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Duisburg: So unterstützt das Diakoniewerk Flüchtlinge bei der Integration

Wohlfahrtsverband in Duisburg : So unterstützt das Diakoniewerk Flüchtlinge bei der Integration

Flüchtlinge zu integrieren und eine Ausbildung zu ermöglichen – das ist das erklärte Ziel des Kommunalen Integrationsmanagement (KIM) des Landes. Ein Vorläufer des Projekts läuft seit rund einem Jahr bereits in Duisburg, unter anderem auch beim Diakoniewerk.

Apka Ilyas Kiret (25) fasst langsam Fuß in Duisburg. 2016 kam er mit seinem 33-jährigen Bruder aus dem Irak nach Duisburg, und inzwischen spricht er ganz passabel die deutsche Sprache. Bereits im vergangenen Jahr begann er in einer türkischen Bäckerei eine Ausbildung als Fachverkäufer im Einzelhandel. Möglich macht dies das Programm „Gemeinsam klappt’s“, durch das bereits 40 Teilnehmer beim Duisburger Diakoniewerk auf dem Weg in Ausbildung und Beruf unterstützt werden.

Das Projekt „Gemeinsam klappt’s – Durchstarten in Ausbildung und Arbeit“ soll auch den Menschen eine Chance bieten, die eigentlich keine Chance haben. Neben dem Diakoniewerk gibt es weitere Projektpartner anderer Wohlfahrtsverbände, der Stadt und der Volkshochschule. „Voraussetzung ist lediglich ein Alter zwischen 18 und 27 Jahren und ein geregelter Aufenthaltsstatus beziehungsweise eine Duldung“, berichtet Johannes Tatarczyk, der beim Diakoniewerk die Leitung des Projekts übernommen hat. Zusätzlich werden Deutschkenntnisse auf dem Level B1 verlangt – für Apka Kiret kein Problem. Auch die Corona-bedingte Online-Ausbildung war für ihn in Ordnung: „Mit den Inhalten bin ich klar gekommen, die Lehrer haben gut erklärt“, sagt er. Seinen Traumjob hat er übrigens nicht – lieber hätte er noch Abitur gemacht.

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Träume hat der 25-Jährige auch weiterhin: So würde er gerne nach der zweijährigen Verkäufer-Ausbildung auch noch ein drittes Jahr anhängen und zum Einzelhandelskaufmann weitergebildet werden. „Das ist aber an seiner jetzigen Ausbildungsstätte nicht möglich, deshalb müsste sich dafür ein anderer Betrieb bereitfinden“, erklärt Johannes Tatarczyk.

 Im Modell: Das vorhandene Gebäude des Diakoniewerks (links) und die im Bau befindliche neue Immobilie.
Im Modell: Das vorhandene Gebäude des Diakoniewerks (links) und die im Bau befindliche neue Immobilie. Foto: Mike Michel

Deutsch zu lernen findet Kiret nicht unbedingt leicht. Er sagt aber auch: „Wenn man die Chance bekommt und lernen möchte, dann geht das auch.“ Im Betrieb fühlt er sich wohl: „Mein Chef ist sehr nett“, sagt der 25-Jährige.

Bis zum Ende des Projekts am 30. Juni 2022 sollen in Duisburg bis zu 450 Geflüchtete eine solche Chance zur Ausbildung erhalten. Dabei besteht die Hilfe aus mehreren Bausteinen. So geht es unter anderem um ein allgemeines Coaching wie zu Beispiel ein Bewerbungstraining, die Begleitung und Unterstützung bei Arbeit und Ausbildung, Hilfen bei der Erlangung des Hauptschulabschlusses sowie Schulungen zur Berufsfindung und zum Spracherwerb.

 Die Baustelle an der Paul-Rücker-Straße in Neuenkamp. Hier entsteht ein multifunktionaler Bau für das Diakoniewerk.
Die Baustelle an der Paul-Rücker-Straße in Neuenkamp. Hier entsteht ein multifunktionaler Bau für das Diakoniewerk. Foto: Mike Michel

Nach Ende des Projekts soll es mit dem Kommunalen Integrationsmanagement noch einen Schritt weitergehen. Das mit insgesamt rund 50 Millionen Euro geförderte Projekt des Landes soll die gesamten Hilfen für Geflüchtete bündeln und aufeinander abstimmen. „Duisburg ist da schon relativ weit und schneller als andere Städte“, erklärt Udo Horwart, Geschäftsführer des Diakoniewerks und lobt die gute Zusammenarbeit mit der Stadt. Schon der vor zwei Jahren veröffentlichte Sozialbericht der Stadt Duisburg habe Wege aufgezeigt, die erfolgversprechend sein könnten. Wie viel man mit derartigen Projekten bewegen könne, zeige das Positivbeispiel des jungen Irakers. Apka Kiret wohnt zurzeit noch mit seinem Bruder und dessen Familie in einer kleinen Wohnung in Neudorf. Eine eigene Wohnung wäre sein nächstes Ziel. Das Projekt „Gemeinsam klappt’s“ habe gezeigt, dass das Diakoniewerk auch in Pandemiezeiten erfolgreich gearbeitet habe, so Horwart bei der Vorstellung der Bilanz der Einrichtung am Mittwoch. So haben die 500 Mitarbeiter rund 7860 hilfsbedürftige Menschen im vergangenen Jahr betreut – 1680 weniger als im Jahr zuvor. Bei ambulanten Beratungen und der Familienhilfe vor Ort gab es deutlich weniger Kontakte. Mitte des Jahres war ein Defizit auf rund 500.000 Euro errechnet worden, 15 Mitarbeiter mussten zwischenzeitlich in die Kurzarbeit. Am neuen Gebäude in Neuenkamp (siehe Box) gingen die Arbeiten aber (fast) planmäßig weite.