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Duisburg: Rafal Blechacz und WDR-Sinfonieorchester beim Klavierfestival

Klavierfestival : WDR-Orchester als eigentliches Ereignis

Pianist Rafal Blechacz, das WDR-Sinfonieorchester und Dirigent James Gaffigan beim Klavier-Festival Ruhr.

Auf dem Programm stand je ein längeres Meisterwerk von zwei österreichischen Komponisten, die daran ungewöhnlich lange gearbeitet hatten. Diese trennte ein gutes Jahrhundert, verband aber viel mehr, zum Beispiel die heroische Grundhaltung. Das erste war jenes etwa halbstündige Konzert für Klavier und Orchester Nr. 24 c-Moll KV 491, das Wolfgang Amadeus Mozart 1786 zugleich mit anderen Werken komponierte. Der Solist in Duisburg war der 1985 geborene polnische Star-Pianist Rafal Blechacz. Er stellte seine souveräne Spieltechnik und seinen subtilen Anschlag in den Dienst von Mozarts Feinheiten, suchte sogar das Lyrische im Dramatischen, übertrieb manchmal etwas die verdeutlichende Tempobremse. Dass er eine Solokadenz im hochromantischen Stil gewählt hatte, wirkte ziemlich unpassend. Dass er darin so richtig loslegte, sollte vielleicht ein Zugeständnis an das Klavier-Festival-Publikum sein – das er danach aber wieder enttäuschte, denn er verzichtete auf eine Zugabe.

Wieder einmal war bei einem Orchesterkonzert des Klavier-Festivals Ruhr in der Mercatorhalle die zweite Konzerthälfte ohne Klavier das eigentliche Ereignis. Das lag zum einen am WDR-Sinfonieorchester, das auch an diesem allerletzten Abend seiner Saison 2018/19 große Klasse bewies, mit einem klaren und kompakten Klang sowie leuchtenden Leistungen an vielen Pulten, vor allem in den Klarinetten und Hörnern. Das lag zum anderen an dem recht kurzfristig für Christoph Eschenbach eingesprungenen Gastdirigenten, dem 1979 in New York geborenen James Gaffigan, im Hauptberuf Chefdirigent des Luzerner Sinfonieorchesters. Er sorgte für meist durchsichtige und mitreißende Aufführungen, hielt die Tempoänderungen gerade so eben im akzeptablen Bereich. Das kam auch der gut 50-minütigen Sinfonie Nr. 3 d-Moll von Anton Bruckner in ihrer gängigen, dritten und letzten Fassung von 1889 zugute. Da ließen sich die Zuhörer von der reaktionsschnellen Attacke der Blechbläser und überhaupt von einem grandiosen großen Bogen begeistern und jubelten hernach im Stehen.

Dies war das für Duisburg letzte Konzert des diesjährigen Klavier-Festivals Ruhr, das insgesamt am 19. Juli in Mülheim mit einem Klavierabend von Joseph Moog zu Ende geht.