Duisburg: Sorgen nach der geplatzten Fusion von Thyssenkrupp Steel und Tata

Stahlstandort in Gefahr : Sorgen nach der geplatzten Fusion

Viele Mitarbeiter wurden von der Nachricht der geplatzten Fusion von ThyssenKrupp Steel und Tata überrascht. Das Vorhaben war nicht beliebt, aber jetzt gibt es neue Sorgen.

Die Nachricht von der geplatzten Stahl-Fusion mit Tata und der Zurücknahme der Aufspaltungspläne in zwei Teile ließ die Belegschaft von Thyssenkrupp am Freitagmittag ratlos und verunsichert zurück. „Damit hätte ich nicht gerechnet“, sagte Christian Herbst. Der 35-Jährige ist Vertrauensmann und arbeitet als Kranfahrer und Anlagensteuerer im Warmbandwerk 1 in Bruckhausen. Er mache sich große Sorgen, sagte Herbst: „Weil den Plan B unserer Konzernleitung ja noch keiner kennt.“ Das Schlimmste sei, dass nun die Verunsicherung im Kollegenkreis wieder da sei. Dass Tausende Stellen im Konzern abgebaut werden, sei eine schlimme Nachricht.

Hoch interessiert hat auch Thomas Bourguignon die Meldungen des Tages von der geplatzten Fusion im Internet verfolgt. Der Oberhausener (57) ist seit 26 Jahren im Konzern, arbeitet heute in der Abteilung IT-Support. Die abgesagte Fusion halte er grundsätzlich für „nicht schlecht“. Denn Einsparungen beim Personal, so befürchtet es Bourguignon, hätte es wohl auch sicher bei einem Zusammenkommen mit Tata gegeben. Die Fusion habe er eh skeptisch betrachtet. „Vor allem, weil der Hauptsitz des neuen Unternehmens in den Niederlanden sein sollte. Das hätte für uns normale Arbeitnehmer Nachteile mit sich gebracht.“

Zum Kreis der Ehemaligen gehören Ralf Piechert und Volker Wrobel. Die beiden Rentner treffen sich mit einigen ihrer früheren Kollegen, die noch beschäftigt sind, regelmäßig in der Thyssenkrupp-Kantine zum Austausch. Somit seien sie auch Jahre nach dem Ausscheiden noch nah am Informationsfluss. „Ich war ein Fusions-Skeptiker“, sagt Piechert, seit Anfang der 70er Jahre als mathematisch-technischer Assistent bei Thyssen im Einsatz. Er befürchtete, dass die Stahlwerke von Tata in England hätten bevorzugt werden können. „Obwohl unsere Werke hier die moderneren sind.“

Wie viele der 4000 in Deutschland gestrichenen Stellen am Standort Duisburg wegfallen sollen, ist völlig unklar. Duisburg bleibt mit der geplatzten Fusion Hauptsitz von Thyssenkrupp Steel. „Wir haben den Vorstand hier in Duisburg“, meint Duisburgs IG Metall-Chef Dieter Lieske.

Er kündigt „erbitterten Widerstand“ gegen einen Kahlschlag beim Personal an. „Wir ­hatten ohnehin Bedenken gegen die Fusion“, so Lieske weiter, der ­zugleich den Fortbestand der Arbeitsplatz- und Standortgarantie einfordert. „Wir verlangen vom Vorstand eine Vorwärtsstrategie und keine Jammerei“, so der Gewerkschafter.

Groß sind die Sorgen beim Thyssenkrupp-Süd-Standort in Hüttenheim. „Die Mannschaft ist richtig sauer. die Fusion war nie gewollt. Nach den zwei Jahren Hickhack ist jetzt wieder alles in Frage gestellt“, meint der Betriebsratsvorsitzende Mehmet Göktas. Bei den rund 1200 Beschäftigten im Groblechwerk und im Warmbandcenter ist die Unsicherheit ohnehin groß. Die in dem zur Tata-Fusion vereinbarten Zukunftsvertrag festgeschriebene Standort- und Arbeitsplatzgarantie bis 2026 galt für den Hüttenheimer Standort nur beschränkt, 2021 sollte es eine Wirtschaftlichkeitsprüfung geben. „Jetzt ist alles in Frage gestellt. Das werden harte Monate. Wir müssen wohl wieder auf die Straße“, so der Betriebsratsvorsitzende.

(-er/RPN/mtm)
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