Duisburg: Spiele-Nachmittag für mehr Toleranz

Aktion in Duisburg gegen Rassismus : Spiele-Nachmittag für mehr Toleranz

15 verschiedene Spiele, ein gemeinsamer Gedanke: Der Aktionstag im Gemeindehaus Großenbaum stand ganz im Zeichen der Toleranz. Eine Initiative gegen Rassismus.

Plötzlich klatscht es im evangelischen Gemeindehaus in Großenbaum: Lenja hat eine hellblaue Karte mit der Kategorie „nicht witzig“ auf den Tisch gelegt. Alle Mitspieler schlagen nacheinander schnell mit der flachen Hand auf die Aktionskarte des Spiels „Halt mal kurz“. Denn neben der Kategorie steht die Beschreibung „Nazi“ – und auf diese soll man laut Regelwerk draufschlagen. Der Verlierer der Runde muss im Gemeindehaus eine neue Karte vom Stapel ziehen. Dort hat am Sonntag ein Spielenachmittag der Initiative „Spielend für Toleranz“ stattgefunden.

„Halt mal kurz“ ist eines der insgesamt 15 verschiedenen Brett- und Kartenspiele, die von den Teilnehmern ausprobiert werden können – darunter auch „Azul“, das Spiel des Jahres 2018. Harald Schrapers aus Großenbaum hat den Aktionstag mitorganisiert. Für den Jury-Vorsitzenden des Vereins „Spiel des Jahres“, der die Initiative unterstützt, sind Spiele ein Kulturgut und eng mit Toleranz verknüpft: „Sie haben auch eine gesellschaftliche Idee. Man kommt zusammen und kann in tolle Welten eintauchen, wo jeder mitspielen kann.“ Alle müssen sich an die gleichen Regeln halten. Diese sind bei den aufgetischten Spielen leicht zu verstehen und kommen ohne große Worte aus, damit jeder sofort mitmachen kann.

Die bundesweite Initiative hat sich im November vergangenen Jahres gegründet und zählt mittlerweile rund 100 Mitglieder – dazu gehören etwa Spielejournalisten und -blogger, die sich gegen Rassismus, rechte Hetze und Fremdenfeindlichkeit positionieren wollen. Der Anlass: Die gewalttätigen Ausschreitungen und rechten Demonstrationen in Chemnitz nach einer tödlichen Messerstecherei auf einen 35-Jährigen im August 2018.

Das Kartenspiel „Halt mal kurz“ des Autors Marc-Uwe Kling wende sich explizit gegen Rassismus, findet Vera Losemann. Sie ist mit ihrer Tochter Lenja zu Gast im Großenbaumer Gemeindehaus und Mitglied eines Spielclubs: „Beim Spielen lernt man sämtliche soziale Kompetenzen, die man braucht.“ Wie zum Beispiel die Regeln zu beachten, gewinnen, aber auch verlieren zu können. „Das kann so sehr zusammenbringen.“ Lenja findet es schön, dadurch mit anderen ins Gespräch zu kommen: „Man kann mit Menschen anders kommunizieren“, sagt die Zehnjährige, als sie ihre Spielkarten mischt.

Grundschullehrerin Andrea van Weelden sieht das genauso: „Ich finde es schön, dass man seine eigene Toleranz trainiert“, sagt sie. Für ihre bunt gemischte Klasse hält sie immer wieder Ausschau nach passenden Gesellschaftsspielen. Die besten seien die, in denen die Schüler im Team gegen das Spiel selbst gewinnen müssen: „Das stärkt die Gemeinschaft.“

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