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Duisburg: Stadt zahlte Miete von Geflüchteten wochenlang nicht​

Verzögerung in Duisburg : Stadt zahlte Miete von ukrainischen Geflüchteten wochenlang nicht

Nach ihrer Flucht aus dem Kriegsgebiet in der Ost-Ukraine fanden Valentyna und Iryna Laktionova eine Wohnung in Duisburg. Doch trotz Zusage zahlte die Stadt die Miete wochenlang nicht. Eine Helferin sprang mit ihrem Ersparten ein.

Valentyna und Iryna Laktionova hatten ziemlich viel Glück, dass sie auf der Flucht vor Putins Bomben in Duisburg gelandet sind. Zumindest dachten sie das am Anfang. Es begann ja alles ganz vielversprechend.

Im März lernten sie diese Frau kennen, die Englischlehrerin Susanne Besel, sie ließ sie bei sich wohnen. Sie suchte den beiden eine Wohnung, Freunde und Bekannte sammelten Möbel, richteten alles ein. Nach nur ein paar Wochen hatten Valentyna und Iryna aus der Ukraine ein neues Zuhause in Deutschland. Doch die Stadt Duisburg zahlte die Miete für die Geflüchteten fast zwei Monate nicht. Der Vermieter drohte daraufhin mit der Kündigung des Vertrags. „Da bin ich dann an mein Erspartes gegangen und habe den beiden geholfen“, sagt Besel.

Im März fliehen Valentyna und Iryna Laktionova, Mutter und Tochter, aus ihrer Heimatstadt Dnipro im Osten der Ukraine. Über Polen reisen die beiden Frauen, 76 und 45 Jahre alt, nach Deutschland und sitzen irgendwann in einem Englisch-Kurs in Düsseldorf. Valentyna und Iryna sprachen nicht so gut Englisch, sie hatten die Sprache nie wirklich gebraucht.

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In der Sprachschule lernen sie Besel kennen. Besel besitzt ein großes Haus im Stadtteil Laar in Duisburg, mit den beiden Ukrainerinnen versteht sie sich gut. Und die brauchten schließlich schnell eine Unterkunft. Über die Duisburger Genossenschaft für Wohn- und Geschäftsbau (Gewoge) findet Besel eine kleine Wohnung ganz in der Nähe. 46 Quadratmeter, Kosten: 396 Euro ohne Nebenkosten.

Die beiden Ukrainerinnen ziehen Ende April ein. Schriftlich teilte ihnen das städtische Amt für Soziales und Wohnen mit, die Mietkosten zu übernehmen. Doch dann folgte: nichts. Das Geld kam beim Vermieter nicht an. Besel sagt, sie habe die Geflüchteten zuvor wie Verwandte bei sich zuhause aufgenommen. Selbstverständlich wollte sie die beiden auch weiter unterstützen. Mehrmals fahren sie gemeinsam zu den Behörden. Dort, sagt Besel, hieß es jedes Mal nur: Das Geld sei unterwegs, man müsse warten.

 Iryna Laktionova (links) und Mutter Valentyna Laktionova (Mitte) bekamen in Deutschland viel Unterstützung von Susanne Besel.
Iryna Laktionova (links) und Mutter Valentyna Laktionova (Mitte) bekamen in Deutschland viel Unterstützung von Susanne Besel. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Vergangene Woche hat unsere Redaktion die Stadt mit dem Fall konfrontiert. Eine Sprecherin teilt daraufhin mit, Valentyna und Iryna Laktionova hätten sich am 10. Juni beim Sozialamt wegen den ausstehenden Mietzahlungen für Mai und Juni gemeldet. Das Geld sei dann „ein paar Tage später“ überwiesen worden. Auch die Miete für den Juli sei ausgezahlt worden. Helferin Besel bestätigt das im Nachgang. „Nur ein paar Tage waren es allerdings nicht“, sagt sie. Demnach hätte die Stadt die Miete erst am 27. Juni an die Gewoge überwiesen – und damit am ersten Werktag nach unserer Anfrage. Anders als von der Stadt angekündigt, sei die Juli-Miete allerdings nicht dabei gewesen. „Wenigstens bekomme ich jetzt aber mein Geld zurück“, sagt Besel.

Die Stadt bittet derweil um Entschuldigung: „Leider kann es aufgrund der eingehenden Mengen von Post bzw. Vorsprachen in Einzelfällen schon mal zu Verzögerungen in der Bearbeitung bzw. Auszahlung kommen“, sagt eine Sprecherin. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiteten seit Monaten am Limit. „Wir bitten hier um etwas Verständnis, wenn es nicht immer reibungslos läuft.“ Derzeit leben mehr als 1100 Geflüchtete aus der Ukraine in Duisburg.