Bezirksvertretung Duisburg-Süd (Ledermann), die Bundestagsabgeordnete Bärbel Bas (Friederich und Zgorzelski) sowie der gemeinnützige Verein DUGay e.V. (Braumann). Die Organisation der Stolpersteinverlegungen übernimmt der Jugendring Duisburg.

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