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Duisburg: So faszinierend waren die Seifenkistenrennen am Uhlenhorst

Duisburger Geschichten und Geschichte : So faszinierend waren die Seifenkistenrennen am Uhlenhorst

1951, so der Historiker Jonas Springer, begann die große Zeit der Seifenkistenrennen in Duisburg. Auf dem Uhlenhorst lieferten sich Nachwuchspiloten einst spannende Wettkämpfe. Ein Interview über Zeitgeist und frühes Markensponsoring.

Die ersten Seifenkistenrennen in Duisburg fallen in die Zeit des Wirtschaftswunders.  Gibt es einen historischen Kontext?

Jonas Springer Tatsächlich kamen die kommerzialisierten Seifenkisten-Derbys aus den USA nach Europa, obwohl sich erste Anfänge bis auf den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen. Vorher hatte es ehrenamtlich vorbereitete Rennen gegeben, die von der lokalen Presse mit organisiert wurden. Doch muss man den historischen Kontext sehen. Die USA betrieben die Westintegration der neu entstandenen Bundesrepublik. Das Jugendhilfsprogramm German Youth Activities (GYA) wurde zur Basis für die Seifenkistenrennen. Ziel dabei war es, den Jugendlichen nach dem Zweiten Weltkrieg aktiv neue Werte wie Fairness und persönlichen Erfolg im Sport zu vermitteln. US-Jugendkultur wurde hier begeistert aufgesogen. US-Sponsoren nutzten die Seifenkistenrennen dabei für ihr Marketing.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Springer Die Adam Opel AG, deren Mutterkonzern „General Motors“ in Ohio die Weltmeisterschaft der Seifenkistenfahrer durchführte, hatte einen offiziellen Wettbewerb in Deutschland eingeführt. Die Nachwuchs-Piloten fuhren um den „Großen Opel Preis“. Eine weiße Mütze, ein Rennhelm, kurze schwarze Hosen und ein gelbes Rennhemd sowie ein kompletter Bausatz für eine Seifenkiste wurde von Opel bereitgestellt. Merchandising nennt man das heute. Der Gewinner des Derbys bekam 5000 Mark als Preisgeld, mitunter die Garantie auf einen Ausbildungsplatz und eine Reise in die Vereinigten Staaten, wo er am All American Soap Box Derby in Akron teilnehmen durfte.

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Konnten auch Mädchen teilnehmen?

Springer Nein, das Reglement ließ damals ausschließlich Jungen zu. „Das Seifenkistenrennen ist ein Ereignis für Jungen, die Gestaltung des Rennens ist Sache von Männern“, so lautete das damalige Regelwerk.

Wie lang war die Rennstrecke?

Springer Die asphaltierte Rennstrecke des Derbys war 350 Meter lang, gestartet wurde von einer 1,2 Meter hohen Rampe, so dass bei einem Gefälle von vier Prozent kurz vor dem Ziel eine Geschwindigkeit von 40 bis 50 km/h erreicht werden konnte. 

Lässt sich die damalige Begeisterung in Zahlen darstellen?

Springer Unbedingt. Am 1. Juli 1951 waren 235 Kisten am Start. 30.000 Zuschauer säumten die Uhlenhorststraße. In den Folgejahren mischten sich Prominente wie Boxweltmeister Max Schmeling, Willy Millowitsch, Marika Kilius oder Toni Turek unter das Publikum und machten das Rennen zum Volksfest.

Wieso endete die Ära der Seifenkisten-Derbys in Duisburg?

Springer 1971 zog sich Opel aus dem Sponsoring zurück. Genaue Gründe lassen sich bislang nicht ermitteln, doch führten ein schwindendes Interesse am Sport und steigende Kosten für das Unternehmen zum Rückzug. Duisburg schied aus Finanzierungsgründen als Veranstaltungsort aus und der Seifenkistensport verlagerte sich nach Mettingen bei Steinfurt.

Hat sich die Idee der Seifenkistenrennen heute noch erhalten?

Springer Duisburg wurde zwar als Veranstaltungsort abgelöst, aber heute erlebt der Wettbewerb mit Hightech-Fahrzeugen eine Neuauflage. Glasfaserverstärkter Kunststoff ersetzt Sperrholz und das Design wird immer kreativer.  Seit den 1970er Jahren dürfen auch Mädchen an den Rennen des Deutschen Seifenkisten-Derby e.V. teilnehmen. Und das überaus erfolgreich, wenn man sich die Siegerlisten anschaut.