Duisburg: SSB investiert weiter in Digitalisierung

RP-Serie Digitalisierung : „Riesensprung“ beim Stadtsportbund

Auch der Sport gilt als „weicher“ Standortfaktor und hat Einfluss auf ansiedlungswillige Unternehmen. RP, RP Online und die Sparkasse Duisburg sind der Frage nachgegangen, welche Rolle digitale Technik auch im Sport spielen kann.

Der Duisburger Stadtsportbund geht mit der Zeit und investiert bereits seit vielen Jahren in die Digitalisierung. Im Gespräch berichtet Geschäftsführer Uwe Busch von Chancen und Risiken und, dass es noch Luft nach oben gibt

Egal ob Training mit einer Fitnessuhr am Handgelenk, Zeitmessung per Chip im Laufschuh oder Sportvereine in sozialen Netzwerken: Die Digitalisierung ist im Sport angekommen. Das weiß auch Uwe Busch, Geschäftsführer vom Duisburger Stadtsportbund (SSB). Der 60-Jährige hat sich in einem exklusiven Gespräch mit der Rheinischen Post dazu geäußert, wie stark die Digitalisierung im Sport allgemein und in seiner Organisation eine Rolle spielt.

„An der Digitalisierung kommt auch niemand im Sport mehr vorbei“, berichtet Busch. „Grundsätzlich ist dieser Trend in vielen Bereichen immer stärker wahrnehmbar.“ Ein Feld sei die Geschäftstätigkeit der einzelnen Vereine. „Nur noch wenige Vereine verzichten etwa darauf eine Homepage zu haben, über E-Mails zu kommunizieren oder soziale Netzwerke für die Kommunikation zu benutzen“, sagt der Geschäftsführer. Die Digitalisierung habe ebenfalls Einfluss auf das Wettkampfsystem vieler Sportarten. „Spielberichte werden heutzutage häufig elektronisch an die Verbände geschickt, im Internet ist jeder immer auf dem neuesten Stand, was zum Beispiel Ergebnisse angeht“, ergänzt Busch.

Auch im Training der Sportler habe Digitalisierung eine große Bedeutung: Kam früher eine Stoppuhr zum Einsatz, könnten heute Zeiten bis auf die Tausendstel Sekunde gemessen werden. Trainingsleistungen könnten zudem mit einem Computer erfasst und ausgewertet werden, um Defizite zu erkennen.

Der Stadtsportbund verschließt sich diesem Trend nicht – ganz im Gegenteil. „Als eine Organisation, wie der Stadtsportbund eine ist, darf man sich dem Thema Digitalisierung nicht verschließen“, bekräftigt der 60-Jährige. Seit vielen Jahren schon stünde das Thema auf der Agenda des SSB. „Als ich hier vor 30 Jahren angefangen habe, bekamen wir den ersten Computer“, erinnert sich Busch. „Mittlerweile kann ich sagen, dass wir einen Riesensprung gemacht haben.“ Nach Angaben des Geschäftsführers ist der Stadtsportbund digital breit aufgestellt. „Intern und extern kommunizieren wir bereits fast ausschließlich über Mail und nicht mit Briefen“, sagt er.

Beim Rhein-Ruhr-Marathon, den der Stadtsportbund organisiert, kommen digitale Produkte zum Einsatz. „Alle Teilnehmer erhalten seit 2017 alle nötigen Informationen über das sogenannte digitale Starter-Kit“, berichtet Busch. Dazu gehören ein Ergebnisdienst oder die geplanten Startzeiten. Die Zeitmessung erfolgt bereits seit Anfang der 2000er nicht mehr anhand von Stoppuhren. Ein gelber Chip, der am Schuh angebracht wird, misst die gelaufene Zeit an speziellen Laufmatten, die an Start und Ziel sowie alle fünf bis zehn Kilometer ausliegen, und sendet sie an einen Computer. So wird die Laufzeit jedes Läufers individuell gemessen – und zwar exakt zu dem Zeitpunkt, zu dem er die Startlinie überquert. Früher wurde die Zeit ab dem Startschuss gemessen. Läufer, die weit hinten im Feld standen und erst Minuten danach los gelaufen sind, hatten also einen zeitlichen Nachteil.

Der Stadtsportbund ist zwar bereits vor Jahren auf den Zug Digitalisierung aufgesprungen. Das heißt aber nicht, dass keine Investitionen mehr nötig sind. „Wir haben noch Luft nach oben“, sagt Busch. „Da spielen aber immer auch Kosten eine Rolle.“ Der SSB habe permanent Bedarf an neuer Hardware, um zum Beispiel bessere Server oder neue Medien für Vorträge und ähnliches zu bekommen. Zudem sei der Datenschutz eine der schwierigsten Herausforderungen, erst recht nach der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung. „Wir haben erst neulich ein Institut damit beauftragt, aufzuzeigen, wo der Stadtsportbund beim Thema Datenschutz nachbessern muss“, berichtet Busch. Dieser Vorgang sei noch nicht abgeschlossen.

Der SSB-Geschäftsführer sieht in der Digitalisierung „Chancen und Fluch zugleich“. Auf der einen Seite könnten Informationen aller Art schneller und aktueller an den Mann gebracht werden. Auch große Events, wie der Rhein-Ruhr-Marathon profitieren. „Eine Veranstaltung ohne E-Mail oder Handy zu organisieren, ist heute nicht mehr möglich“, weiß der 60-Jährige.

Auf der anderen Seite täten sich vor allem kleinere Vereine schwer, sich an die zunehmende Digitalisierung anzupassen. „Die auftretenden Kosten sind mit einem geringen Budget kaum zu stemmen“, gibt Busch an. „Schließlich brauchen die Vereine ihr Geld in erster Linie dafür, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.“ Ein weiteres Problem sei, dass die Infrastruktur an vielen Stellen nicht auf dem neuesten Stand sei. Beispielweise seien etliche Sporthallen sehr alt. Es wären folglich viele Investitionen nötig, um die Hallen mit Internet und anderen digitalen Finessen auszustatten.

(jlu)
Mehr von RP ONLINE