Duisburg: Schönheit im Lehmbruck-Museum

Vorstellung des Jahresprogramms : Schönheit im Lehmbruck-Museum

Museumsdirektorin Söke Dinkla stellte zusammen mit dem Kulturdezernenten und Ausstellungskuratorinnen das Jahresprogramm vor. Das wird von Wilhelm Lehmbruck geprägt, der vor 100 Jahren aus dem Leben schied.

Im vergangenen Jahr hat das Lehmbruck-Museum positive Schlagzeilen mit der wohl spektakulärsten Schau gemacht, die jemals in dem renommierten Museum eröffnet wurde: „The Walk“ von Jochen Gerz. Dabei nutzt der international bekannte Künstler das Museum selber als „Bildträger“: Auf den Fenstern des Museums ist die Lebensgeschichte von Jochen Gerz (1940 geboren) als beispielhafte Kulturgeschichte zu lesen. Von einem 100 Meter langen Steg, der rings um das Museum gebaut wurde, kann man diese Geschichte bei einem Gang (Walk) lesen. Dieser Kunstgang durch die vergangenen fast 80 Jahre ist noch bis zum 5. Mai möglich. Es ist nicht einfach, an eine solche Ausnahmeschau anzuknüpfen. Gleichwohl versucht es Museumsdirektorin Söke Dinkla zusammen mit ihrem Team. Am Donnerstag stellte sie zusammen mit Kulturdezernent Thomas Krützberg und Ausstellungskuratorinnen das kommende Programm vor. Das klingt vielversprechend.

Vergeistigte Darstellung: Lehmbrucks „Betende“. Foto: Dejan Saric

Am 25. März jährt sich der Todestag von Wilhelm Lehmbruck zum 100. Mal. Es liegt auf der Hand, dass dieses Datum Anlass für eine große Ausstellung über den Namensgeber des Duisburger Museums ist. Vom 23. März bis zum 18 August zeigt das Lehmbruck-Museum unter dem schlichten Titel „Schönheit“ eine Ausstellung, bei der vor allem zwei Meister der Moderne aufeinandertreffen: Wilhelm Lehmbruck (1881 bis 1919) und Auguste Rodin (1840 bis 1917).

Heute wird sich kaum noch jemand daran stören, dass man die Werke beider Künstler mit dem Etikett „schön“ versieht. Das war nicht immer so. Angesichts der „gotisch“ in die Länge gezogenen Figuren Lehmbrucks sprachen wenig einfühlsame Kritiker einst sogar von einer „hysterischen Deformation“, wohlmeinende aber von dem „Vollkommensten, das die Plastik seit Jahren hervorgebracht hat“. Übrigens sah Lehmbruck die Werke Rodins, den er 1910 in Paris traf, durchaus kritisch. Dass dessen „Denker“ den Körper eines „Boxers“ habe, irritierte Lehmbruck. Als Gegenbild zu Rodin schuf er den gebeugten Jüngling, der wiederum, so der Spott, wie eine „Gliederpuppe“ wirke.

In der Duisburger „Schönheit“-Ausstellung möchte das Lehmbruck-Museum eine Neubewertung der Idee der Schönheit vorschlagen, wobei die Werke von Lehmbruck, Rodin und anderer Künstler der Moderne miteinander verglichen werden können. Die Vorbereitungen für diese auch kunsthistorisch bedeutende Schau sind in vollem Gange. Mit mehr als 100 Werken und Leihgaben aus nationalen und internationalen Museen wie dem Musée Rodin in Paris, dem Gemeentemuseum in Den Haag, der Hamburger Kunsthalle, der Pinakothek der Moderne in München und dem Centre Pompidou in Paris präsentiert die Ausstellung hochkarätige Leihgaben, die in dieser Zusammenstellung erstmals zu sehen sind. Zugleich darf man gespannt sein, ob der Begriff der Schönheit, der vielen Künstlern des 20. Jahrhunderts suspekt geworden ist, rehabilitiert werden kann.

Körper eines Boxers: „Der Denker“ von Rodin. Foto: Christian Baraja

Parallel zur großangelegten „Schönheit“-Ausstellung zeigt das Lehmbruck-Museum eine Schau, die die Person Wilhelm Lehmbruck in den Mittelpunkt stellt. Dabei werden historische Foto, Zitate und selten gezeigte Arbeiten des jungen Wilhelm Lehmbruck gezeigt, darunter ein skulpturales Selbstporträt des 17-jährigen Lehmbruck. Und im City Atelier des Museums werden zeitgleich zu der „Schönheit“-Ausstellung Workshops angeboten, bei des es um das Thema Proportion geht. Das berühmte Lehmbruck-Zitat „Alle Kunst ist Maß“ ist dabei das Motto. Darüber hinaus wird im Ausstellungsprogramm auch die Gegenwartskunst nicht vergessen: Vom 23. Mai bis 27. September gibt es eine Schau mit Werken des britischen Künstlers Julian Opie (Jahrgang 1958) und vom 21. September bis zum 26. Januar stellt die finnische Multimedia-Künstlerin Eija-Liisa Ahtila (Jahrgang 1959) im Lehmbruck-Museum aus.

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