Duisburg: Reinhard Goebel dirigiert Duisburger Philharmoniker

Philharmonisches Konzert : Rund um die „Eroica“

Gastdirigent im jüngsten, neunten Philharmonischen Konzert in der Philharmonie Mercatorhalle war Reinhard Goebel.

Reinhard Goebel, schon zum fünften Mal seit 2004 am Pult der Duisburger Philharmoniker, hatte ein kluges Programm vorbereitet, welches das musikhistorische Umfeld der Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 „Eroica“ (1802/04) von Ludwig van Beethoven beleuchtete. Auf die Zeitgenossen wirkte vieles von Beethoven damals noch ziemlich befremdlich, sie zogen die etwas gefälligeren Werke seiner Kollegen vor. So fand die gut halbstündige und ebenfalls dem Fürsten Lobkowitz gewidmete Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 33 (1804) von Anton Eberl - der fünf Jahre älter als Beethoven war – damals mehr Anklang als die „Eroica“, denn sie ähnelt noch mehr den letzten beiden Sinfonien von Wolfgang Amadeus Mozart oder den ersten beiden Sinfonien von Beethoven, geht nicht so kleinteilig vor wie die „Eroica“. Das ist überwiegend heitere, hörenswerte Musik, durchaus gleichfalls auch mit originellen Einfällen, aber auch mit einigen Längen.

Danach kam die deutsch-japanische Geigerin Mirijam Contzen mit dem Konzert für Violine und Orchester Nr. 2 d-Moll (1807) von Franz Clement. Der war zehn Jahre jünger war Beethoven, war der Solist der Uraufführung von dessen Violinkonzert und dirigierte die öffentliche Uraufführung der „Eroica“. Hatte Clements erstes Violinkonzert D-Dur – das Contzen und Goebel vor fast genau drei Jahren in Duisburg aufführten (die RP berichtete) und das im Uraufführungs-Konzert die „Eroica“ überschattete – noch Beethoven beeinflusst, so hatte sich Clement für sein zweites Violinkonzert einiges bei Beethoven abgeschaut, dessen Violinkonzert ja niemand besser kannte als er, und sich zugleich eine persönliche Handschrift bewahrt.

Nach der Pause gab es im Philharmonischen Konzert noch die dreiviertelstündige „Eroica“. Der Gastdirigent ließ das alles mit durchsichtigem Klang und klaren Akzenten spielen, auch die Solistin gefiel mit selbstbewusster Gestaltungskraft. Das war alles so unaufdringlich stilsicher, dass man sich ganz auf die Werke konzentrieren konnte, vor allem auf die beiden lange vergessenen vor der Pause. Die sehr sorgfältige Aufführung der „Eroica“ wirkte dann überraschend zahm, hatte aber dennoch eine großartige Wirkung und löste am Ende beim Publikum den größten Jubel des Abends aus.

Im nächsten, zehnten Philharmonischen Konzert am Mittwoch, 15., und Donnerstag, 16. Mai, jeweils um 20 Uhr, wird die Besetzung deutlich größer sein, denn dann dirigiert der designierte GMD Axel Kober die Sinfonie Nr. 2 c-Moll von Gustav Mahler, die sogenannte „Auferstehungs-Sinfonie“. Es singen Anke Krabbe (Sopran), Ingeborg Danz (Alt) und der philharmonische chor duisburg. Karten gibt es am einfachsten per Mail an karten@theater-duisburg.de.

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