Duisburg: Ruhrgebietskrimi als Gemeinschaftswerk von 14 Autoren

Ruhrgebietskrimi im Kollektiv : 14 Autoren schreiben einen Krimi

Einer fängt an, die anderen schreiben die Geschichte weiter. Auf diese Weise entstand der Ruhrgebietskrimi „Schnauze“.

Krimis, die von zwei Autoren geschrieben werden, gibt es zuhauf. Gelegentlich fallen auch Autoren-Trios auf wie beispielsweise das Trio Criminale mit Hiltrud Leenders, Michael Bay und Artur Leenders, das herrliche Niederrhein-Krimis geschrieben hat (leider ist Hiltrud Leenders im vergangenen Jahr gestorben). Aber das, was jetzt bei ihrem Redaktionsbesuch Renate Habets und Werner Zapp mitbrachten, geht weit über Duos und Trios hinaus.

Nicht weniger als 14 Autoren haben den Krimi mit dem Titel „Schnauze“ geschrieben, der jetzt in der Edition Paashaas Verlag erschienen ist. Gemeinsam ist den Autoren, dass sie mit dem Verlag in Verbindung stehen und zum Teil dort schon mehrere Bücher veröffentlicht haben. Das Ganze hat etwas von einem gepflegten Gesellschaftsspiel für Schreiber: Einer fängt an, die anderen schreiben die Geschichte weiter.

„Schnauze“ ist bereits der dritte Krimi, der auf diese Weise entstanden ist. „Intrigenspiel“ und „Machenschaften“ heißen die Vorgänger, bei denen sogar 18 Autoren gemeinsam ein Buch geschrieben haben. Das seien aber wohl zu viele gewesen, meinte beim Redaktionsbesuch Renate Habets selbstkritisch.

Einige Autoren hätten sich zu stark auf ihren eigenen Part konzentriert, ohne auf plausible Anschlüsse und die Handlungslogik zu achten. Bei „Schnauze“ gehe es zielstrebiger zu. Dafür hat wohl nicht zuletzt die Verlegerin Manuela Klumpjan gesorgt, die die Charaktere, die auch schon in den beiden ersten Bänden vorkamen, profiliert hat.

Hier fünf Beispiele, wie diese Vorgaben für die Hauptfiguren aussehen:

1. Schmitt-Vossen, Spitzname Vossi, noble, seriöse Anwaltskanzlei, verschwägert mit den Stenzels, sportlich mit Boxervergangenheit, lebt nun in Duisburg.

2. Marie Schmitt-Vossen: seine Ehefrau, nach langem Auslandsaufenthalt zurück, Ex-Polizistin, Besitzerin des Jäger-Ecks, bildhübsch, intelligent und selbstbewusst.

3. Jupp Stenzel, typischer Ruhrpottler mit halbseidener Vergangenheit inklusive Rotlichtmileu.

4. Elli Stenzel, Ehefrau von Jupp, Ex-Königin des Duisburger Rotlichtmilieus, die auch hinter den Kulissen bereits vieles manipuliert hat, neuerdings TV-Sternchen.

5. Kriminaloberkommissar Karl-Heinz Bergner, Spitzname Kalle, sportlicher Mittvierziger, mit graumelierten Haaren und 24-Stunden-Bart, sehr guter Ermittler und trotzdem bodenständig. Für seine Freunde macht er alles. Hat seit neustem einen Hund.

Hinzu kommt noch der Titelheld: Schnauze, Altdeutscher Schäferhund, kuschelig, zwei Jahre alt, sehr auf Kalle fixiert.

Diese Charaktere sollten den Autoren als Steilvorlagen fürs eigene kreative Schreiben dienen. Bei der Lektüre zeigt sich, dass dies zum Teil auch gelungen ist. Manchmal hat man allerdings den Eindruck, dass einige Autoren ihren Nachfolgeschreibern einen „Cliffhanger“ hinterließen, den aufzugabeln eine schriftstellerische Herausforderung ist. Wer sich auf das Autorenspiel einlässt, fragt sich das ein oder andere Mal: „Wie kommt man denn da wieder raus?“ Besonders den Verfassern der letzten Kapitel, Werner Zapp und Lars Albrecht, ist es zu verdanken, dass die vielen Pfade, die von den höchst unterschiedlich schreibenden Autoren gelegt werden, irgendwie zu einem Ziel führen, das halbwegs logisch erscheint.

Renate Habets und Werner Zapp sagten bei ihrem Redaktionsbesuch, dass ihnen die Mitarbeit an „Schnauze“ viel Spaß gemacht hat. Werner Zapp wird vielen als Moderator des „Autorenplausch“ bekannt sein, den er zusammen mit Raniero Spahn in der Bezirksbibliothek in Buchholz leitete.

Renate Habets, eine vorzügliche Autorin anspruchsvoller Romane wie „Ich will Erzbischof werden“, „Thea“, „Die Drei“ oder „Die rote Lene“, gibt zu, mit Krimis ansonsten nichts am Hut zu haben. „Deshalb habe ich auch ein Anfangskapitel geschrieben, bei dem es vor allem um die liebevolle Beziehung zwischen Schmitt-Vossen und Marie geht.“ Das tut sie unterhaltend und auf hohem Niveau. Eine wunderschöne Formulierung findet sie beispielsweise für das Verspeisen einer „Dönninghauser Bratwurst“: „Die geht immer und gibt Speck auf die Seele.“

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