Duisburg: Positive Resonanz auf die Wiederbelebung der "Duisburger Freiheit"

Güterbahnhofsgelände : „Freiheit“: Neustart weckt große Erwartungen

Der Kauf des Geländes der „Duisburger Freiheit“ durch die Gebag ist in Duisburg auf positive Resonanz gestoßen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Dietzfelbinger war voll des Lobes: „Der Ankauf des Geländes ist ein wichtiger Meilenstein für die weitere, gute Stadtentwicklung Duisburgs, Kompliment an den Oberbürgermeister und die Geschäftsführung der Gebag.“ Auch der Vorsatz, das Gelände gemäß den Plänen des Architekten Norman Foster zu entwickeln, sei „goldrichtig“. Tatsächlich war es schließlich auch die Industrie- und Handelskammer, die sich vehement gegen größeren Flächeneinzelhandel in Citynähe ausgesprochen und das später geplante Designer Outlet Center strikt abgelehnt hatte. „Mit der hervorragenden Lage am Hauptbahnhof Duisburg, der Nähe zum Düsseldorfer Flughafen und den Stadtzentren von Duisburg, Essen und Düsseldorf besteht nun die Chance, dieses Filetgrundstück als Top-Bürostandort zu entwickeln. Vielleicht besteht ja die Chance, der Entwicklung durch die Ruhrkonferenz weiteren Schwung zu geben. Einen Versuch wäre es wert“, so Dietzfelbinger wörtlich.

Gebag-Chef Bernd Wortmeyer hat dazu schon in der kommenden Woche die besten Gelegenheiten: Duisburg ist wieder auf der Gewerbeimmobilienmesse Expo Real vom 8. bis 10 Oktober in München vertreten. Dort besteht die Möglichkeiten, Entscheider der Immobilienbranche zu treffen und auf die großen Chancen des Projekts in Duisburg aufmerksam zu machen. „Möglichst schnell Investoren finden“ – das ist auch der Wunsch der Duisburger CDU. Fraktionschef Rainer Enzweiler und Thomas Susen, Sprecher seiner Partei im Wirtschaftsausschuss, begrüßten den Kauf des Fläche durch die Gebag. Beide werten das Geschäft als „einmalige Chance für unsere Stadt“, heißt es. Ganz ähnlich sieht es die SPD. Die Grünen sehen bereits Interesse, dass ein Investor aus Berlin haben soll. Auch die anderen Ratsfraktionen stehen grundsätzlich positiv dazu, dass die Gebag das Gelände gekauft hat.

Allerdings gibt es auch Befürchtungen, die Gebag könne sich übernehmen. Mit 6-Seen-Wedau, dem Mercator-Quartier oder The Curve im Innenhafen hat die Gebag noch eine ganze Reihe von Großprojekten zu stemmen.

Das Modell der Duisburger Freiheit nach den Foster-Plänen sah einen „Central Park“ in der Mitte vor, flankiert im Westen zur A 59 von einem Riegel mit Bürogebäuden und auf der Ostseite zu den Gleisen hin mit Wohnbebauung. Foto: RP/Foster+Partners

Dass bei der Realisierung eines solch großen Projekts nicht in kurzen Zeitfenstern gedacht werden kann, sondern in Dekaden, zeigt ein Blick in die Vergangenheit, angefangen von hochtrabenden Plänen eines MultiCasa, die bis in die 90-er Jahre zurückgehen. Öffentlich vorgestellt wurden die Pläne für die „Duisburger Freiheit“ erstmals im Mai 2009. Der vom Londoner Architekturbüro Foster+Partners konzipierte Plan sah für ein 30 Hektar großes Areal zwischen den Bahngleisen im Osten und der A 59 im Westen einen großen innerstädtischen Park vor, an beiden Rändern flankiert von Bebauung. Gedacht war sowohl an Büros und Dienstleistungen wie auch an Wohngebäude, an Gastronomie und ein Hotel. Auch eine Groß-Sporthalle war angedacht. Die Rede war zeitweise sogar von einem möglichen Investment von 600 Millionen Euro, bis zu 10.000 Arbeitsplätze sollten entstehen.

Auf der Expo Real 2009 in München im Oktober gab es dann auch erste konkrete Pläne. Damals war gar von einem Investor die Rede, der sowohl ein bis zu 120 (!) Meter hohes Hotel wie auch eine 5000 Zuschauer fassende Halle realisieren wollte. möchte. Eigentümerin war zuvor die Aurelis, die Immobilien der Bahn vermarktet. Für viele überraschend verkaufte die Aurelis im Mai 2010 dann die Fläche an das Krieger-Firmenimperium. Damit waren die „Freiheits“-Pläne nur noch Makulatur, ein Möbelzentrum wurde plötzlich zum Kernelement.

Im Juli 2010 fand auf dem Gelände die Loveparade statt, deren Katastrophe gerade juristisch aufgearbeitet wird. Die Möbel-Pläne wurden dann ausgetauscht gegen ein Designer Outlet Center (DOC), was im September 2017 durch einen Bürgerentscheid endgültig beerdigt wurde. Nun ist die Gebag am Zug, die Duisburger Freiheit ist wieder ein Thema – und alles beginnt von vorn.

(mtm)
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