Pro-Palästina-Demo in Duisburg Mehr als 100 Demonstranten – Polizei bekommt Ausschreitungen schnell in den Griff

Duisburg · Nach dem verheerenden Angriff der Hamas auf Israel gingen im Duisburger Stadtteil Hochfeld mehrere Gruppen für Gaza auf die Straße. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort, die Jüdische Gemeinde kritisiert den Aufmarsch scharf. Zeitweise eskalierte die Lage.

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So lief die Pro-Palästina-Demo in Duisburg

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„Ich bin nicht für die Hamas“, sagt ein Mann am Montagabend im Duisburger Stadtteil Hochfeld. Für Israel ist er allerdings offenbar auch nicht. Also hat er sich am Brückenplatz neben rund 100 weiteren Demonstranten versammelt. Bewacht von einem massiven Polizeiaufgebot hat hier gegen 19.20 Uhr eine Demo für Gaza begonnen. Es wehen palästinensische Fahnen, die Teilnehmer brüllen „Kampf dem Faschismus“ und nennen Gaza das größte Gefängnis der Welt.

Zeitweise wurden auch mindestens zwei Personen festgenommen. Nachdem die Demo loslief, gerieten einige Teilnehmer mit Gegendemonstranten aneinander. Es drohten Übergriffe, die Polizei schritt mit einer Hundertschaft ein. Wenige Minuten später hatte die die Lage wieder entspannt.

Zwei Tage nach dem verheerenden Angriff der Hamas auf Israel mit Hunderten Toten hat ein pro-palästinensisches Bündnis in Duisburg demonstriert. Nach Angaben der Polizei wurden zunächst nur 20 Teilnehmer angemeldet, dann kamen aber viel mehr. Der Titel der Demo: „Solidarität mit Gaza - Freiheit für Palästina“.

Ein Sprecher der Demo stachelte die Menge an. Er warf den Medien vor, über den Nahost-Konflikt einseitig zu berichten. „Wir werden zeigen, dass Duisburg pro-palästinensisch ist“, sagte er. Unter den Demonstrierenden waren auch antikapitalistische und antiimperialistische Teilnehmer. Einige riefen: „Bei jeder Schweinerei ist die BRD dabei.“

In den sozialen Netzwerken hatte auch Samidoun Deutschland für die Demo geworben. Samidoun sieht sich selbst als „Netzwerk für die Verteidigung palästinensischer Gefangenen“ und wurde 2011 von Mitgliedern der „Volksfront zur Befreiung Palästinas” (PFLP) gegründet. Die PFLP gilt als terroristische Vereinigung. Samidoun hatte am Wochenende den Angriff der Hamas bejubelt und im Berliner Stadtteil Neukölln Süßigkeiten verteilt. Dort ermittelt nun die Polizei.

Die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen, eine der größten des Landes, kritisierte den Aufmarsch scharf: „Das sind für mich widerliche Menschen, die sich an so einer Versammlung beteiligen“, sagt Alexander Drehmann, Geschäftsführer der Gemeinde. „Man kann in unserem Land über vieles diskutieren, aber wenn Frauen und Kinder ermordet werden, dann hört es auf.“ Und weiter: „Sollten dort Ausländer oder Geflüchtete mitmachen, muss der Rechtsstaat prüfen, ob sie nicht ausgewiesen werden können.“

Zuletzt ist eine ähnliche Demo in Berlin eskaliert. 2009 kam es auch in Duisburg zu einem Zwischenfall bei einer Pro-Palästina-Demo. Die Polizei hatte damals beim sogenannten „Flaggenstreit“ die Wohnung eines Studenten aufgebrochen und eine israelische Flagge aus seinem Fenster entfernt, während die Teilnehmer der Demo applaudierten. Der Vorfall sorgte anschließend deutschlandweit für Kritik. Der spätere Oberbürgermeister Sören Link sprach 2009 von „einer Kapitulation vor dem islamistischen Mob“.

Ursprünglich hatte zunächst auch Samidoun für Montag ein „Seminar“ in Duisburg angekündigt. Dort sollte ein bekannter Redner des Netzwerks sprechen. Am Sonntag gab Samidoun dann bekannt, dass das Seminar nicht stattfindet – stattdessen warb das Netzwerk für die Demo. Vor Ort hatten sich nach Angaben der Polizei dann beide Gruppen vermischt.

 Ein Mann zeigt seine palästinensische Fahne während der pro-palästinensischen Kundgebung auf dem Brückenplatz.

Ein Mann zeigt seine palästinensische Fahne während der pro-palästinensischen Kundgebung auf dem Brückenplatz.

Foto: dpa/Christoph Reichwein
 Die Teilnehmer zogen anschließend durch den Stadtteil.

Die Teilnehmer zogen anschließend durch den Stadtteil.

Foto: dpa/Christoph Reichwein
 Mehrere Banner wurden gezeigt.

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Im Vorfeld signalisierte das Innenministerium, die Polizei könne auf eine mögliche Eskalation der Demo reagieren. „Auch der Staatsschutz analysiert die Lage und das Gefahrenpotenzial“, so ein Sprecher. Innenminister Herbert Reul kündigte an, jüdische Einrichtungen verstärkt schützen wollen. Auch die Duisburger Polizei fährt vermehrt Streife. Mit Blick auf Sympathisanten der Hamas sagte Reul, man werde das Demonstrationsgeschehen im Auge behalten. „Versammlungsfreiheit gilt für alle, auch für Menschen, die ganz komische Ansichten haben, aber es gibt eben Grenzen.“

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