Duisburg: Oskar Schlemmer im Lehmbruck-Museum

Neue Ausstellungen Lehmbruck-Museum : Der Geist des Aufbruchs

Gleich mehrere Ausstellungen sind zur Zeit im Lehmbruck-Museum zu sehen. Jetzt kommen noch „Oskar Schlemmer: 100 Jahre Bauhaus“ und eine neue Sammlungspräsentation „Meisterwerke des Expressionismus“ hinzu.

Mit hoher „Schlagzahl“ manövrieren derzeit Direktorin Söke Dinkla und ihr Team ihr anspruchsvolles Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm durch das Lehmbruck-Museum – und das durchaus erfolgreich sowohl hinsichtlich Akzeptanz als auch Resonanz. Da ist zuvorderst die viel beachtete Ausstellung, die keine Ausstellung ist, „Jochen Gerz: The Walk“. Da ist seit vergangenem Samstag die Ausstellung „Vor Ort 2018“ der Interessengemeinschaft Duisburger Künstler (die RP berichtete), ebenfalls nebst Begleitveranstaltungen, darunter „Kunst und Kaffee“. Hinzu kommen weitere Veranstaltungsreihen wie die „Lehmbruck Lectures“ und die „PlastikBar“ oder „Kunst im Doppelpack“ und „Konzert im Museum“, um nur einige zu nennen. Und dann ist da noch die Beteiligung an der Kampagne „Erklärung der Vielen“ (auch darüber berichtete die RP). Schlussendlich wurden jetzt noch die Kabinettausstellung „Oskar Schlemmer: 100 Jahre Bauhaus“ als auch die Sammlungspräsentation „Meisterwerke des Expressionismus“ eröffnet.

„Der Geist des Aufbruchs verbindet die Künstler des Expressionismus und des Bauhauses miteinander“, steht auf der Einladungskarte zu der Doppelausstellung. „Neben Meisterwerken aus der hochkarätigen Expressionismus-Sammlung des Lehmbruck Museums würdigt eine Kabinettausstellung mit Oskar Schlemmer einen der vielseitigsten und originellsten Köpfe des Bauhauses“, heißt es weiter.

Oskar Schlemmers Werk „Fünfzehnergruppe“ aus dem Jahr 1929. . Foto: Bernd Kirtz

Die „Schlemmer“-Ausstellung ist Teil der Jubiläumsaktivitäten „100 Jahre Bauhaus im Westen“, einem Projekt des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen zusammen mit den Landschaftsverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe. Damit gehört sie zu insgesamt rund 40 Veranstaltungen, die bis ins Frühjahr 2020 reichen.

Den wohl größten Aufmerksamkeitswert der „Schlemmer“-Werkschau neben weiteren grafischen, malerischen und skulpturalen Arbeiten des Künstlers erzielt sein imposantes Gemälde von der „Fünfzehnergruppe“. Dieses 1929 erschaffene Schlüsselwerk Schlemmers steht auch im Zentrum der Ausstellung. Es ist eines seiner letzten Arbeiten, die am Bauhaus in Dessau entstand. Der vielfigurige Entwurf von Aktfiguren in unterschiedlichen gymnastisch-tänzerischen Bewegungen zeichnet sich durch Dynamik im Zusammenspiel von Figur und Raum aus. Schlemmer, der von 1921 bis 1929 im Bauhaus wirkte, ist 1888 in Stuttgart geboren und 1943 in Baden-Baden gestorben.

Ebenso wie die „Schlemmer“-Ausstellung, betreuen die Kustodin für Klassische Moderne und Wilhelm Lehmbruck, Jessica Keilholz-Busch, und die Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Bettina Dunker, gemeinsam auch die Sammlungspräsentation „Expressionismus“. Diese Ausstellung zeigt bedeutende Künstler aus der Lehmbruck-Sammlung  wie Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, August Macke, Franz Marc, Otto Mueller, Emil Nolde oder Max Pechstein.

Die Sammlungspräsentation beleuchtet zwei Aspekte dieser Stilrichtung: zum einen Aktdarstellungen, zum anderen Farbe als künstlerisches Ausdrucksmittel. Zu sehen sind einerseits auf Reisen an die Moritzburger Teiche und nach Fehmarn entstandene Akte, darunter „Freilicht“ von Max Pechstein 1910, die in die unberührte Natur eingebunden sind. Andererseits spielt der Einsatz von Farbe sowohl bei den sogenannten „Brücke“-Künstlern wie Kirchner und Mueller beispielsweise, als auch bei den Künstlern des „Blauen Reiters“ wie Macke und Marc zum Beispiel, eine bedeutende Rolle. Die Farbe hat für sie nämlich einen Eigenwert und damit Vorrang vor der Darstellungsfunktion.

Von der Künstlergemeinschaft „Brücke“ gibt es darüber hinaus noch interessante Arbeiten in Vitrinen zu sehen, nämlich Holzschnitte von Künstlern, die Werke anderer Künstler zeigen – Beispiel: Kirchner zeigt Kunst von Heckel als auch Kunst von Pechstein. „Alles unser“, sagt Söke Dinkla voller Stolz. Schön, dass sie diese und andere Schätze des Lehmbruck Museums wie auch schon früher, jetzt erneut der Öffentlichkeit zugänglich macht.

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