Duisburg: Pendler sehnen Ende der Sperrung herbei

Strecke zwischen Duisburg und Essen : Pendler sehnen Ende der Sperrung herbei

Halbzeit bei der Sperrung der Bahnstrecken zwischen Duisburg und Essen: Fahrgäste sind teils doppelt so lang wie üblich unterwegs. Tipps gibt es vom Serviceteam.

„Normalerweise brauche ich rund eine Stunde von mir zu Hause bis zur Uni in Bochum“, berichtet Tutku Ebru. „Im Augenblick bin ich aber ganz oft doppelt so lang unterwegs.“ Die Duisburger Studentin steht an der extra eingerichteten Haltestelle am Ostausgang des Hauptbahnhofes. Von hier aus starten alle Busse, die während der zweiwöchigen Sperrung der Bahnstrecke ersatzweise Duisburg mit Mülheim und Essen verbinden. Die erste Sperrungswoche ist überstanden. „Ich bin froh, wenn alles wieder normal läuft“, sagt Studentin Ebru. „Das ist auf die Dauer schon sehr anstrengend.“

Die Bahn hat sich extra die Herbstferien als Zeitraum für diese Maßnahme ausgeguckt, weil dann erfahrungsgemäß weniger Pendler unterwegs sind. Die im Frühjahr begonnenen Arbeiten auf diesem viel befahrenen Streckenabschnitt der Bahn sollen nun fortgesetzt werden. Signalanlagen für das neue elektronische Stellwerk in Duisburg und neue Weichen werden eingebaut sowie Bahnsteige und Teile der Oberleitung erneuert. Wichtigstes Einzelprojekt war aber das Einsetzen einer neuen Straßenbrücke auf Mülheimer Stadtgebiet, was bereits erfolgt ist.

Die roten Fußspuren weisen den Weg zu den Ersatzbussen. Foto: FUNKE Foto Services/Daniel Helbig

Trotz der Herbstferien ist der Strom der Reisenden in Richtung Essen auch am Montagmorgen ein beachtlicher. Busse pendeln daher den ganzen Tag im Zehn-Minuten-Takt. Einer fährt die Strecke der S-Bahn-Linie 1 mit Halt in Mülheim-Styrum, Mülheim-Hauptbahnhof, Essen-Frohnhausen und Essen-West ab. Er benötigt oft knapp eine Stunde bis zum Zielort Essen Hauptbahnhof. Der Bus, der den Regionalexpress 1 ersetzt und nur am Mülheimer Hauptbahnhof Zwischenstopp macht, ist etwa 15 Minuten schneller unterwegs.

„Ich bin beruflich für zwei Wochen hier in Duisburg. Ich muss dann häufig noch weiter nach Mülheim“, erzählt Veit Ullmann aus Berlin. In den ersten Tagen der Sperrung tat er sich schwer, die richtige Abfahrthaltestelle des Ersatzbusses zu finden. „Die Beschilderung hätte noch etwas auffällig sein können“, sagt Ullmann. Inzwischen findet er sich aber zurecht.

Das liegt auch an Efran Korun und seinen Kollegen, die im und rund um den Hauptbahnhof Position bezogen haben. Korun gehört zum Team der DB-Hilfskräfte, die in ihren knallroten Bahn-Westen kaum zu übersehen sind. Er steht an der Haltestelle, wo die Busse aus Essen ankommen. „Viele denken, dass sie hier auch in Richtung Essen wieder abfahren. Doch es geht da drüben auf der anderen Straßenseite los“, sagt Korun und zeigt auf den Startpunkt. Schon fragt ihn der nächste Pendler um Hilfe.

Im Bahnhof hat die Bahn einen rollenden Infostand mitten im Tunnel zu den Bahngleisen aufgestellt. 20 bis 40 Hilfesuchende kämen pro Stunde, sagt die junge Hilfskraft. Die meistgestellten Fragen lauten: Von wo fahren die Ersatzbusse los? Wie lange dauert das noch mit der Sperrung? Wie erreiche ich von hier mein Ziel? Erstere Frage beantworten auch die roten Fußstapfen, die im Hauptbahnhof auf den Boden geklebt sind und den Weg zur Ersatzhaltestelle weisen.

„Es wird Zeit, dass es wieder normal läuft“, sagt Studentin Tutku Ebru. „Vor allem die Rückfahrt nervt. Die Busse von Essen nach Duisburg sind am Abend oft total überfüllt.“ Ende dieser Woche sollen die Arbeiten abgeschlossen sein und die Bahnstrecke am 29. Oktober ab 4 Uhr früh wieder befahrbar sein.

Die Bahn zieht zur Streckensperrung zwischen Duisburg und Essen eine positive Halbzeitbilanz. „Wir sind sehr zufrieden. Die Abläufe haben sich inzwischen eingespielt. Viele Pendler wussten aber diesmal im Vorfeld Bescheid“, so Bahnsprecher Dirk Pohlmann. Hunderte Arbeiter seien derzeit zeitgleich auf dem gesperrten Streckenabschnitt im Einsatz. Auf Duisburger Stadtgebiet laufen derzeit Kabelarbeiten. Zudem würden Probebohrungen durchgeführt, um vor dem Aufbau neuer Signalanlagen Kampfmittel aufzuspüren.

Natürlich habe er gehört, dass gerade zu den Stoßzeiten im Berufsverkehr einige der Ersatzbusse Verspätungen haben und teils auch sehr voll sind. „Wir haben aber für diese Fälle immer noch ein paar Extrabusse in der Hinterhand.“ Alle Arbeiten auf diesem Teilstück werden bis Ende der Woche nicht abgeschlossen sein. In den Sommerferien 2019 werde die Strecke erneut für sechs Wochen gesperrt. Dann beginnt das Prozedere von vorn.

(RPN)
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