Duisburg: Rita Süssmuth über Integration

Rita Süssmuth bei Duisburger CDU: Wir-Gefühl nicht per Dekret

Im Arbeitskreis Integration der Duisburger CDU sprach die ehemalige Präsidentin des Deutschen Bundestags Rita Süssmuth über das Miteinander zwischen Mehrheitsgesellschaft und Mitbürgern mit Einwanderungsgeschichte.

Man könne sich wohl kaum einen besseren Ort als Duisburg vorstellen, um über das Thema Integration zu sprechen, meinte der CDU-Kreisvorsitzende Thomas Mahlberg bei seiner Begrüßung von Rita Süssmuth, die als Gastrednerin und Diskussionspartnerin vor der Duisburger CDU-Ratsfraktion im großen Sitzungssaal des Rathauses sprach. Auch Fraktionsvorsitzender Rainer Enzweiler und Gürsel Dogan, Vorsitzender des CDU-Arbeitskreises Integration, wiesen auf die besonderen Herausforderungen in der Stadt Duisburg hin. Dogan untermauerte das mit Zahlen: 64 Prozent aller Duisburger unter 18 Jahren hätten eine Einwanderungsgeschichte.

Rita Süssmuth, die zwar viele Spickzettel mitgebracht hatte, aber durchweg frei sprach, griff auf ihre Erfahrungen als hochrangige Politikerin und Professorin als Erziehungswissenschaftlerin zurück. Als sie in den Jahren 1999/ 2000 in der Kommission zur Vorbereitung des Einwanderungsgesetzes mitgearbeitet habe, musste sie feststellen, dass kein Politiker mit Einwanderungsgeschichte beteiligt war. Das sei ein typischer Fehler, der sich bis heute in vielen Bereichen zeige. Auch über die Einführung der Frauenquote diskutierten mehr Männer als Frauen. Und bei der Einwanderungsproblematik „hampeln wir immer noch rum“, so Frau Süssmuth.

Sie kam kurz auf ihre eigenen Ansprachen zum 50. Jahrestag des türkischen Einwanderungsabkommens im Jahr 2011 zu sprechen. Dabei sagte sie kritische Sätze, die haften blieben. Etwa: „Gastarbeiter sind bei uns nicht wie Gäste behandelt worden.“ Zur Angst vieler Nicht-Muslime vor dem Islam meinte sie, dass fast jede Religion missbraucht werden könne. Die große Mehrheit der muslimischen Türken sei aber friedlich. Wichtiger als die unterschiedlichen Nationalitäten sei das Verbindende zwischen den Menschen. Und dazu gehöre die Lernfähigkeit der Menschen.

Gegen Fremdenhass müsse man sich, so Süssmuth, auf eine entsprechende Anmerkung ihrer Zuhörerschaft im Ratssaal, mit Nachdruck und ohne Zögerlichkeit wenden. Süssmuth sagte, dass die meisten Menschen, die hierhin flüchten, dies aus Not tun. Es sei eben so, dass von Menschen, die hierhin kommen, mehr verlangt werde als von Menschen, die schon lange hier wohnen. Süssmuth zeigte sich überzeugt davon, dass „Menschen, die hierhin kommen, in der Regel nicht auf Asylgelder aus sind, sondern hier arbeiten wollen.

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Integration gelinge besser, wenn man die Menschen so schnell wie möglich in Arbeit bringe. Arbeit und Spracherwerb könnten da oftmals verbunden werden. Bei ihren türkischen Studenten habe sie die Erfahrung gemacht, dass diese schneller die deutschen Sprache erlernen, wenn dies bei der Arbeit in konkreten Projekten geschieht und nicht am Pult mit einem Lehrbuch.

Integration könne nicht per Dekret verordnet werden. Sie könne nur gelingen, wenn die Menschen mit Migrationshintergrund am Integrationsprozess aktiv beteiligt würden. Das Wir-Gefühl entstehe in den Kommunen. Deshalb sollten Kommunen mehr Kompetenzen als bislang bekommen.  Süssmuth: „Wenn ich nochmals Politiker würde, dann würde ich mich für die Stärkung der Kommunen einsetzen.“

Im Verlauf des Abends im Rathaus wurde das Diskussionsfeld immer größer. Süssmuth vertrat einen menschenfreundlichen Grundansatz, warnte davor, „dass man Menschlichkeit auch verlernen kann“. Realitätsnah wies sie darauf hin, dass beim weiten Feld Integrationsarbeit „auch der Kleinkram für die Menschen sehr wichtig werden kann“ und dass Vorurteile am besten beim gemeinsamen Tun abgebaut werden können.

Trotz optimistischer Grundhaltung bei der Integrationsfrage plädierte Frau Süssmuth für klare Regeln, die wie beim Straßenverkehr auch beim menschlichen Miteinander einzuhalten seien. Und wenn bestimmte Grenzen überschritten werden, dann müsse man konsequent „Stopp!“ sagen.

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