Duisburg: Pianist Boris Giltburg brillierte mit Rachmaninows Préludes

Kammerkonzert : Spätromantisches Panorama

Im „Kammerkonzert Extra“ spielte der Pianist Boris Giltburg alle 24 Préludes von Sergej Rachmaninow.

1892, also im Alter von 19 Jahren, landete der russische Komponist Sergej Rachmaninow einen Welterfolg mit dem Klavier-Prélude cis-Moll op. 3 Nr. 2. Später kommentierte er die Popularität dieser recht salonhaften Komposition immer sarkastisch, und noch nach vielen Jahrzehnten musste der Weltklassepianist „das“ Prélude in seinen Konzerten als Zugabe spielen. Um die Jahrhundertwende reifte dann sein Plan, daraus nach dem Vorbild von Johann Sebastian Bach und vor allem Frédéric Chopin einen Zyklus durch alle 24 Dur- und Moll-Tonarten zu machen. 1901-03 entstanden zehn weitere Préludes op. 23, die sich mit pianistischen Problemen befassen, und die 13 restlichen Préludes op. 32 (1910) konzentrieren sich dann auf kompositionstechnische Aufgabenstellungen.

Man kann die Préludes von Rachmaninow einzeln oder in jeder beliebigen Kombination vortragen – ihr musikalischer Reifeprozess erschließt sich aber am besten, wenn man damit einen ganzen Konzertabend füllt, mit der Pause vor op. 32. So machte es jetzt der Pianist Boris Giltburg, geboren 1984 in Moskau und aufgewachsen in Israel, in der Saison 2017/18 Duisburgs „Artist in Residence“ (Gastkünstler, die RP berichtete), im jüngsten „Kammerkonzert Extra“ zum Abschluss der Sasion 2018/19 in der gut gefüllten Philharmonie Mercatorhalle. Da war dann auch zu hören, wie sehr Giltburg mit diesem Zyklus verwachsen ist, wie er dessen Tücken, Stolpersteine und nicht zuletzt Schönheiten sehr genau kennt. Und da wurde außerdem klar, dass auch er seit „seiner“ Duisburger Saison noch an künstlerischer Reife gewonnen hat, dass er seine vorzügliche Spieltechnik, seinen blitzblanken Anschlag und seine sehr genaue, fast immer ebenso korrekte wie lebendige Gestaltung inzwischen noch viel mehr in den Dienst der jeweiligen Musik stellt. Das Rachmaninow-Spiel von Boris Giltburg besitzt in der Tat jene überragende Qualität, die dem Künstler in der werbenden Ankündigung des Konzerts zugeschrieben wurde. Es gibt nur wenige Pianisten auf der Welt, die der immensen Herausforderung, Rachmaninows „Préludes“ als Zyklus aufzuführen, so souveran gewachsen sind, wie Boris Giltburg.

Boris Giltburg wurde in Moskau geboren und wuchs in Israel auf. Foto: Zoltan Leskovar

Das Duisburger Publikum feierte „seinen“  Boris Giltburg, da mussten ähnliche und zugleich erfrischend kontrastierende Zugaben folgen. Es wurden eine Étude von Franz Liszt, die „Suggestion diabolique“ („Einflüsterung des Teufels“) von Sergej Prokofjew und der dritte der „Daivdsbündlertänze“ von Robert Schumann. Vor der dritten Zugabe machte der Pianist ein ironisches Zeichen, dass dies die letzte sein würde.

Dieses letzte Kammerkonzert der aktuellen Saison war zugleich ein Höhepunkt im Musikleben der Stadt.  

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