Rheingold 47051 So lief das Opernspektakel auf dem Dellplatz

Duisburg · Auf diese Art und Weise kennt man Wagners „Rheingold“ sicher nicht: Das Außenprojekt der Deutschen Oper am Rhein mit 150 Mitwirkenden wurde zum fulminanten Spektakel. Was die „Fliegenden Homberger“ damit zu tun hatten.

Der Dellplatz wurde zur großen Opernbühne.

Der Dellplatz wurde zur großen Opernbühne.

Foto: Daniel Senzek

Die Glocken von St. Joseph läuten um 18 Uhr und aus der Kirche scheint eine Hochzeitsgesellschaft auf den Dellplatz zu treten, die sich später als Sprechchor entpuppt. So begann „Rheingold 47051", das war das jüngste hiesige Außenprojekt für alle von der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg.

Ausgangspunkt war die Oper „Das Rheingold" von Richard Wagner, hier verortet unter der Postleitzahl von Duisburgs Stadtmitte. Unter den etwa 150 Mitwirkenden waren auch Menschen aus der Gesellschaft unserer Stadt mit ihren ganz eigenen Erfahrungen. Ergänzt wurden diese Alltagsexperten durch schauspielende Studierende der Stageschool Salomon Academy Düsseldorf, das trommelnde Ensemble „Samba X - Bacteria Niederrhein" und die „Fliegenden Homberger" des Homberger Turnvereins.

Das Thema „Arbeit“ spielte eine wichtige Rolle.

Das Thema „Arbeit“ spielte eine wichtige Rolle.

Foto: Daniel Senzek

Die musikalischen Ausführenden waren Heidi Elisabeth Meier, Katarzyna Wlodarczyk, Verena Kronbichler und Luke Stoker aus dem Gesangsensemble der Rheinoper, der Kinderchor am Rhein sowie drei Klaviere und eine Band, die diverse ungewöhnliche Instrumente enthielt, allerdings auch ein ganz herkömmliches Horn.

Man musste die Handlung und die Musik der Vorlage nicht kennen, um diesem Abend unter freiem Himmel folgen zu können, denn Wagners Werk wurde hier frei assoziierend ins Duisburg von heute überführt. Es ging um Themen wie „Arbeit", „Macht" und „Verbrechen", aber „um Liebe geht es eher nicht", wie die hilfreiche LED-Wand namens „Screeny" anmerkte. Es wurden Fragen gestellt wie „Wem gehören eigentlich Bodenschätze?", „Wer definiert Arbeitsbedingungen?" oder „Warum ist Duisburg heute verschuldet, obwohl es mal die reichste Stadt Deutschlands war?"

Der Anfang war noch ziemlich nahe am ursprünglichen Stück, als die drei Rheintöchter vom Getränkewagen (an dem es natürlich das Duisburger „Rheingold"-Bier gab) mit Sekt zu ihrem Gerüst eilten. Es spricht ja auch heute noch für sich, wenn selbst der Göttervater Wotan sich nicht an Verträge hält. Danach entfalteten einige von Wagners Texten ihren kapitalismuskritischen Biss noch mehr, indem das „Volk" sie skandierte.

Insgesamt wurde das hehre Kunstwerk nur gerade so weit in populäres Straßentheater verwandelt, dass es keine Verfälschungen gab – auch wenn zumindest ein Teil des Publikums sich mehr für die wirklich virtuose Akrobatik begeistern konnte als für die längeren Gesangspassagen.

Ein besonderer Pluspunkt waren die brillanten Arrangements von Wolfgang Wiechert und Clemens Rynkowski. Genial etwa, wenn Wagners musikalisierte Ambosse nahtlos übergehen in Sambatrommeln.

Kurze Regenschauer störten die Premiere kaum. Selten sieht man Opernsängerinnen tapfer mit Regenschirm singen. Am Ende war die allgemeine Begeisterung gewaltig und das Genre Oper wieder etwas tiefer in unserer Stadt verankert.

(hod)