Duisburg: Philharmonisches Konzert im Zeichen Beethovens

Philharmonisches Konzert: Wilder Ritt mit Beethoven

Der Clou im jüngsten philharmonischen Konzert war die viel gespielte Konzertouvertüre „Con brio“ von Jörg Widmann.

Im Mittelpunkt des vierten philharmonischen Konzertes stand „Con brio“ (2008) von dem 1973 geborenen Jörg Widmann. Das Stück ist ein wilder Ritt mit dem Gestus und den schnellen Bewegungstypen der siebten und achten Sinfonie von Ludwig van Beethoven, die im Verlauf der gut elf Minuten immer mehr wie Zitate wirken (was sie aber nicht sind). Dabei werden auch moderne Spieltechniken verlangt, die Atemgeräusche der Bläser sind zu hören, die Pauke wird nicht nur auf dem Fell angeschlagen. Das ist virtuos, und stellenweise wirkt das so „abgerissen“, wie die Musik von Beethoven oft seinen Zeitgenossen erschienen sein muss.

Dann kam das vor 80 Jahren fertig gestellte Konzert für Orgel, Streichorchester und Pauken g-Moll von Francis Poulenc, dessen Pathos mehr als einen Schuss Ironie hat. Das entspricht der Charakterisierung von Poulenc durch den Kritiker Claude Rostand als „eine Mischung zwischen Mönch und Lausbub“. Der Klang der Eule-Orgel der Philharmonie Mercatorhalle passt perfekt dazu, mit typisch französischen Registern und konzertanter Kraft. Wirklich lebhaft war diese Aufführung, im Schwung der ineinander übergehenden Abschnitte. Schade nur, dass der Solist Günter Rost manches etwas zu hektisch erscheinen ließ, die Unruhe griff auch auf das Orchester über. Seine charismatische Spieltechnik verfehlte freilich ihre Wirkung nicht und provozierte eine entsprechende Zugabe. Diese erschien zunächst wie zwei Stücke, denn zwischen Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542 von Johann Sebastian Bach ließ sich der Organist ein weiteres Mal vom Publikum feiern. Das passte nicht nur wegen der gleichen Tonart wie das Poulenc-Konzert, sondern auch weil dies ein sehr dankbares Werk ist. Leider wirkte vor allem die bekannte Fuge hier ziemlich gehetzt.

Solist Gunther Rost ließ manches etwas zu hektisch erscheinen. Seine charismatische Spieltechnik verfehlte ihre Wirkung aber nicht. Foto: Giovanni Pinna
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Danach konnte eigentlich nur noch eine bestimmte Sinfonie folgen, nämlich Beethovens Nr. 8 F-Dur op. 93 (1812) mit ihrem hintergründigen Humor. Chefdirigent Axel Kober hatte sichtlich Freude an diesem ganzen Programm und es gelang ihm weitgehend, den Spaß auf die Duisburger Philharmoniker zu übertragen. Dabei steckt der Teufel ja auch bei der achten Sinfonie im Detail, in vielen kleinen Akzenten und Artikulationen. Aber auch die Kunst, zugleich einen großen dramatischen Bogen darüber zu schlagen, wurde hier gepflegt.

Das nächste, vierte Philharmonische Konzert ist schon am 28. und 29. November, jeweils um 20 Uhr. Stephan Dreizehnter (Flöte), Viola Wilmsen (Oboe), Radek Baborák (Horn) und Jens-Hinrich Thomsen (Fagott) sind dann die Solisten in der rekonstruierten Sinfonia concertante Es-Dur KV 297b von Wolfgang Amadeus Mozart, nach der Pause dirigiert Baborák die monumentale Sinfonie Nr. 5 B-Dur von Anton Bruckner. Karten gibt es am einfachsten per E-Mail an karten@theater-duisburg.de.

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