Duisburg: Standesbeamtin unterschlug Ehegebühren

PROZESS : Standesbeamtin unterschlug Ehegebühren

Das Landgericht verurteilt die 62-Jährige in zweiter Instanz zu 10.500 Euro Geldstrafe. Eine Depression wollte ihr das Gericht nicht so recht abnehmen.

(bm) Vergeblich kämpfte eine 62-jährige Dinslakenerin gestern in zweiter Instanz vor dem Landgericht am König-Heinrich-Platz gegen eine Verurteilung wegen Untreue. Zwischen Juli 2012 und Oktober 2014 hatte sie als Standesbeamtin im Hamborner Rathaus in 64 Fällen die Eheschließungsgebühren heiratswilliger Paare in die eigene Tasche gesteckt.

Es darf bezweifelt werden, dass die Pensionärin mit dem Ausgang des Berufungsverfahrens zufrieden ist. Denn aus einer achtmonatigen Bewährungsstrafe wurde eine Verurteilung zu 10.500 Euro Geldstrafe (150 Tagessätze zu je 70 Euro). „Die mildere Strafe mag als härteres Mittel erscheinen “, gab die Vorsitzende zu. Der Verteidiger hatte das Urteil des Amtsgerichts insbesondere deshalb angegriffen, weil er eine Aussage des langjährigen Psychotherapeuten der Angeklagten für tragfähiger hielt als das Gutachten eines gerichtlich bestellten Sachverständigen. Während der eine aufgrund einer depressiven Störung der 62-Jährigen und eines Traumas aus Kindertagen die Schuldfähigkeit der Angeklagten bezweifelte, sah der andere dafür keinen Anhaltspunkt. Der Vorschlag des Verteidigers, das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße einzustellen, lief ins Leere. „Nicht bei 64 Fällen und einem Tatzeitraum von mehr als zwei Jahren“, lehnte der Staatsanwalt ab.

Die Angeklagte räumte ihr Fehlverhalten, wie schon in erster Instanz, ein. Den Schaden von 4369 Euro hat sie beglichen – einer der Gründe, warum die Strafe nach unten korrigiert wurde. Daran, dass der Gutachter die Angeklagte für voll schuldfähig hielt, änderte sich aber nichts. „Wer schwer depressiv ist, geht nicht arbeiten“, so der Mediziner. Und schließlich sei die Angeklagte planvoll vorgegangen, als sie Quittungen in den Akten abheftete und sie mit gefälschten Kassennummern versah. Auf den Ausgang eines Disziplinarverfahrens muss die Kommunalbeamtin im Ruhestand noch warten. Es ruht bis zur Rechtskraft eines Strafurteils.

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