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Duisburg: Duisburg — Stadt des Hochadels

Duisburg : Duisburg — Stadt des Hochadels

Die Geschichte des alten Hauses von Gerhard Mercator an der Oberstraße reicht weiter zurück als bisher vermutet. Ausgrabungen am Mercatorquartier zeigten, dass dort schon vor dem 11. Jahrhundert edle Häuser standen.

Unter dem Lehrerparkplatz des früheren Berufskollegs Mitte finden sich zahlreiche Mauerreste, die dem dort tätigen Archäologenteam um Grabungsleiterin Julia Völz schon nach kurzer Zeit aufschlussreiche Erkenntnisse ermöglichten. "Dass das Mercatorhaus hier stand, war für uns keine Überraschung", erklärte Stadtarchäologe Dr. Kai Thomas Platz gestern. Weitaus überraschender sei dagegen, dass das Haus des Kartographen, der von 1552 bis 1594 in Duisburg lebte und hier am 2. Dezember 1594 starb, zwei bauliche Vorläufer hatte — und deren Geschichte reichte noch Jahrhunderte weiter zurück in die Vergangenheit. "Das eigentliche Vorläufer-Haus stammt aus dem 11. Jahrhundert. Die Bauweise ist dem Gebäude der romanischen Kirche, die Vorläuferin der heutigen Salvatorkirche, sehr ähnlich. "Sie ist sogar so ähnlich, dass ich annehme, dass sie vom selben Maurertrupp errichtet wurde", so Platz.

Heute ist nur noch der Keller dieses Hauses unter der Erde zu finden. Das Gebäude selbst wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Bauweise lässt Rückschlüsse auf die soziale Stellung der Hausbewohner zu. "Das waren mit Sicherheit keine einfachen Bürger. Wir können davon ausgehen, dass sie zum Hochadel oder zur hohen Geistlichkeit zählten", sagt der Stadtarchäologe. Steinhäuser in dieser Qualität aus dem 11. Jahrhundert seien in Deutschland nicht oft zu finden. Das ursprünglich aus Naturstein errichtete Gebäude wurde später umgebaut und erweitert und mit dem damals üblichen Ziegelmauerwerk versehen. Die alten Bodenplanken wurden durch ein Gewölbe aus Ziegeln ersetzt. Die alten Fundamente überlagern zum Teil noch die Grundmauern eines Hauses, das noch weit vor der Stauferzeit an dieser Stelle stand. "Das muss aus der Zeit der Salier und Heinrich IV. oder Heinrich V. gewesen sein", sagt Platz.

Wer in diesen Häusern einst gelebt hat, wisse man nicht. Allerdings stehen die Ausgrabungen, die Ende August am Mercatorquartier begannen, auch noch ziemlich am Anfang. "Es gibt insgesamt vier Baufelder, die wir hier bearbeiten, erläutert Grabungsleiterin Julia Völz. "Bis Weihnachten werden wir aber damit fertig sein", sagt sie. Besonders das Grabungsfeld, das an die Stadtmauer angrenzt, werde möglicherweise interessante Aufschlüsse geben. Platz weiß, dass gerade Latrinenfunde mehr über die früheren Bewohner und ihr Leben verraten können. "Das reicht von den Ernährungsgewohnheiten bis hin zu Hausrat wie Holzgeschirr oder Trinkbechern. Diese Sachen verraten häufig viel über die soziale Stellung der Bewohner."

Wie es mit der Ausgrabungsstelle nun weitergeht, ist noch offen. "Darauf lässt sich jetzt noch keine Antwort geben. Das Denkmalrecht schreibt uns vor, wie man mit Bodendenkmälern umzugehen hat", sagt der Stadtarchäologe. Dass die Funde wie bei der Königsgalerie erhalten bleiben können, sei durchaus denkbar.