Duisburg: Sommerliche (Orgel)Konzerte eröffnet

Konzert: Reihe zu vier Händen und vier Füßen eröffnet

Eine Woche früher begannen jetzt die Sommerlichen (Orgel-)Konzerte in der evangelischen Friedenskirche Hamborn.

Traditionell gibt es an jedem Mittwoch in den Sommerferien seit vielen Jahren die sechs Sommerlichen (Orgel)Konzerte in der evangelischen Friedenskirche Hamborn an der Duisburger Straße 174 (die RP berichtete). Seit dem beruflichen Aus von Kirchenmusikdirektorin Tiina Marjatta Henke ist hier der Kirchenmusiker Peter Stockschläder verantwortlich. Und in diesem Jahr ist die Konzertreihe um eine Woche vorgezogen, denn die beiden renommierten Musiker im Eröffnungskonzert hatten nur zu diesem Termin Zeit, der also schon eine Woche vor den Ferien lag.

Peter Bartetzky, Kantor der katholischen Abteikirche Hamborn, und Friedrich Storfinger aus Bottrop – beide seit langem bei diesen Abenden in der Friedenskirche häufige Gäste – spielten also zum spektakulären Auftakt sechs Werke für Orgel zu vier Händen und vier Füßen. Immerhin vier davon waren Originalkompositionen für diese heutzutage nicht mehr so geläufige, aber sehr klangvolle Besetzung. Zunächst kam aber eine gelungene Bearbeitung, nämlich die Sinfonia „Die Ankunft der Königin von Saba“ aus dem Oratorium „Solomon“ von Georg Friedrich Händel. Dann kam ein eigentlich für Klavier zu vier Händen geschriebenes Stück, nämlich die frühe (und noch weitgehend an Wolfgang Amadeus Mozart orientierte) Sonate d-Moll op. 6 (um 1797) von Ludwig van Beethoven, die auf der Orgel etwas eingeschränkt wirkte. Und dann das einzige Originalwerk für Orgel von Franz Schubert, nämlich jene vierhändige und leidenschaftliche Fuge e-Moll op. posth. 152 D 952, die er in seinem Todesjahr 1828 zusammen mit seinem Freund Franz Lachner an der Orgel von Stift Heiligenkreuz entwickelte. Zudem machten wir Bekanntschaft mit der ein wenig konventionellen Phantasie d-Moll des Mendelssohn-Zeitgenossen Adolph Friedrich Hesse.

Eine wahre Entdeckung wurde das pittoreske Tonstück „Ein ländliches Hochzeitsfest“ von dem vor 150 Jahren gestorbenen, deutschstämmigen Schweden Franz Berwald – mit Choral und Kuckuck sowie einem Polska-Tänzchen, das Ganze gerahmt von fröhlichen Märschen. So lieben wir die Sommerlichen (Orgel)Konzerte! Dagegen fiel das Schluss-Stück wieder ein wenig ab – es war das sicherlich prächtige, aber ziemlich substanzarme „Duet for Organ“ des englischen Mozart-Zeitgenossen Samuel Wesley.

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Bartetzky und Storfinger spielten sehr charakteristisch und meist kurzweilig, nutzten äußerst geschickt den spezifischen Klang der Eule-Orgel. Schade nur, dass sie den spieltechnischen Anforderungen nicht immer ganz gewachsen waren. Jedenfalls war das Konzert ein großer Erfolg und dazu passte auch die Zugabe, ein Marsch von John Philip Sousa, der verblüffend gut mit Pfeifen zu vier Händen und vier Füßen klang.

Im nächsten, zweiten Sommerlichen (Orgel)Konzert am Mittwoch, 18. Juli, um 20 Uhr, improvisiert Otto Maria Krämer zu dem gut zweistündigen Stummfilm „Nathan der Weise“ (1922) von Manfred Noa. Es handelt sich dabei um die früheste Verfilmung des gleichnamigen dramatischen Gedichts von Gotthold Ephraim Lessing. Dieser Streifen konnte zu seiner Zeit wegen antisemitischer Widerstände kaum aufgeführt werden, nach 1933 überhaupt nicht mehr, und galt dann als verschollen, erst 1996 wurde eine Kopie in Moskau entdeckt.

Der Eintritt zu den Sommerlichen (Orgel)Konzerten in der Hamborner Friedenskirche kostet sechs Euro. Und zur Tradition gehört auch ein jeweils anschließender Umtrunk mit kühlen Getränken (gegen eine Spende) im Kirchgarten, bei ungünstigen Wetterverhältnissen in der Sakristei der Kirche.

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