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Duisburg: Philharmonisches Konzert gewagt konzipiert

Philharmonisches Konzert in Duisburg : Virtuosität an allen Pulten

Peter Hirsch leitete als Gastdirigent das zweite Philharmonische Konzert mit Werken von Bernd Alois Zimmermann, Béla Bartók und Richard Strauss. Der Pianist Denys Proshayev war ein souveräner Solist.

Gewagt konzipiert und klug kombiniert war das Programm des jüngsten, zweiten Philharmonischen Konzerts. Der vorzügliche Gastdirigent Peter Hirsch zeigte sich als Spezialist für die neuere Musik, insbesondere von dem vor 100 Jahren in Bliesheim bei Erftstadt bei Köln geborenen Bernd Alois Zimmermann (1918-1970). Den Rahmen bildeten zwei seiner Meisterwerke.

Das eine war die noch recht traditionelle, in der ersten Fassung von 1951 besonders eindringliche „Sinfonie in einem Satz“. Sie wirkte hier wie eine extrem engagierte und aufgeregte Diskussion über das nach dem Zweiten Weltkrieg auch in moralischer Hinsicht zerstörte Europa. Das andere war die übermütige, äußerst geschickt fast ausschließlich aus musikalischen Zitaten vom 16. bis zum 20. Jahrhundert zusammengesetzte „Musique pour les soupers du Roi Ubu“ („Tafelmusik für König Ubu“, 1966).

Darin geht es nach dem entsprechenden Schauspiel von Alfred Jarry um die blutrünstige Machtübernahme eines Spießbürgers. Im letzten Satz „Marche du décervellage“ („Enthirnungs-Marsch“) wird das „Klavierstück IX“ von Karlheinz Stockhausen zitiert, der darin 283 mal angeschlagene Akkord hier in 631-facher Wiederholung, angefeuert vom „Marche au supplice“ („Gang zum Richtplatz“) aus der „Symphonie phantastique“ von Hector Berlioz und dem „Walkürenritt“ aus dem Musikdrama „Die Walküre“ von Richard Wagner. Leider wurde in der Philharmonie Mercatorhalle auf den vom Komponisten gewünschten Conférencier verzichtet, der kurze satirische Texte „über die jeweilige politische oder kulturelle Situation des betreffenden Ortes oder Landes“ vortragen soll. Es wurde aber auch so eine intensive Aufführung. Bei den beiden Werken von Zimmermann kam auch die von Marcus Strümpe gespielte, kraftvolle Eule-Orgel des Konzertsaals zur Geltung.

Dazwischen kamen zwei Repertoirewerke, bei denen Peter Hirsch seine dirigentische Ausstrahlung weniger ausspielte. Das eine war das altersmilde und durchsichtige Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3, in dem Béla Bartók 1945 im amerikanischen Exil und kurz vor seinem Tod nostalgisch zurück blickte. Der souveräne Solist war der vor 40 Jahren im weißrussischen Brest geborene, nicht nur in Duisburg bereits bekannte Denys Proshayev. Nur den komplexen Rhythmen im Final-Satz waren der Pianist und die Duisburger Philharmoniker nicht ganz gewachsen. Mit seiner etwas lang geratenen Zugabe, Präludium und Fuge cis-Moll BWV 849 aus dem ersten Teil des Wohltemperierten Klaviers von Johann Sebastian Bach, schlug Proshayev einen sinnvollen Bogen zu den zum Teil neobarocken Strukturen des Bartók-Konzerts.

Das andere war die ein halbes Jahrhundert zuvor im Kölner Gürzenich uraufgeführte, recht kecke Tondichtung „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ op. 28 von Richard Strauss. Die Philharmoniker profilierten sich hier mit glanzvoller Virtuosität an allen Pulten, auch wenn der eine oder andere Rhythmus prägnanter hätte sein können.

Im nächsten, dritten Philharmonischen Konzert am 7. und 8. Oktober ist wieder der vorübergehende Chefdirigent Axel Kober an der Reihe. Er dirigiert „Con Brio“ (2008) von Jörg Widmann, eine elfminütige Parforcejagd durch die siebte und achte Sinfonie von Ludwig van Beethoven, das ironisch-pathetische Konzert für Orgel (Günter Rost), Streicher und Pauken g-Moll von Francis Poulenc und nach der Pause das entsprechende Original, nämlich eben Beethovens gleichfalls ziemlich ironische Sinfonie Nr. 8 F-Dur op. 93. Karten gibt es im Internet unter karten@theater-duisburg.de.