Duisburg: Schüler der Globus-Gesamtschule waren in Auschwitz

Schüler besichtigten Auschwitz : Das Grauen sinnlich erfahren

Schüler der Globus-Gesamtschule besuchten das Vernichtungslager Auschwitz. Fotos von dem Besuch zeigt die Zentralbibliothek.

Natürlich war der Nationalsozialismus und die Verfolgung der Juden in den Jahren 1933 bis 1945 ein wichtiges Thema im Unterricht an der Globus-Gesamtschule. Eigentlich, so die promovierte Geschichtslehrerin Joanna Obsrusnik-Jagla, hätten die Schüler wissen müssen, was einst im Vernichtungslager Auschwitz geschah. Sie wussten es vermutlich auch vor ihrer Reise an die Stätte des Grauens, wo Tausende Menschen in die Gaskammern geschickt wurden. Aber in den Köpfen angekommen sind die Untaten, die Menschen anderen Menschen angetan haben, wohl erst nach dem Besuch der Schüler in Auschwitz. Der Besuch fand während einer fünftägigen Bildungsreise im März statt. Die Reise wirkte bei den fortgeschrittenen Schülern indes fort. Am Montagnachmittag wurde in der Zentralbibliothek eine Fotoausstellung über den Auschwitz-Besuch der Duisburger Schüler eröffnet, die noch bis Ende August dort besichtigt werden kann. Der Titel der Ausstellung ist zugleich das Zitat eines Schülers, der in der Nachbetrachtung schrieb: „Auschwitz hat mich verändert!“.

In der Kinder- und Jugendbibliothek in der ersten Etage sind die Fotos der Schüler in großem Format aufgehängt worden. Aus Rücksicht auf die jugendlichen Besucher sind nur Motive ausgewählt worden, deren Anblick zumutbar ist. Lesenswert sind nicht zuletzt einige Zitate der Schüler. Dort heißt es beispielsweise: „Auschwitz hat meine Denkweise geändert. Früher war mir die Geschichte nicht wichtig, und ich habe nie darüber nachgedacht. Jetzt weiß ich, wie sehr Juden gelitten haben. Und das Traurigste ist, dass so lange niemand was dagegen unternommen hat.“ Und eine Schülerin schreibt sehr plastisch: „Ich hatte von Anfang an Angst und war sehr neugierig auf Auschwitz. Und dann kamen wir in den Raum mit den Haaren. So viele Haare, dass ich beim bloßen Anblick fassungslos war. Zwei Tonnen Haare! Unvorstellbar, was mit den Menschen passiert ist.“

Was den Menschen in Bezug zu den Haaren passiert ist, wurde den Schülern bei einer Führung durch das Vernichtungslager erklärt: Bevor die Menschen in die Gaskammern gebracht wurden, wurden sie geschoren...

Die Bildungsreise sollte, so Lehrerin Joanna Obrusnik-Jagla, nicht erneut die Frage nach der Schuld aufwerfen. Vielmehr sollte danach gefragt werden, wie es möglich ist, dass Menschen andere Menschen vernichten wollen. Und natürlich auch, wie man wieder Vertrauen zueinander finden kann.

Die Düsseldorfer Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus unterstützte die Bildungsreise. Im Herbst soll die Fotoausstellung auch im Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, 40210 Düsseldorf, gezeigt werden.

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