Duisburg: Stadtwerke-Chor gibt vor der Auflösung noch letztes Konzert

Fehlender Nachwuchs : Chor der Stadtwerke Duisburg gibt Abschiedskonzert

Der Stadtwerke-Chor löst sich zum Ende des Jahres auf. Es fehlt an Nachwuchs. Für die 45 Mitglieder geht damit eine Ära zu Ende.

Mit den Worten „Das war noch nicht ganz eins“, korrigierte Chorleiter Axel Quast die Sänger des Stadtwerke-Chors und des Wanheimer Sängerbundes von 1871 beim Einüben des Spirituals „Kumbaya“. Dass die 45 Mitglieder der Chorgemeinschaft, die am Samstagvormittag gemeinsam für ihr großes Weihnachtskonzert im Casino der Stadtwerke probten, voll konzentriert waren, zeigte sich bei der Wiederholung der schwierigen Gesangspassage.

Und die gelang schon besser. „Wunderschön, so ist es gut“ lobte Musikdirektor Quast. Seit 2016 leitet er den Werkschor, mit dem Weihnachtskonzert am 9. Dezember endet für die Stadtwerke-Sänger dann eine Ära. Der Chor, der 1982 gegründet wurde und nicht nur in Duisburg einen hervorragenden Ruf hat, löst sich zum Ende des Jahres auf.

Für Heinz Pannen, den ersten Vorsitzenden, war dieser Schritt am Ende unvermeidlich. Aus Altersgründen („Unser Durchschnittsalter beträgt 77 Jahre“) standen immer weniger Sänger auf der Bühne, Alter und Krankheit machten auch vor dem Werkschor nicht halt. „In den 1990er-Jahren Jahren hatten wir 75 Aktive, jetzt sind es noch knapp über 20“, erklärte Pannen, der schon bei der Gründung vor 36 Jahren dabei war.

In den letzten Jahren kooperierte man, um weiterhin in üblicher Chorstärke auftreten zu können, mit anderen Gesangsvereinen. Das große Abschlusskonzert bestreitet man wie zuletzt gemeinsam mit dem Sängerbund Wanheim. Da passt es gut, dass Axel Quast beide Chöre leitet: „Das harmoniert prima, auch wenn wir meistens getrennt üben.“

„So zwei bis drei Jahre hätten wir schon noch weitermachen können“, erläuterte Heinz Pannen. Das Problem war, dass keines der Mitglieder mehr bereit war, Vorstandsarbeit zu machen. „Wir sind aber ein Verein, und da geht es nun mal nicht ohne Vorstand“, so der bisherige Vorsitzende, der aber gut verstehen kann, dass sich keiner mehr diese Last aufbürden wollte. „Es ist schon sehr schade, dass es den Chor bald nicht mehr geben wird“, bedauert auch Axel Quast, der ergänzt: „Trotz des hohen Altersdurchschnitts war da noch sehr viel Qualität.“ Ihm imponiert, dass „seine“ Sänger professionell mit der Situation umgehen: „Die sind mit großer Disziplin bei der Sache, man spürt, die wollen alle beim letzten Auftritt einfach besonders gut sein.“

Werner van den Berg ist von Anfang an dabei. Ihm fällt es schwer, daran zu denken, dass bald alles vorbei sein wird. Woanders weiterzusingen, ist für ihn keine Option. „Der Chor ist noch sehr gut, das tut schon weh“, findet der Buchholzer. Nicht nur die Weihnachtskonzerte („Früher gab es drei Auftritte vor vollbesetztem Haus“) sind ihm in bester Erinnerung, auch an die schönen Reisen denkt er gerne zurück: „Wir haben in Prag, Budapest, Südtirol und am Gardasee gesungen.“ Absoluter Höhepunkt war der Rom-Besuch, wo man im Petersdom eine Messe mitgestalten durfte. Verantwortlich für die Organisation der Reisen war der aktuelle Vorsitzende Heinz Pannen, den van den Berg als „wahren Glücksfall für den Chor“ bezeichnet.

Heiner Kraayvanger war ebenfalls Gründungsmitglied und von 1993 bis 2003 Vorsitzender der Stadtwerke-Sänger. Sein Sohn Christian singt ebenfalls im Werkschor, die tiefe Bassstimme hat er offensichtlich vom Vater geerbt. Vater Heiner wird auf jeden Fall, wie einige andere Sangesbrüder, beim Wanheimer Sängerbund weitermachen. Wenn er an das kommende Weihnachtskonzert denkt, schwingt schon eine Menge Wehmut mit: „Das wird mit Sicherheit hochemotional, da wird die eine oder andere Träne fließen.“

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