1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Duisburg: Ruhrort bekommt eine neue Polizeiwache

Weniger Straftaten in 2018 : Ruhrort bekommt eine neue Polizeiwache

Anfang 2021 soll der Neubau einzugsbereit sein. Ein neues Gebäude soll es 2023 auch in Neudorf geben. Entscheidungen über Einsatzhundertschaft und Ausweitung der Videoüberwachung sollen zeitnah fallen.

Das Drama um gleich zwei getötete Neugeborene gehörte für Polizeipräsidentin Elke Bartels zu den emotionalsten Kriminalfällen 2018: „Das hat mich aufgewühlt und schockiert.“ Bei dem Stoffbeutel, der neben der Leiche von Baby Mia in einem Altkleidercontainer im polnischen Kielce gefunden wurde, soll es sich um einen Waschhandschuh handeln, der vor allem im türkischen und bulgarischen Raum verkauft und benutzt wird. „Auf diese Spur sind wir durch Hinweise aus der Bevölkerung gekommen“, sagt Elke Bartels.

Nach Hinweisen aus der Bevölkerung hatten Ermittler im November in Rumeln eine Tatverdächtige aufgespürt. In der Wohnung befand sich eine weitere Säuglingsleiche. Ein DNA-Test ergab, dass die Kinder keine Geschwister sind. Die Mutter von Mia wird weiter gesucht. „Das macht mich fassungslos. Es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten für Mütter, die ihr Kind nicht wollen. Sei es die Babyklappe oder eine anonyme Geburt“, so Bartels. Nach der Obduktion sei klar, dass das Kind nach der Geburt gelebt hat und erst dann getötet wurde. Es gab aber 2018 auch Ermittlungserfolge zu vermelden. Ein paar Beispiele:

Der schönste Erfolg Im Fall der getöteten Inhaberin des „Café Vivo“ im Innenhafen konnte 2018 der mutmaßliche Täter ermittelt werden, nachdem er in Berlin wegen anderer Taten festgenommen worden war. Der Prozess gegen ihn beginnt im Februar. „Das haben wir der hartnäckigen Arbeit der Kollegen vom KK 11 zu verdanken“, so Bartels. Eine einzige Hautschuppe des Täters sei am Tatort gefunden worden. Diese erwies sich als entscheidendes Beweismittel. Die Aufklärungsquote aller Straftaten befand sich mit 55,9 Prozent auch auf einem tollen Stand, so Bartels.

Neubauten anvisiert Das Innenministerium hatte im Dezember verkündet, dass es massiv in die bauliche Infrastruktur der Polizei investieren will. Wie wird Duisburg profitieren? „In Ruhrort wird eine neue Wache entstehen, die Anfang 2021 fertig sein soll“, so Bartels. Dort würden Kräfte einziehen, die bislang in der Polizeiinspektion Hamborn sowie auf den maroden Wachen in Alt-Homberg und Meiderich arbeiten. „Das Ausschreibungsverfahren beginnt in diesem Frühjahr“, so Bartels. Ein Neubau wird es auch in Neudorf geben: Der Standort an der Fraunhofer Straße wird perspektivisch aufgebeben. „Mit dem Umzug wird es aber wohl nicht vor 2023 klappen“, so Bartels. 

Die Zusatzkräfte im Norden Seit 2015 gibt es einen zusätzlichen Zug der Einsatzhundertschaft für den Duisburger Norden. Der Antrag für eine Verlängerung der Maßnahme beim Innenministerium ist gestellt. Eine Entscheidung soll laut Bartels zeitnah fallen. „Die Notwendigkeit dafür ist weiterhin da, auch wenn die Straßenkriminalität dort deutlich zurückgegangen ist“, so Bartels. Durch eine Null-Toleranz-Linie mit der konsequenten Ahndung kleinster Verstöße sei die Aufsässigkeit einzelner Gruppen gegenüber Ordnungshütern spürbar zurückgegangen. „Dieser Zustand muss gehalten werden – und dafür benötigen wir die Zusatzkräfte.“

Die Videobeobachtung Seit 2016 ist die Anlage mit 19 Kameras am Pollmanneck in Marxloh in Betrieb. Mit Inkrafttreten des neuen Polizeigesetzes Ende Dezember wurden die Voraussetzungen gelockert, um weitere Anlagen aufzustellen. „Wir werden die Notwendigkeit dafür prüfen“, so Elke Bartels.

Insgesamt ist die Zahl der in Duisburg begangenen Straftaten seit Jahren rückläufig. Bis Ende November 2018 wurden rund 41.200 verzeichnet. Im Jahr zuvor waren es 49.000 – ein Rückgang von über elf Prozent. In 47 Fällen musste eine Mordkommission gegründet werden (34 Mal in Duisburg, 13 Mal für den zum Zuständigkeitsbereich gehörenden Kreis Wesel). Im Jahr zuvor waren es noch 54. Asylbewerber als Tätergruppe seien in Duisburg übrigens „kein großes Problem“, so Elke Bartels. „Die Fallzahl ist nicht so gravierend, dass wir sie in den Fokus rücken müssten.“

Trotz dieser Zahlen ist das subjektive Sicherheitsgefühl vieler Bürger ein anderes: Sie fühlen sich zunehmend bedroht, verängstigt und befürchten, Opfer einer Straftat zu werden. „Das Thema Kriminalität nimmt in der Öffentlichkeit heute einen viel breiteren Raum ein als vor zehn oder 20 Jahren. Je mehr Berichte erscheinen, um so mehr wird die Angst bei den Menschen geschürt“, so Bartels. Zielscheibe ihrer Kritik sind reißerisch formulierte Zeitungsberichte, aber auch die sozialen Medien. Dort fänden vermeintliche Sachverhalte eine schnelle Verbreitung. „Auch wenn die Darstellung oft nicht den Tatsachen entspricht.“ Sind diese falschen Infos aber einmal im Umlauf, seien sie kaum noch einzufangen.

(RPN)