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Duisburg: Sophie-Scholl-Schüler schreiben Brief an Jana aus Kassel

Duisburger Schüler schreiben Brief nach Querdenker-Demo : „Liebe Jana, vergleiche dich bitte mal ernsthaft mit Sophie Scholl“

Jana, 22, aus Kassel hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil sie sich auf einer Corona-Demo mit Sophie Scholl verglichen hatte. Darauf hat jetzt eine Erzieher-Klasse des Sophie-Scholl-Berufskollegs in Duisburg-Marxloh mit einem offenen Brief reagiert.

Die Namenspatronin sei für die Schulgemeinde mehr als nur eine historische Person, sie sei vielmehr „ein Sinnbild für den Widerstand gegen die Nazidiktatur“, schreibt die Schule. „Der Vergleich hat bei meinen jetzigen und ehemaligen Schülerinnen und Schülern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Viele Mitteilungen haben mich erreicht, in denen Entsetzen zum Ausdruck kam“, so die Bereichskoordinatorin für politische Kulturarbeit am Sophie-Scholl-Berufskolleg, Brigitte Wilken. „Ich bin sehr erfreut über den offenen Brief der Erzieherklasse E 18, einer Oberstufenklasse in der Erzieherausbildung mit dem Erwerb des Abiturs, den die Schülerinnen und Schüler selbstständig und eigeninitiativ verfasst haben.“

In dem Brief heißt es unter anderem: „Im letzten Schuljahr haben wir uns gemeinsam mit Frau Wilken und Frau Glaser intensiv mit Sophie Scholl und ihrer Widerstandsgruppe „Die weiße Rose“ beschäftigt, indem wir uns informiert, gemeinsam diskutiert und ein Theaterstück vorbereitet haben, welches wir unter anderem am Antikriegstag des DGB im Duisburger Rathaus aufführen durften.“

Und weiter: „Wir sind zutiefst betroffen und empört, in welchem Zusammenhang Sophies Name genutzt wurde. Jana aus Kassel ist 22 Jahre alt und verglich sich in einer Rede auf der „Querdenken“-Demonstration am 21. November in Hannover mit Sophie Scholl, da sie „seit Monaten hier im Widerstand“ aktiv sei, auf Demonstrationen gehe, Flyer verteile und „seit gestern“ auch Versammlungen anmelde.“

Das Foto zeigt die Klasse im September 2019 nach der DGB- Veranstaltung zum Antikriegstag vor dem Duisburger Rathaus mit anderen Gästen der Veranstaltung. Foto: SSBK

Dann stellen die Schüler auch einen Vergleich an: „Sie demonstriert also gegen die aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen, welche unter anderem das Tragen einer Maske oder die Beschränkung von sozialen Kontakten beinhalten: „Ich kann und werde niemals aufgeben, mich für Freiheit, Frieden, Liebe und Gerechtigkeit einzusetzen.“ Zum Vergleich: Sophie Scholl war eine mutige Widerstandskämpferin gegen das nationalsozialistische Regime, welche durch ihre Flugblätter-Verteil-Aktionen um ihr Leben bangen musste und mit 21 dafür mit dem Fallbeil hingerichtet wurde.“

Janas Vergleich hinke „vorne und hinten“. Es gebe keine Gemeinsamkeiten und der einzige Effekt des Vergleichs sei die Verharmlosung des Mutes, den Widerstandskämpfer in der NS-Zeit aufbringen mussten. Der Brief endet mit einer direkten Ansprache: „Liebe Jana, vergleiche dich bitte mal ernsthaft mit Sophie Scholl und der Zeit, in welcher sie lebte. Du wirst schnell feststellen, dass es ein riesiges Privileg und Zeichen großer Freiheit ist, auf der Bühne stehen zu können und seine Meinung zu verkünden. Oder kannst du dich an Reden, Demonstrationen oder öffentlichen Stellungnahmen von Sophie Scholl erinnern? Richtig, kannst du nicht! Das war nämlich nicht erlaubt, da die Menschen wirklich nicht frei waren. Mal ernsthaft: Fühlst du dich wirklich wie Sophie Scholl?“

(mtm)