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Duisburg: Paul Mülhens war Bürgermeister in turbulenten Zeiten

Duisburger Geschichte & Geschichten : Ein Bürgermeister in turbulenten Zeiten

Der Erste Weltkrieg, der Kapp-Pusch und die Hamborner „Rote Armee“ bestimmten die Biographie des Hamborner Oberbürgermeisters Paul Mülhens. Die Geschichte eines abwechslungsreichen Lebens.

Im Stadtarchiv werden Archivalien aufbewahrt, die eine abenteuerliche Biographie lebendig machen. Mit dem Namen Mülhens verbinden viele allenfalls den Markennamen 4711, „Echt Kölnisch Wasser“. Dass der ehemalige Hamborner Oberbürgermeister Paul Mühlens (1875–1926) einem Zweig der Kölner Unternehmerdynastie entstammte, deren Name auch eng mit dem berühmten Hotelbetrieb Petersberg, der Drachenfels-Bergbahn und der Mehl-Mülhens-Stiftung – Gestüt Röttgen verbunden ist, wissen nur wenige.

Paul Mülhens wählte allerdings keine unternehmerische, sondern eine akademische Verwaltungskarriere, so Stadtarchivar Michael Kanther. Der Jurist wurde 1906 Beigeordneter im damals selbständigen Hamborn. Mülhens baute die Sozialverwaltung der rasant wachsenden Industriestadt auf, deren Bevölkerung in elf Jahren (1900–1910) von 32.597 auf 101.703 explodierte. Paul Mülhens heiratete am 9. April 1907 Ilse Schmitz, die ebenfalls aus einer wohlhabenden Kölner Familie stammte. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor.

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1914 leis­te­te Mül­hens Kriegs­dienst als Offizier zu­nächst an der West­front, dann auf dem Bal­kan und zu­letzt (1918) bei den Be­sat­zungs­trup­pen in der Ukrai­ne.

Mül­hens’ Ein­heit wurde auf fran­zö­si­sche In­ter­ven­ti­on hin im De­zem­ber 1918 in Odes­sa fest­ge­setzt, im März 1919 mit an­de­ren deut­schen Ein­hei­ten per Schiff nach Sa­lo­ni­ki ge­bracht und dort bis Ju­li 1919 in­ter­niert. Glücklicherweise konnte seine Frau Ilse auf dem Postweg die Kommunikation sicherstellen. Ilse Schmitz berichtete ihrem Mann vom Rücktritt des Hamborner Bürgermeisters. Was lag da näher als eine Bewerbung um das Hamborner Bürgermeisteramt abzusenden. Mit Unterstützung seiner Frau gelang dies. Kurz darauf konnte er nach Ham­born zu­rückkehren. Dem der Zentrumspartei nahestehenden Mülhens wurde in der Folge das Oberbürgermeisteramt der Stadt Hamborn übertragen. Eine extrem herausfordernde Aufgabe für den erfahrenen Verwaltungsjuristen. Hamborn stand im Krisenmodus.

 Hamborns ehemaliger Oberbürgermeister Paul Mülhens.
Hamborns ehemaliger Oberbürgermeister Paul Mülhens. Foto: Stadtarchiv Duisburg

Die Auswirkungen des Versailler Vertrag waren wegen der hohen geforderten Kriegsentschädigungen auch in Hamborn spürbar. Radikale Kräfte führten zur Polarisierung. Im März 1920 bedrohte der „Kapp-Putsch“ in Berlin die junge Weimarer Republik. Nach dem misslungenen Putsch eskalierte der Konflikt im Ruhrgebiet weiter. Mehrere tausend Arbeiter bewaffneten sich zur „Roten Ruhrarmee“. Diese konnte für kurze Zeit in den Kämpfen die Oberhand gewinnen. Gut zwei Wo­chen stand Ham­born un­ter ihrer Herr­schaft.

Immerhin beließ sie den Oberbürgermeister Paul Mül­hens im Amt, sei­ne Amts­füh­rung und die der Bei­ge­ord­ne­ten wurde allerdings überwacht. Die Versorgung der Bevölkerung war ohne Zusammenarbeit mit der Verwaltung nicht organisierbar. „Der von Paul Mül­hens und den lo­ka­len Füh­rern der Ro­ten Ar­mee ge­fun­de­ne mo­dus vi­ven­di bei der Auf­recht­er­hal­tung der öf­fent­li­chen Si­cher­heit in Ham­born be­wahr­te die Stadt vor Plün­de­run­gen, wie sie an­de­ren Orts im Ruhr­ge­biet vor­ka­men“, so Stadtarchivar Kanther.

Am 3. April 1920 wurde die „Rote Ruhrarmee“ von Reichswehrtruppen aus Hamborn vertrieben. Oberbürgermeister Mül­hens stand noch bis zum 17. Juli 1920 an der Spit­ze der Stadt und schied dann nach vier­zehn­jäh­ri­ger Tä­tig­keit aus der Ver­wal­tung der Stadt Ham­born aus.

Er übernahm das Amt des Präsidenten des neu gegründeten Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk (SVR), heute Regionalverband (RVR). Die großräumige Regionalplanungsvision sollte später Grundlage für die überörtliche Planung von regionalen Grünzügen, dem Ruhrschnellweg und den Revierparks werden.

Paul Mülhens starb im Alter von 50 Jahren im März 1926 im Sanatorium in Schönberg an einer fortgeschrittenen Lungenerkankung, de­ren An­fän­ge er sich wäh­rend des Ersten Weltkrieges zu­ge­zo­gen hat­te. Die Bei­set­zung auf dem Fried­hof Me­la­ten in Köln fand am 18.3.1926 statt.