Duisburg: Romeo und Julia zum Akzente-Auftakt

Romeo und Julia im Stadttheater : Drei Romeos und drei Julias voller Liebe

Mit Shakespeares Liebestragödie wurden im gut besuchten Stadttheater die Duisburger Akzente eröffnet. Ein fulminanter Auftakt!

Natürlich war es ein Wagnis, das Theatertreffen zu den diesjährigen Utopie-Akzenen mit einer Inszenierung des jungen Regisseurs Kevin Barz, 22 Mitgliedern des Schauspieljugendclubs „Spieltriebs“ und vier professionellen Schauspielern zu eröffnen. Und dazu mit der bekanntesten Liebestragödie des Welttheaters, Shakespeares „Romeo und Julia“. Seit Jahrhunderten wird dieses Stück auf großen und kleinen Bühnen gespielt. Immer wieder gibt es neue Versuche, die Geschichte der bedingungslos Liebenden, die aus verfeindeten Familien stammen, zu interpretieren. Man durfte gespannt sein, wie Kevin Barz, einst selber Mitglied des Spieltriebs, „Romeo und Julia“ auf die große Bühne des Duisburger Stadttheaters bringen würde. Der Riesenapplaus am Schluss der zweieinhalbstündigen Aufführung bewies, dass Barz einen Zugang zum Stück gefunden hat, der überzeugen, gar begeistern kann.

Dabei konnte man im Vorhinein durchaus skeptisch sein, ob eine Pointe der Inszenierung wirklich funktioniert: Kevin Barz verdreifachte die Titelhelden: Auf der Bühne standen drei männliche und weibliche Romeos und drei weibliche und männliche Julias. Sie traten nicht hintereinander, sondern stets gemeinsam auf und sprachen ihren Text (in der Übersetzung von Thomas Brasch) im Chor. Die Liebe ist mehr als die glückliche Verbindung von Mann und Frau, sondern hat ihren absoluten Wert auch in anderen Konstellationen. Kevin Barz zeigt das in seiner Inszenierung deutlich, aber keineswegs aufdringlich.

Überzeugend ist auch die Gewichtung der Rolle des Paters Lorenzo (gespielt von dem wie immer vorzüglichen Schauspieler Kai Bettermann). Der Pater spricht den Eingangsmonolog, der zugleich eine Rückschau auf das kommenden tragische Geschehen ist, das er zu verhindern sucht, aber durch seine humanitär motivierte Strippenzieherei nur beschleunigt. Schuld und Unschuld, strategischer Plan und schicksalhafter Verlauf kreuzen sich. Die utopische Idee, dass die Liebe der Romeos und Julias die tradierte Feindschaft der Familien Montague und Capulet beenden könnte, verwirklicht sich zu Lebzeiten der Liebenden nicht. Vielleicht deutet sich im aggressiven Schluss, der sich gegen Julias zuhälterischen Vater richtet, ein Wandel an...

Ein Riesenplus der Inszenierung ist ihr atemberaubendes Tempo, das die Zuschauer von Anfang an bannt. Kevin Barz nutzt die technischen Möglichkeiten des Theaters, lässt die Podien auf- und niederfahren, arbeitet mit den Räumen und dem Licht. Vor allem setzt er auch die Musik, die Paul Brody für die Aufführung eigens mit Rückgriff auf historische Aufnahmen von Shakespeare-Inszenierungen komponiert hat, wunderbar ein.

Zum ersten Mal wagt der Schauspieljugendclub „Spieltrieb“ mit dieser Inszenierung den Sprung auf die große Bühne. Dieser Sprung ist ein gewaltiger Satz, der geglückt ist. Die jungen Schauspieler spielen in den großen Rollen ausdrucksstark, sprechen perfekt im Chor und wirken im Zusammenspiel mit den professionellen Schauspielern (neben Kai Bettermann sind es Matthias Matz als Vater Capulet, Katharina Böhrke als Lady Capulet im kurzen Rock und Stephanie Gossger als Amme) keineswegs als Bühnenfremdkörper.

Ein großer Theaterabend und eine rundum überzeugende Eröffnung der Utopie-Akzente!

Weitere „Romeo und Julia“-Aufführungen am 21. März, am 21. April, am 15. und 16. Mai sowie am 12. und 13. Juli. Karteninformationen im Internet unter www.theater-duisburg.de oder an der Theaterkasse, Telefon 0203 28362100.