Duisburg plant neue China-Strategie

Neue Strategie in Planung : Duisburg will China-Stadt bleiben

Duisburg ist China-Stadt. Damit das so bleibt, arbeitet die Stadt derzeit an einer neuen China-Strategie, um die florierenden Handelsbeziehungen mit Unternehmen aus dem Reich der Mitte auf neue Füße zu stellen und zu verfestigen.

Duisburg sei die China-Stadt schlechthin – für Deutschland, und für NRW sowieso. Jedenfalls ist Oberbürgermeister Sören Link der Meinung, auch wenn beispielsweise in Düsseldorf weitaus mehr chinesische Firmen angesiedelt sind als in unserer Stadt und auch das chinesische Generalkonsulat dort beheimatet ist.

In den Fokus des chinesischen Interesses ist Duisburg dadurch gerückt, dass im hiesigen Hafen das Ende der eurasischen Schienenstrecke (neue Seidenstraße, siehe Grafik) zwischen Duisburg und Chongqing liegt. Und seit dem Besuch des chinesischen Staatspräsidenten XI Jinping auf dem Logport-Gelände im Jahr 2014 haben sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Duisburg und China rasant entwickelt. Das betonten am Freitag Oberbürgermeister Sören Link, Ralf Meurer von der Gesellschaft für Wirtschaftförderung (GFW), Duisburgs Chinabeauftragter Hans Pflug und Kai Yu von der GFW bei einem Pressegespräch am Gehege der aus China stammenden Roten Pandas im Duisburger Zoo.

Die Strecke der neuen Seidenstraße. Foto: RP/Foto: dpa; Grafik: Ferl

Ralf Meurer bezeichnete den Besuch Jinpings als „einschneidendes Ereignis“. Zuvor habe es zwischen 30 und 40 chinesische Firmen, Verbände und Institutionen in Duisburg gegeben, inzwischen seien es etwa 100, darunter 77 gemeldete Unternehmen. Anfangs sei es vor allem darum gegangen, chinesische Waren wie LED-Leuchtmittel oder Solarzellen für den europäischen Markt zu transportieren, inzwischen funktioniere das auch anders herum: „Lebensmitte aus Europa sind in China sehr beliebt“, so Meurer.

Rund 60 chinesische Delegationen waren im vergangenen Jahr zu Gast in Duisburg, berichtete Hans Pflug. Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete und Südostasien-Experte fungiert inzwischen als China-Beauftragter der Stadt und hat demzufolge in diesem Ehrenamt immer mehr zu tun. Aber auch Duisburger sind regelmäßig zu Besuchen in Fernost. Das nächste Mal geht es für Vertreter der Stadt und der Wirtschaft Ende Oktober nach China, unter anderem auch nach Hangzhou in die Firmenzentrale von Ali Baba, dem asiatischen Pendant zu Amazon.

Bereits vor drei Jahren hatte die Wirtschaftsförderung Existenzgründerseminare für Chinesen in Deutschland (ESCID) ins Leben gerufen. Auch die interkulturelle Zusammenarbeit soll intensiviert werden. Daran wirkt auch das Duisburger Konfuzius-Institut mit, und das jährliche China-Fest soll in Duisburg zur Tradition werden. Zu den Säulen der Zusammenarbeit zählen auch das China Business Network Duisburg und das Business and Investors Forum China des Landes, das alle drei Jahre in Duisburg ausgetragen wird. Link hob auch die Rolle von Huawei bei der Umsetzung des Projekts „Smart City“ in Duisburg hervor. Sicherheitsbedenken teile er dabei nicht, so Link. Und es gebe auch keine einseitige Abhängigkeit von Huawei: Die neue Telefonanlage für das Duisburger Rathaus liefert ein anderer Anbieter. „China ist ein langfristiger, sehr verlässlicher Partner“, so Link.

Dem Rückgang chinesischer Investitionen in Europa soll mit einer neuen China-Strategie Duisburgs begegnet werden. Unter Federführung von Wirtschaftsdezernent Andree Haack soll ausgelotet werden, was chinesische Unternehmen hier erwarten. „Das soll in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und der Universität vollzogen werden und wird etwa ein Jahr dauern“, berichtete Pflug. Dass bei allen wirtschaftlichen Interessen auch über Menschenrechte gesprochen wird, ist ein Randaspekt: „Wir achten darauf, dass wir alle Regelungen Deutschlands und der EU im Umgang mit China einhalten. Wir wollen uns aber auch nicht selbst überhöhen“, sagte Sören Link. Man könne aber zum Beispiel darauf achten, dass Arbeitsschutzbedingungen eingehalten würden, ergänzte Pflug.