Duisburg: Polizei setzt auf Bodycams und Smartphones

Viel Arbeit wegen zunehmender Gewalt : Duisburger Polizei setzt auf Bodycams und Smartphones

69 Mordkommissionen bei der Duisburger Polizei im Jahr 2019 sind ein Beleg dafür, dass die Gewaltkriminalität deutlich gestiegen ist. Die Polizei setzt jetzt verstärkt auch auf technische Hilfsmittel wie Bodycams und Smartphones.

„Wir sind froh, eine bessere Ausrüstung zu bekommen, weil der Job immer härter wird“, sagte Duisburgs Polizeipräsidentin Elke Bartels am Dienstag. Zwar sei die Kriminalitätsrate gesunken, die Intensität von Gewaltstraftaten aber gestiegen. Mit 69 eingerichteten Mordkommissionen im vergangenen Jahr gebe es bei der Duisburger Polizeibehörde mehr als in Köln – einer Stadt mit fast doppelt so vielen Einwohnern. Die Duisburger Polizei ist zuständig für Tötungsdelikte im Stadtgebiet und im Kreis Wesel. Das bringe ein Arbeitspensum mit sich, dass kaum zu bewältigen sei. Der Anstieg der Gewalt im öffentlichen Raum sei „ziemlich heftig“, so Elke Bartels.

Herausfordernd für die Duisburger Polizei sei zudem die Clan-Kriminalität, die vor allem Kurden aus dem Libanon zugerechnet werde. „Ich bin sehr dafür, die Definition des Clan-Begriffs zu erweitern“, sagte die Polizeipräsidentin. Zuwanderer aus Südosteuropa, von denen inzwischen mehr als 20.000 in Duisburg leben, lebten häufig in ganz ähnlichen Strukturen. „Das versuche ich seit zwei Jahren dem Innenministerium nahe zu legen“, so die Polizeichefin wörtlich. Seit 2013 werde das Problem bekanntlich intensiv angegangen. „Die Clans haben versucht, die Straße für sich zu erobern, auch die Tumult-Delikte hatten drastisch zugenommen.“ Mit dem Projekt „Triangel“ seien die Ordnungsbehörden dagegen angegangen, vor allem die Präsenz der Polizei in Marxloh und Bruckhausen sei verstärkt worden, unter anderem durch einen Zug der Einsatzhundertschaft. „Präsenz ist wichtig, wenn man auf Dauer erfolgreich sein will.“ Dazu gehöre auch die Anwendung einer Null-Toleranz-Strategie. „Man muss den Clans klar machen, dass sie nicht die Straße beherrschen. Deshalb wird auch gegen andere Dinge vorgegangen, die nicht Straftatbestände sind wie das Parken in zweiter Reihe oder nicht angegurtet Auto zu fahren. Das ist das einzige, mit dem man sie packt. Nur so wird ihnen klar, dass sie nicht die Straße beherrschen“, so Bartels.

Wolfgang Weidner vom technischen Dezernat der Polizei stellte die Funktionen der neuen Smartphones vor, von denen bereits rund 700 vom Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste in Duisburg ans Präsidium ausgeliefert wurden. Sie sollen die Arbeit der Beamten im Streifendienst, bei der Verkehrsüberwachung, auf den Wachen und bei der Kripo erleichtern. So demonstrierten Weidner und Polizeisprecher Stefan Hausch, wie mit Hilfe des iPhone 8 Autokennzeichen sekundenschnell aus mehreren Metern Entfernung eingescannt werden können. Mit Hilfe vorinstallierter Apps lässt sich schnell der Halter herausfinden und ob etwas gegen ihn vorliegt. „Bisher hat der Kollege per Funk eine Halterabfrage bei der Leitstelle vornehmen müssen, was deutlich länger gedauert hat“, so Weidner. Bei Personenkontrollen können auch Führerscheinde oder Personalausweise mit dem Smartphone gescannt werden. Hier erkennt das Gerät in kurzer Zeit, ob gegen den Inhaber etwas vorliegt oder ob der Verdacht eines gefälschten Ausweises gegeben ist.

So sehen die neuen Bodycams der Duisburger Polizei der Marke „Axon 2“ aus der Nähe aus. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Bei allen Abfragen muss ein entsprechender Grund genannt werden. Das Handy ist streng gesichert. Geht es verloren, könne der Finder damit kein Unheil anstellen, so Weidner. Alle Daten sind auf einem Server gespeichert, nicht auf dem Handy selbst.

Mit Hilfe einer Mailfunktion und eines Messengers können sich Polizeibeamte untereinander schnell austauschen – und zum Beispiel ganz schnell Fotos von Vermissten oder Verdächtigen austauschen. Im Internet zu surfen oder eigene Apps aufzuspielen sind nicht ohne weiteres möglich, weil es nur einen vom LZPD vorkonfigurierten App Store gibt.

Seit Anfang des Jahres ist die Polizei in Duisburg mit Bodycams unterwegs. „Die Auswertung des Pilotprojekts, das in Köln, Düsseldorf, Siegen, Wuppertal und in der Wache Hamborn lief, hat ergeben, dass der Einsatz der Bodycams in Einzelfällen Gewalt gegen Polizeibeamte verhindern kann“, erklärte Polizeihauptkommissar Sebastian Lange. Er wies darauf hin, dass die Körperkameras nur zur Gefahrenabwehr und nicht zu Dokumentationszwecken eingesetzt werden dürfen. Nur wenn ein Polizist angegangen wird, darf er die neuen Geräte der Marke „Axon 2“ einschalten – nachdem er zuvor sein Gegenüber darüber informiert hat.

300 dieser Kameras sind beim Duisburger Polizeipräsidium im Einsatz. Im Regelfall werden Aufnahmen durch den Server nach 14 Tagen automatisch gelöscht. Werden sie länger gespeichert oder sollen verwertet werden, sei dies nur durch einen richterlichen Beschluss möglich, so Lange. Die Bodycams werden auf die neuen stich- und schussfesten Funktionswesten der Beamten gesteckt, die nun über dem Hemd statt wie bisher darunter getragen werden, was für die Polizisten deutlich mehr Komfort bedeutet. „Wir haben uns bewusst für den Einsatz der Bodycams entschieden“, erklärte Elke Bartels. Nach etwa einem halben Jahr werde man auswerten, wie der Einsatz der Geräte im Polizeialltag angekommen ist.