Duisburg: Schießen ist eine Sache des Kopfes

Schützenwesen : Schießen ist eine Sache des Kopfes

Dieter Horstkamp ist als Schießmeister für Sicherheit beim Schießbetrieb der St. Sebastianus Schützenbruderschaft verantwortlich.

(bm) Dieter Horstkamp ist 1. Schießmeister. Das bedeutet nicht, dass der Neumühler besonders gut schießen kann. Das tut der mehrfache Bezirksmeister zwar auch, aber den Titel führt er, weil er als Mitglied des erweiterten Vorstandes bei der St. Sebastianus Schützenbruderschaft von 1420 für den gesamten Schießbetrieb im Verein zuständig ist.

Dienstags und Donnerstags wird im Schützenhaus an der Wacholderstraße in Wanheimerort trainiert. Jede Woche tritt eine andere Mannschaft an. Schließlich haben die 1420’er drei Mannschaften im Liga-Betrieb. „Zwei schießen in der Kreisliga, eine im Bezirk“, erklärt Horstkamp.

Der 62-Jährige wacht über Ordnung und Sauberkeit, sorgt für den reibungslosen Betrieb der Anlage und baut nebenbei auch noch hölzerne Vögel, die bei Festen befreundeter Vereine zerschossen werden. Nicht zuletzt ist er für die Sicherheit verantwortlich. „Alkohol auf dem Schießstand ist strengstens verboten“, erklärt er und zwar keineswegs mit einem Augenzwinkern. Er muss aber nicht immer persönlich anwesend sein. „Die Jungens hier sind alle Sportleiter. Es muss nur klar sein, wer gerade die Standaufsicht hat.“

Im Schützenhaus, das vier 50-Meter-Kleinkaliber-Bahnen und einen Luftgewehrstand bietet, geht es vor allem um das Sportschießen, das bei der Bruderschaft von jeher groß geschrieben wird. Konzentriert visieren die Schützen ihr Ziel, eine handtellergroße Pappscheibe, an. Immer wieder betätigen sie den Seilzug um sich die Lage der Schüsse aus der Nähe zu betrachten, noch ein wenig am Visier zu schrauben. Es geht um die beste Einstellung der Waffe, die richtige Atmung und ein ruhiges Finden des für Laien kaum spürbaren Druckpunktes des Abzugs der Sportgewehre.

„Schießen ist eine Sache des Kopfes“, weiß Joachim Kranhold. Und er muss es wissen, schließlich nahm er erfolgreich schon an zig Meisterschaften teil. „Bei der deutschen Meisterschaft 2016 bin ich Fünfter geworden“, erklärt er. Und weil das vielleicht nicht für jeden beeindruckend klingt, fügt er noch eine wichtige Erklärung hinzu: „In meiner Klasse gab es über 800 Teilnehmer.“ Deutsche Meisterschaft, da sind sich alle einig, das sei das Größte. Für internationale Meisterschaften oder gar Olympia sei man schon zu alt, seufzt der 59-Jährige Kranhold.

Nicht nur geschossen wird an den Trainingstagen. Die Schützen geben sich gegenseitig Tipps für das Equipment, tauschen Munition aus, basteln an ihren Waffen herum. Kein ganz preiswerter Spaß. Sie benötigen lederne Schützenwesten und spezielle Schuhe, die einen festen Stand verschaffen. „Ein Gewehr kostet so ab 2500 Euro“, meint Joachim Kranhold. „Nach oben gibt es keine Grenzen.“ Auch die Munition ist nicht gerade billig. „1500 Schuss braucht man schon pro Jahr“, rechnet Dieter Horstkamp vor. „Ich komme prima mit der preiswerteren aus.“ Die kostet pro Schuss nur gut zehn Cent. Aber es gebe auch Schützen, die nur mit Spezial-Patronen klarkommen, für die man mehr als zehn Mal so viel hinlegen muss.

Alle Schützen, die hier trainieren, sind Mitglied bei 1420. Auch wenn sie aus Oberhausen oder ganz anderen Ecken Duisburgs kommen. „Wegen der guten Trainingsmöglichkeiten hier“, betont Dieter Horstkamp, der seit 1975 Schütze ist und erst vor einigen Jahren zur Bruderschaft stieß. Aber längst nicht alle fühlen sich der bei Schützenfesten zur Schau gestellten Brauchtumspflege verpflichtet. „Ich ziehe keinen grünen Rock mehr an“, schnaubt beispielsweise der 2. Schießmeister Hans-Peter Filbrandt, von allen nur „Pit“ genannt. „Fünfzig Jahre Schützenuniform, das reicht.“ Für ihn geht es nur noch um den Sport. In dem hat es Filbrandt schon weit gebracht: Er gilt neben Kranhold als einer der besten Schützen der 1420’er.

Und es geht um eine andere, ganz wichtige Sache: „Hier zählt vor allem die Freundschaft“, meint Filbrandt. Und alle pflichten ihm bei: Man helfe sich auch bei Dingen, die nichts mit dem Schützenwesen zu tun hätten. Aktuell gebe es keine Probleme mit dem Zustand des Schützenhauses oder der Technik auf dem Schießstand, erklärt Dieter Horstkamp über das Rauschen der Absauganlage hinweg, welche die Schützen vor Jahren aus Gründen des Emissionsschutzes einbauen lassen mussten.

„Schade ist allerdings, dass wir keinen Sponsor für einen Treppenlift finden“, sagt der 1. Schießmeister. „Die Toilette ist bereits barrierefrei. Wenn wir noch den Lift hätten, könnten wir die Anlage auch Schützen mit körperlichen Handicaps zur Verfügung stellen.“ Das will er durchaus als Aufforderung verstanden wissen.

Und er schaut auf die Uhr. „Um 21 Uhr müssen wir mit dem Schießen Schluss machen. Wegen der Nachbarn.“

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