Duisburg: Ortstermin für ein neues soziokulturelles Zentrum

Freie Kulturszene : Ringen um soziokulturelles Zentrum

Ein konkreter Vorschlag der freien Kultur-Szene für ein neues Zentrum liegt auf dem Tisch. Vielleicht werden die Verantwortlichen in einem leerstehenden Ladenlokal am Stapeltor 6 fündig.

Seit Montag ist ein ehemaliger Ladenleerstand auf der Münzstraße 47 in der Duisburger Altstadt als „Interkultureller Projektraum“ Festivalzentrum der dritten und letzten Woche des Kulturfestivals Duisburger Akzente. Bis Sonntag werden dort noch rund ein Dutzend Veranstaltungen in Form von Diskussionen und Vorträgen, Filmen, Konzerten und Theaterprojekten dann stattgefunden haben, um die Notwendigkeit eines Soziokulturellen Zentrums in Duisburg nachzuweisen und zugleich dessen Existenz in Form eines simulierten Planspiels vorwegzunehmen.

Auftakt der Aktionswoche, die von der Initiative „DU erhält(st) Kultur“ inhaltlich verantwortet wird und zu der acht Gruppierungen gehören, darunter die Kollektive „Be Neighbours“ und „Soundsalat“, der Verein „Kultursprung“ und der Zusammenschluss „Cooperative Duisburg“, der Stadtteilladen „Syntopia“ und der Kunstraum „SG 1“ sowie die Produktionsgemeinschaft „Theater Arbeit Duisburg“ und der Ruhrorter Veranstaltungsort „Lokal Harmonie“, war die Eröffnung der Ausstellung „15 Jahre Freiheitskämpfe in Duisburg“. Diese dokumentiert anhand eines Zeitstrahls eindrucksvoll alle dazugehörigen Ereignisse und Aktivitäten in der Zeit von 2005 bis heute. Dazu gehören als Beispiele die Gründung des Vereins „Mustermensch“ wie der Freiraumkampagne „DU it yourself“, die verschiedenen „Nachttanzdemos“ und der Kongress „Recht auf Stadt“, aber auch der Beginn eines Kulturentwicklungsplanes (KEP) für die Stadt Duisburg und alle weiteren Maßnahmen dazu.

Sowohl der im Rat der Stadt verabschiedete KEP, als auch die erste Duisburger Kulturkonferenz sprechen von der Dringlichkeit zur Errichtung eines Soziokulturellen Zentrums in der Stadt. Die eigens dafür gegründete Ermöglichungsgruppe, der sowohl Vertreter der freien Szene wie der Stadt angehören, favorisierten zunächst die 2005 als Soziokulturelles Zentrum einst eröffnete „Alte Feuerwache“ in Hochfeld. Im Dezember vergangenen Jahres kam dann das überraschende Aus für diesen Standort. Seitdem suchte die „Ermöglichungsgruppe“ nach einer räumlichen Alternative. Der Duisburger Christian Otto, Eigentümer der Immobilie Stapeltor 6 in der Duisburger Innenstadt, verfolgt seit einiger Zeit den öffentlichen Diskurs in dieser Sache. Otto, Jahrgang 1956, steht dem Vorhaben der Initiative positiv gegenüber, weil er zu seiner Berliner Zeit im „Drugstore“, dem ältesten selbstverwalteten Jugendzentrum der Stadt, einst mal gearbeitet hatte. Vor kurzem nahm er deshalb Kontakt zu „DU erhält(st) Kultur“ auf und unterbreitete der Gruppe das Angebot, die besagte Immobilie in ihrem Sinne zu nutzen. Er, Otto, habe das Haus vor einem Jahr gekauft und es an private und gewerbliche Mieter, wie den „Pro Biomarkt“ beispielsweise, abgegeben. Früher wäre dort auch noch das Textilgroßhandelsgeschäft Decher untergebracht gewesen, berichtete er.

Und um genau diese Räume ginge es nun bei dem temporären beziehungsweise dauerhaften Vermietungsgeschäft: Im ersten Obergeschoss befindet sich ein 400 Quadratmeter großer Eingangsbereich erreichbar über ein Treppenhaus, im Zwischengeschoss darunter ein 200 Quadratmeter großer Nebenbereich und im Tiefparterre ein 250 Quadratmeter großer (möglicher) Veranstaltungsbereich. Für die anwesenden Vertreter von „DU erhält(st) Kultur“ seien diese Räumlichkeiten äußerst interessant und für eine vorläufige wie möglicherweise dauerhafte Nutzung geeignet. Jetzt gehe es um das Votum der Stadt: zum einen hinsichtlich der finanziellen Mittel, die die Stadt für Miete, Mietnebenkosten und Betriebskosten aufzubringen hätte, weil sie, die Initiative, in der Erprobungsphase sowohl die Konzepterstellung als auch die Veranstaltungsplanung und Veranstaltungsdurchführung über die erhaltenen Fördergelder des Fonds Soziokultur finanzieren würde; zum anderen hinsichtlich des behördlichen Genehmigungsverfahrens vor allem in Sachen Barrierefreiheit, Versammlungsstätten-Verordnung und Verkehrssicherungspflicht durch die städtische Bauordnung und das Ordnungsamt.

Diese Fotocollage erinnert an das mittlerweile legendäre Jugendkulturzentrum Eschhaus, das 1987 abgerissen wurde. Foto: Veranstalter

Anlass zur Hoffnung auf einen „Durchbruch in den Verhandlungen mit der Stadt Duisburg“ gebe es durchaus, sagte Luise Hoyer von „Kultursprung“. - Vielleicht zeichnen sie ja bereits nach der Podiumsdiskussion am heutigen Abend neue Entwicklungen ab. Das Motto des Abends klingt verheißungsvoll: „Ermöglichen – so geht das. Teil 3: Na siehste, geht doch!“.