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Duisburg: Stadt will Personalnot in den Griff bekommen

Personalversammlung : Stadt stellt 100 neue Mitarbeiter in Aussicht

Auf der Versammlung des städtischen Personalrats wurden deutliche Rufe laut, die den akuten Personalmangel in der Verwaltung nicht mehr hinnehmen wollen. OB Link und der zuständige Dezernent versprachen Lösungen.

Oberbürgermeister Sören Link hatte gute Neuigkeiten im Gepäck. Auf der diesjährigen Personalversammlung des Personalrats „Innere Verwaltung“ der Stadt Duisburg, die am Dienstagmorgen in der Kraftzentrale des Landschaftsparks Nord stattfand und zu der zahlreiche Mitarbeiter der Stadt gekommen waren, erklärte Link, wie der Personalmangel in der Stadtverwaltung zumindest teilweise gelöst werden soll.

Wie der Oberbürgermeister mitteilte, sei ein Personalkonzept erarbeitet worden, das bereits an die zuständige Bezirksregierung weitergetragen worden sei. „Die intensiven Verhandlungen sind noch nicht zu Ende“, berichtete Sören Link. „Doch ich bin zuversichtlich, dass wir bald 100 neue Mitarbeiter einstellen können.“ Die neuen städtischen Beschäftigten sollten dann in den Bereichen eingesetzt werden, die zurzeit erheblich unterbesetzt seien. Darunter dürfte unter anderem das Straßenverkehrsamt fallen (die RP berichtete). In manchen anderen Abteilungen, zum Beispiel im Amt für Soziales und Wohnen, sind bis zu 30 Prozent aller Stellen unbesetzt.

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Link setzte sich am Dienstag auch dafür ein, dass bereits bei Beginn einer Ausbildung eine unbefristete Stelle in Aussicht gestellt wird, um Auszubildende längerfristig bei der Stadt Duisburg zu halten. Voraussetzung für die unbefristete Anstellung soll die bestandene Ausbildung sein. Auch die Wartezeit auf eine Beförderung soll in Zukunft auf maximal drei Jahre begrenzt werden.

„Wir arbeiten hart daran, die Probleme im Bereich des Personals zu verkleinern“, versprach der Oberbürgermeister. Dadurch dass die Stadt seit 2015 keine Schulden mehr mache und in den letzten Jahren Verbindlichkeiten in Höhe von knapp 300 Millionen Euro abgebaut habe, sei schrittweise neuer finanzieller Spielraum entstanden. „Die städtischen Mitarbeiter können sich sicher sein, dass das Geld auch für Personal eingesetzt wird“, sagte er. Sören Link bezifferte eine zusätzliche Summe von 20 Millionen Euro, die in den Personalkörper der Stadt investiert werden könnte, wenn der Rat dem neuen Haushalt für das kommende Jahr zustimmt.

Zugeständnisse gab es auch von Martin Murrack, der als Personaldezernent seit knapp einem halben Jahr die Fäden zieht. Murrack sicherte zu, dass im neuen Jahr 170 neue Auszubildende bei der Stadt Duisburg eingestellt werden. Vorher hatte der Personalrat vorgelegt, dass im Jahr 2019 bis zu 500 Stellen frei sein werden – auch weil viele Auszubildende die Verwaltung während oder kurz nach der Ausbildung verlassen. Der Personaldezernent gab zudem die Zusage, vorhandene und neue Stellen in Zukunft zu entfristen. Auch die Ausstattung der Büroräume solle modernisiert werden. „So gelingt es uns, als Arbeitgeber weiterhin attraktiv zu sein“, sagte Murrack.

Freie Stellen sollen in Zukunft weiterhin auch von Fremdfirmen wie octeo besetzt werden. „Nur mit Fremdfirmen schaffen wir es kurzfristig, Arbeitsspitzen einzufangen“, so der Personaldezernent. Murrack versprach allerdings, dass die Vergabe der freien Stellen an externe Arbeitgeber optimiert und die Kernaufgaben der Stadt weiter von der Kernverwaltung übernommen werden. Auch eine Übernahme von Fremdpersonal steht im Raum.

Die Stimmung während der Personalversammlung war angesichts der akuten Personalsituation kritisch. „Personalmangel ist mittlerweile der Normalzustand“, sagte etwa Personalratsvorsitzender Rainer Hagenacker. Bei den Beschäftigten werde voll auf Verschleiß gefahren, das Vertrauen der Duisburger in die Verwaltung schwinde und die Erkrankungsquote bei den Beschäftigten übersteige voraussichtlich die Zehn-Prozent-Marke.

Die Jugend- und Auszubildenenvertretung des Personalrats warnte in einem satirischen Auftritt vor den Problemen in der Verwaltung, die mit dem Personalmangel einhergehen: schlechte Ausbildung, Überforderung, wenig Aussicht auf Beförderung, befristete Verträge und Abwanderungen von qualifiziertem Personal. Schwarz gekleidet trugen die Vertreter einen gebastelten Sarg mit der Aufschrift „Wertschätzung“ in den Saal und vollzogen eine Beerdigung. Im Foyer der Kraftzentrale standen Grabsteine für Auszubildende, die der Stadt als Arbeitgeber den Rücken kehrten und ihr Glück in Nachbarstädten wie Düsseldorf oder Mülheim suchten.