Duisburg: So tickt Stefan Zeyen vom Mannesmann-Gymnasium

Interview mit Stefan Zeyen : „Ich wollte immer Lehrer werden“

Der promovierte Germanist Stefan Zeyen ist neuer Schulleiter des Mannesmann-Gymnasiums.

(moc) Auch Stefan Zeyen hatte dieser Tage seinen ersten Schultag am Mannesmann-Gymnasium, und das mit 55 Jahren. Dabei hat er schon sein Referendariat Mitte der 1990er Jahre hier absolviert. Nach einigen Jahren an einer Gesamtschule in Rheinhausen ist er seit 2003 wieder am MMG, die vergangenen zehn Jahre war er stellvertretender Schulleiter. Seit Beginn des Schuljahres trägt er als Direktor die Verantwortung für das Gymnasium des Duisburger Südens.

Ihre Fächer sind Deutsch, Geschichte, katholische Religion. Welchem dieser Fächer verdanken Sie den Dr. vor Ihrem Namen?

Stefan Zeyen Ich habe in Germanistik promoviert. Wollen Sie wissen, wozu? Dann haben Sie direkt einen Lacher.

Jetzt bin ich gespannt.

Zeyen steht auf, greift zielsicher in das Regal hinter sich und legt einen Band auf den Tisch, auf dem steht: „Zur erotischen Metaphorik deutschsprachiger Lyrik des 12. bis 14. Jahrhunderts.“

Das ist eher kein Schulstoff. Hatten Sie mal einen anderen Beruf ins Auge gefasst?

Zeyen Nein, ich wollte immer Lehrer werden. Das habe ich schon nach einem Praktikum in der Schule entschieden. Aber als ich dann mit dem Studium fertig war, wurde die Kombination Deutsch und Geschichte über Jahre hinweg nicht eingestellt.

Warum sind Sie Lehrer geworden?

Zeyen Ich komme aus der Jugendarbeit, von den Pfadfindern. Wenn man dann noch Interessen wie Deutsch und Geschichte hat, was macht man dann? Man wird Lehrer. Das passt gut zusammen.

Andere finden die Arbeit mit Jugendlichen anstrengend.

Zeyen Für die Schüler ist man spätestens mit 30 sowieso alt. Aber ich arbeite gerne mit Jugendlichen: Das hält einen selber jung, man muss sich immer wieder umstellen. Ich unterrichte auch noch immer gerne. Das hält lebendig.

Wie oft stehen Sie an der Tafel?

Zeyen Drei Stündchen in der Woche, in einem Geschichtskurs in der Oberstufe, der nächstes Jahr Abitur macht. Das ist nicht viel, aber die Gefahr, dass durch auswärtige Termine bei mir Unterricht ausfällt, ist einfach zu groß.

Womit verbringt ein Schulleiter die meiste Zeit?

Zeyen Morgens das prall gefüllte Postfach sortieren: Werbung für Schulbücher, Angebote für Fortbildungen, Schreiben der Ministerin an alle Schulen... Dann mit jeder Menge Fragen rund um die Stundenplan- und Unterrichtsverteilung, Elternanfragen, . . . Im Moment habe ich außerdem keinen Stellvertreter, das war ja ich. Dann kommt Verwaltung dazu wie die von Geldern oder des Fördervereins.

Zehn Jahre lang waren Sie stellvertretender Schulleiter. Was ändert sich für Sie?

Zeyen Den Einblick habe ich. Aber die erste Lehrerkonferenz, wo ich alleine da vorne stand, da war ich tatsächlich zehn Minuten lang nervös. Jetzt trage ich halt die alleinige Verantwortung.

Wie viele der Schüler am MMG kennen Sie mit Namen?

Zeyen Oh, ich habe ein ganz furchtbares Namensgedächtnis. Ganz viele der Schüler kenne ich vom Sehen, andere aber auch persönlich; letztes Jahr bin ich zum Beispiel mit der Ski-AG mitgefahren. Immerhin: Die Kollegen kenne ich alle beim Namen. Und das sind immerhin 110.

Was war in Ihren Mannesmann-Jahren das einprägsamste Erlebnis?

Zeyen Was richtig tief ging, war unser 50. Jubiläum. Da haben wir mit mehr als 4000 Gästen auf dem Schulhof gefeiert. Das ging richtig unter die Haut.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft des MMG?

Zeyen Ich wäre froh, wenn es so gut funktionierend weiterläuft. Was ansteht, ist nächstes Jahr die Rezertifizierung als Europaschule. Und wenn G9 zurückkommt, dann muss neu überlegt werden: Wie kann die Schule in diesem Rahmen weiter entwickelt werden?

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