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Duisburg: So war das letzte Konzert beim "Eigenzeit"-Festival

Konzert in Duisburg : Klingende Verbeugung vor der Gebläsehalle

Das diesjährige Festival „Eigenzeit – Musik von jetzt“ der Duisburger Philharmoniker ging zu Ende. Das wichtigste Ereignis des Abends war die Uraufführung des Ensemblewerks „Blumen der Zeit“ von Hanna Eimermacher.

Kurator der zweiten Ausgabe war der 1981 geborene Schlagzeuger, Komponist und Dirigent Johannes Fischer (die RP berichtete). Das sechste und somit letzte Konzert „kunterbunt“ in der Gebläsehalle im Landschaftspark Nord enthielt jetzt vier Werke, darunter drei von Frauen komponierte.

Das wichtigste Ereignis des Abends war die Uraufführung des Ensemblewerks „Blumen der Zeit“ von Hanna Eimermacher, geboren 1981 in Duisburg und aufgewachsen in Gelsenkirchen. Darin umrahmen vier Schlagzeuger, eine E-Gitarre, sowie je zwei Klarinetten, Posaunen und Kontrabässe das Publikum, im Zentrum steht ein weiterer Schlagzeuger als Bezugspunkt und musikalischer Leiter (hier war das natürlich Johannes Fischer). Gewöhnt an die Industriearchitektur des Ruhrgebiets, schuf Eimermacher diese meditative Komposition als klingende Verbeugung vor der Duisburger Gebläsehalle: „Wir sitzen inmitten dieser Zartheit, dieser Wucht – um zu hören, zu spüren, uns vom Klang berühren zu lassen.“ Als das Publikum eine Viertelstunde vor Konzertbeginn in den Saal gelassen wurde, lief „Blumen der Zeit“ schon ansatzweise, wie eine Klanginstallation, um dann wirklich zu starten, als das Licht ausging. Die Reaktion auf die kultivierten Industrieklänge war begeistert.

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Danach passte sehr gut „Shiver Lung 2“ („Zitternde Lunge 2“, 2017) von der 1982 geborenen US-Komponistin Ashley Fure. Es liegen zwei Tiefton-Lautsprecher flach auf einem Tisch und der Darsteller gleitet mit seinen Handflächen, Fingern, mit Ketten, Papierfetzen, Rasseln oder Glocken über diese Kegel und macht deren Schwingung dadurch hörbar. Der Ausführende bei der „Eigenzeit“ war der Widmungsträger Ross Karre.

Wieder ganz anders wirkte dann das brillante, brodelnde und zischende „Gougalôn“ für großes Ensemble (2009/11) von der 1961 in Südkorea geborenen Unsuk Chin, die in Hamburg bei György Ligeti studierte. Der Titel ist althochdeutsch und bedeutet so viel wie „(vor)gaukeln“. Inspiriert wurde die sechssätzige Suite durch ostasiatische Straßentheater-Szenen, an denen auch Wahrsager, Quacksalber und Hausierer profitierten.

Nach der Pause spielten die Mitglieder der Duisburger Philharmoniker und Gäste noch ein weiteres Werk, nämlich „music for electrified table and strings – a dining experience with Telemann“ (2017) von Johannes Fischer selbst, der dabei auch der Solist am „elektrifizierten Tisch“ war. Ausgehend von der barocken „Tafelmusik“ von Georg Philipp Telemann, ließ sich der Komponist vor allem vom Groove des Originals inspirieren. Der Klang-Tisch, so Fischer im Programmheft des Festivals, „dient vielen kleinen Objekten und Instrumenten als Spielfläche. Er ist mit Kontaktmikrophonen verstärkt, und diese amplifizierten Klänge suggerieren eine Art künstliche Realität, die sich in einem Wechselspiel mal kontrastierend, mal verschmelzend zu dem ,historischen‘ akustischen Klang der Streicher und des Cembalos verhält.“ Das Publikum erfreute sich an dieser heiteren Klangerfahrung.    

Die nächste,  dritte „Eigenzeit“ steigt vom 5. bis zum 14. Mai 2023. Kuratorin ist dann Komponistin Konstantia Gourzi.