Duisburg: Peter Bursch präsentiert Bröselmaschine in der Cubus-Kunsthalle

Ausstellung : 50 Jahre „verbröselte“ Musikgeschichte

Die Cubus-Kunsthalle zeigt ab Freitag die Ausstellung „50 Jahre Bröselmaschine“. Peter Bursch, der „Gitarrenlehrer der Nation“, war selbst an der Konzeption der Schau beteiligt.

„Wir fingen in einer Zeit an, als Vieles im Umbruch war. Wir wollten nicht so werden wie unsere Eltern, wir wollten neue Lebensformen ausprobieren und uns natürlich musikalisch keine Grenzen setzen“, beschreibt Peter Bursch das Lebensgefühl der späten 60er Jahre in seiner Einleitung zur Ausstellung „50 Jahre Bröselmaschine“, die am Freitag Abend in der Cubus-Kunsthalle eröffnet wird.

Wie andere Bands, die ein rundes Jubiläum feiern können, bemüht auch Peter Bursch „Stg. Pepper“ der Beatles und überschreibt die Ausstellung mit dem umgewandelten Zitat „It was 50 years ago today“. Während die Beatles längst Geschichte sind, bröselt es in der „Kraut-Rockszene“ immer noch. Als die Macher der WDR-Reihe „Rockpalast“ sich jüngst dem Thema Kraut-Rock widmete, trommelte Peter Bursch auch Akteure der ersten musikalischen Bandjahre zusammen. Hierzu zählte damals auch der erst vor wenigen Tagen verstorbene Duisburger Künstler Willi Kissmer, der mit Peter Bursch die Band gegründet, zahlreiche Songs mit ihm komponiert und zehn Jahre lang in der Band Gitarre gespielt hatte. Ausschnitte des Konzerts werden ebenfalls gezeigt.

Die Geschichte der „Bröselmaschine“ verzeichnet Höhen und Tiefen. Gefragt nach seinem schönsten Erlebnis muss Peter Bursch erst einmal überlegen, weil es scheinbar viele waren. „Das Konzert bei den Essener Songtagen mit Frank Zappa“, sagt er schließlich. Überhaupt bildet dieses Folk- und Rock-Festival einen Meilenstein der Bandgeschichte. „Nachdem wir dort gespielt hatten, bot uns Rolf-Ulrich Kaiser einen Plattenvertrag an.“ Kaiser war damals einer der wichtigsten Förderer der deutschen Rockszene. Und das für die Bröselmaschine mit nachhaltigem Erfolg: „In den USA ist der Begriff ,Kraut-Rock’ bis heute bekannt.“ Dass dies so ist, sei der Band bei einem Konzert in San Francisco klar geworden.

Fragt man Peter Bursch nach seinem schlimmsten Erlebnis, erinnert er sich an das Festival auf der Insel Fehmarn. Damals sind die Veranstalter mit der Kasse abgehauen und die Hells Angels hatten die Bühne in Brand gesteckt. „Wir konnten deshalb nicht mehr spielen.“ Tröstlich: Die Band lernte Jimi Hendrix hinter der Bühne kennen.

Der Name „Bröselmaschine“ ist auch verbunden mit dem Kampf der Kruppianer um den Erhalt ihres Werkes in Rheinhausen. Auf dem Plakat fürs Solidaritätskonzert im Jahr 1988 unter dem Titel „Auf-Ruhr“ steht der Bandname neben anderen Größen der damaligen Musik-Szene.

Gemeinsam mit Elisabeth Höller konzipierte Peter Bursch die Ausstellung mit alten Plakaten, Zeitungsausschnitten, Bandutensilien wie das große Banner, das in den Anfangsjahren bei jedem Konzert über der Bühne prangte. Dazu vergrößerte Kopien von Fotos und Plattencovern. Ein Raum widmet die Ausstellung auch den Instrumenten der Band; so die erste Hammond-Orgel, auf der Helge Schneider spielte, die alte Gitarren von Willi Kissmer und Peter Bursch.

Angesprochen auf seine musikalischen Anfänge erinnert sich Peter Bursch daran, wie er mit Willi Kissmer nach Düsseldorf zum Musikhaus Jörgensen gefahren ist. „Dort gab es Gibson-Gitarren. Wir standen am Schaufenster und drückten uns die Nase platt!“. Und wenn sie genug geträumt hatten, fuhren sie zurück nach Duisburg und spielten auf ihren Akustik-Gitarren, die sie über eingebaute Tonabnehmer mit Hilfe alter Röhrenradios verstärkten. „Unsere erste Platte haben wir mit geliehen Instrumenten einspielt“, sagt der 69-Jährige Musiker, der seit seinem Gitarrenbuch gerne auch als „Gitarrenlehrer der Nation“ bezeichnet wird.

Die „Bröselmaschine“ ist für Peter Bursch Teil einer großen Musikerfamilie. Ob BAP („Erst war BAP unsere Vorgruppe, später wir die von BAP!“) oder die Toten Hosen, Grönemeyer oder Lindenberg - man kennt sich und ist irgendwie direkt oder indirekt miteinander „verbröselt“.

Auf einer Fotowand sind die Bandmitglieder, die im Laufe der Jahre schon ihren Beitrag zur musikalischen Bandgeschichte geliefert haben, verewigt. Damit ehrt die Ausstellung sie alle. Einige sind verstorben, andere wird man vielleicht am Freitag dort treffen.

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