Duisburg: Nicolas Altstaedt gewinnt Duisburger Musikpreis

Musikpreis : Auszeichnung für einen musikalischen Brückenbauer

Cellist Nicolas Altstaedt ist Träger des diesjährigen Musikpreises. Er fordert seine Musikerkollegen auf, aus den Konzertsälen herauszukommen.

(hod) Der diesjährige Duisburger Musikpreis ging am Sonntag an den Cellisten Nicolas Altstaedt. Seit 1990 wird jedes Jahr der Musikpreis der Stadt Duisburg in Verbindung mit der Köhler-Osbahr-Stiftung verliehen, seit 2017 an vielversprechende jüngere Künstler. Gestern ging die diesjährige Auszeichnung an den 1982 geborenen deutsch-französischen Cellisten Nicolas Altstaedt, der in der Saison 2016/17 Duisburgs „Artist in Residence“ (Gastkünstler) war (die RP berichtete). Eine Aufführung aller Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach im Lehmbruck-Museum musste damals Fragment bleiben, soll aber im Juni 2019 als Dank für den Musikpreis nachgeholt werden.

Jetzt im Theater spielte Nicolas Altstaedt schon mal Bachs Suite Nr. 1 G-Dur BWV 1007, mit der ihm eigenen Mischung aus Tiefe und Leichtigkeit. Danach  im öffentlichen Gespräch mit dem Kulturjournalisten Holger Noltze betonte der Musiker, für ihn sei das Sprechende in der Musik ebenso wichtig wie das Singende. Überhaupt versteht er als Musiker seine Berufung als ein Brückenbauer: Durch seine gemischte Herkunft sieht er besonders klar, dass Musik und überhaupt die Künste auch Menschen mit verschiedener Sprache verbinden und so zum Frieden beitragen können. Er habe die Erfahrung gemacht, dass man bei den Kindern der Welt ansetzen müsse: „Die sind noch offen für alles, egal wo sie herkommen.“ Außerdem sollten Musiker „noch mehr rausgehen aus den Konzertsälen und überall zeigen: Klassische Musik ist für alle da.“

Ein besonderer Reiz des Vormittags war der klingende Rahmen, nämlich die kollegialen Grüße durch Mitglieder der Duisburger Philharmoniker. Der Solo-Oboist Mikhail Zhuravlev, die Geigerin Johanna Klose, der Erste Solobratscher Mathias Feger und die Cellistin Anja Schröder spielten den ersten Satz aus dem Oboenquartett F-Dur KV 370 von Wolfgang Amadeus Mozart sowie jenes Oboenquartett „Phantasy“ op. 2, mit dem der 19 Jahre jung Benjamin Britten 1932 Furore machte. Das wirkte ebenso präzise wie klangschön.

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