Duisburg: Stillberaterin steht Müttern mit Rat und Tat zur Seite

„Schönster Job im Krankenhaus“ : Stillberaterin steht Müttern mit Rat und Tat zur Seite

Stillberaterin Helga Hamacher hat schon zahlreiche junge Frauen beraten. Oft setzen sich junge Mütter selbst zu sehr unter Druck.

„Ich habe den schönsten Job im ganzen Krankenhaus“, sagt Helga Hamacher. Die 63-Jährige ist Stillberaterin in der Klinik für Geburtshilfe am St. Anna Krankenhaus. Sie hat bereits hunderten Müttern und ihren Babys geholfen, wenn es mit dem Stillen nicht so richtig klappte. Die Frauen kommen dann zu Helga Hamacher ins Stillzimmer. Die erfahrene Stillberaterin zeigt ihnen zum Beispiel, wie man das Kind richtig anlegt – „immer das Köpfchen in gerader Position zur Brust halten“.

Sind die Brustwarzen wund, kann sie mit einem Softlaser helfen. „Dieser Laser aktiviert die Zellerneuerung“, erklärt die Stillberaterin. Doch oft liegen keine konkreten körperlichen Ursachen vor, sondern vielmehr Versagensängste. „Junge Mütter setzen sich oft sich selbst unter Druck, weil sie alles perfekt machen wollen“. Und damit blockieren sie sich. Helga Hamacher ist davon überzeugt, dass es nichts Besseres gibt als zu stillen. Erwiesen sei, dass Stillen die Sprachentwicklung fördere, weil die Mundmuskulatur gestärkt werde. Stillen senkt das Allergierisiko beim Kind und bei den Müttern das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Und durch den engen körperlichen Kontakt fördert Stillen die Beziehung zwischen Mutter und Kind.

Junge türkische Frauen hätten jahrelang kaum Probleme beim Stillen gehabt. „Die waren ganz souverän, haben das von ihren eigenen Müttern übernommen“. Doch diese Zeiten seien vorbei, zumindest bei den Frauen, die schon lange in Deutschland lebten, sagt. Helga Hamacher die seit 46 Jahren im St. Anna arbeitet – so lange wie wohl kaum ein anderer. Obwohl sie von Patienten Schwester Helga genannt wird, ist Helga Hamacher keine Krankenschwester. „Ich wollte nie mit kranken Kindern arbeiten. Das hätte mich persönlich zu sehr mitgenommen“. Sie sei ein Sensibelchen, obwohl man ihr das nicht anmerke, lacht die Frau mit der flotten Kurzhaar-Frisur, die burschikos wirkt.

„Früher gehörten die Babys den Schwestern“, erinnert sich Helga Hamacher an ihre ersten Jahre auf der Wöchnerinnenstation. Die Mütter bekamen ihre Kinder alle vier Stunden nur mal kurz zum Stillen zu sehen. Männer wurden allgemein als störend empfunden. Das Stillzimmer war früher mal ein Aufenthaltsraum für Männer. Er wurde irgendwann eingerichtet, damit die werdenden Väter nicht stundenlang auf dem Flur im Weg standen. Zum Glück hat sich die Haltung grundlegend geändert. Die begeisterte Hobbyfotografin, fotografiert auch im Krankenhaus mit Leidenschaft, etwa die knuffigen WM-Babys oder die Winzlinge, für die Mitarbeiter Nikolausmützen gestrickt haben – bessere Werbebotschafter für die Geburtshilfe im Haus kann man sich nicht vorstellen. Überhaupt sind die Babys ganz klar die Stars im Krankenhaus. Die gynäkologischen Patienten standen immer gerne hinter der Glasscheibe und schauten dabei zu, wie die jungen Väter im Kinderzimmer den Nachwuchs wickelten. Doch aus Gründen der Privatsphäre wurde das Glas mittlerweile durch eine Holztür ersetzt.

Helga Hamacher hält sich fit mit Joggen und Yoga. Ihre Freizeit verbringt die Stillberaterin besonders gern mit Enkelin Mila (9) und mit Kalle, dem putzigen Havanesen. Ehemann Karlheinz muss dann schon mal zurücktreten. An den Ruhestand denkt Helga Hamacher vorläufig nicht, dazu liebt sie ihren Beruf zu sehr. Doch auch für die Rente hat sie schon eine Idee: einen Oma- und Opa-Service.