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Duisburg Polizei: Kinder wieder von der schiefen Bahn holen

Interview: Innenansichten Duisburgs Polizei : Kinder wieder von der schiefen Bahn holen

Verbrechen vorbeugen - wie soll das funktionieren? Schließlich kündigen Verbrecher ihre Straftaten wohl eher selten an? "Doch, das geht", versichert Klaus Kemper. Er leitet das Kommissariat "Kriminalprävention und Opferschutz" bei der Duisburger Polizei.

In der Rathauswache gibt es beispielsweise eine Ausstellung, in der gezeigt wird, wie wirkungsvoll sichere Schlösser und Riegel an Fenster und Türen bei einem Einbruch sind - also Tipps für die technische Vorbeugung. Verhaltenspräventionbetreiben Klaus Kemper und seine Mitarbeiter oft direkt vor Ort. Sie besuchen beispielsweise Seniorenveranstaltungen und erläutern dort ganz anschaulich, wie man seine Handtasche halten sollte, wenn man nicht bestohlen werden will, was man bei einem Übergriff tun kann oder auch, wie man Provokationen begegnen sollte.

Bei den 13- bis 16-Jährigen besteht viel Aufklärungsbedarf

Wie mit den Senioren, so reden die "Vorbeuger" auch mit jungen Leuten in Schulen, vor allem über die Konsequenzen, die beispielsweise Mobbing, Schlägereien, Raub oder Bedrohung nach sich ziehen. In der Gruppe der 13- bis 16-Jährigen gäbe es da jede Menge Aufklärungsbedarf. "Stehe ich vor einer Klasse, dann weiß ich, dass etliche Schüler gelangweilt wirken, in Wirklichkeit aber genau hinhören, weil sie vielleicht Dreck am Stecken haben oder zu einer Gruppe gehören, die krumme Sachen macht", sagt Kemper. Ob seine erklärenden und mahnenden Worte Wirkung zeigen, "das erfahre ich nicht. Denn es lässt sich ja nicht messen, ob jemand durch unsere Arbeit nicht kriminell geworden ist."

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17 Jahre lang hat Klaus Kemper Drogendelikte aufgeklärt und dabei Fachwissen (und Erlebnisse) gesammelt, das ihm heute bei seiner präventiven Arbeit zu gute kommt. Aus dieser Zeit weiß er beispielsweise, wozu Junkies in der Lage sind und dass sie sich oft bei Einbrüchen das Geld für ihre Drogen besorgen, aber an einer Begegnung mit den Bestohlenen in der Regel nicht interessiert sind. Die Opfer wiederum gehören zu Kempers Klienten, wenn sie unter den Folgen des Einbruchs psychisch und physisch leiden. Die Beratung konzentriert sich dann darauf, die richtigen Ansprechpartner zu vermitteln. "Denn wir selbst sind keine Traumaexperten oder Psychologen. Das müssen wir uns immer wieder klar machen", warnt der Dienststellenleiter.

Polizisten sind keine Psychologen

Und mit "Küchenpsychologie" sei solchen Opfern gar nicht geholfen. Aber einer Bankangestellten, die einen Überfall erlebt hat, zu sagen, an welche Fachleute sie sich wenden kann, das sei in solch einer Situation für die Betroffene sehr hilfreich und wichtig. "Bei uns bekommt jeder Unterstützung, der den Eindruck hat, unter einer Straftat zu leiden", sagt der 60-Jährige. Urteilen darüber, ob die Ängste und Nöte berechtigt sind oder nicht, "das ist nicht unsere Aufgabe. Wir hören zu und vermitteln Hilfe Das gilt nicht nur für die unmittelbaren Opfer, sondern auch für deren Angehörige."

In Gesprächen versuchen er und seine Kollegen behutsam herauszufiltern, wo das eigentliche Problem liegt, und wer der richtige Ansprechpartner sein könnte. Duisburg verfüge über ein breites Netz an Hilfsangeboten, "aber man muss diese Anlaufstellen kennen und wissen, wer wofür zuständig ist".

Mit dem auf zwei Jahre ausgelegten Präventionsprojekt "Klar kommen" hat Duisburg im vergangenen Jahr landesweit eine Vorreiterrolle übernommen. Es richtet sich gezielt an Kinder und Jugendliche aus Osteuropa, die beispielsweise als "Klaukids" Schlagzeilen machen. Die inhaltliche Arbeit übernehmen die Diakonie und der Verein Zoff, bei Kemper und seinen Kollegen liegt die Federführung. Die bereits straffällig gewordenen Kinder von der schiefen Bahn zu holen, ist das Ziel. Dies gelingt allerdings nur mit Unterstützung der Eltern.

(RP)