Duisburg: Neue Professoren an der Uni

Neues Trio an der Uni : Sport und Physik für den wachen Geist

Viele junge Professoren aus verschiedenen Disziplinen haben in letzter Zeit an der Universität Duisburg-Essen ihre Lehr- und Forschungstätigkeit aufgenommen. Hier eine interessante Auswahl der Neuzugänge.

Das Motto der Universität Duisburg Essen (UDE) heißt „Offen im Denken“. Was das konkret heißen kann, zeigt sich, wenn man die Kurzbiografien der Wissenschaftler liest, die in letzter Zeit ihre Lehr- und Forschungstätigkeit aufgenommen haben. Hier drei Beispiele:

Prof. Dr. Dmitry Turchinovich: Sie sind hochdynamisch: Im billionstel Teil einer Sekunde spielen sich die elementaren mikroskopischen Prozesse im Inneren von Festkörpern ab. Was dabei mit den Elektronen, Ionen und Spins passiert und wie sich dies auf die elektrischen, optischen, magnetischen und mechanischen Materialeigenschaften auswirkt, erforscht Prof. Dr. Dmitry Turchinovich (40), der jetzt als Professor für Experimentelle Physik an die UDE berufen wurde. Für seine Arbeit benutzt er überwiegend Terahertzstrahlung. Terahertz (THz), elektromagnetische Wellen, oszillieren genauso schnell wie die zu untersuchenden Prozesse und ermöglichen einen Blick auf die Ultrakurzzeitdynamik des Innenlebens eines Festkörpers. Die Skala der Zeit, in der sich die Vorgänge vollziehen, liegt im Bereich der Pikosekunden oder sub-Pikosekunden, also einem Millionstel vom Millionstel einer Sekunde.

Prof. Dr. Dmitry Turchinovich lehrt Experimentelle Physik. Foto: Frank Preuss (UDE)

Turchinovich studierte bis 1999 Physik und Elektrotechnik an der St. Petersburg State Electrotechnical University und dem Ioffe Institut, Russland. Dann ging er an die Technische Universität Braunschweig (1999 bis 2001) und die Universität Freiburg (2001 bis 2004). Nach seiner Promotion (2004) forschte er mehrere Jahre in Europa: 2004 bis 2006 an der Universität Utrecht und 2006 bis 2012 an der Technischen Universität Dänemark. 2012 übernahm er die Leitung einer Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Polymerforschung, Mainz. Seine Forschung wurde mehrfach ausgezeichnet.

Prof. Dr. Nils Weimann: Riesige Datenpakete, superschnell drahtlos übertragen, hochauflösende Radartechnik für den autonomen Verkehr: Terahertzkomponenten gehört die Zukunft. Mit ihnen befasst sich Nils Weimann (48) als neuberufener Professor für Halbleitertechnologie an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften. Zugleich hat er den Lehrstuhl für Bauelemente der Höchstfrequenztechnik übernommen. Schwerpunkt seiner künftigen Forschung an der UDE sind die Bauelemente der Höchstfrequenztechnik. Mit ihnen sollen Frequenzbereiche erreicht werden, die mit gegenwärtig verfügbaren Technologien noch nicht abgedeckt werden können. Insbesondere für den Bereich zwischen 300 und 3000 Gigahertz (GHz) fehlen Komponenten, die kostengünstig industriell hergestellt werden können. Weimann setzt auf sogenannte III-V Halbleitermaterialien, etwa Indiumphosphid (InP), das sich für höchste Frequenzen besser eignet als das übliche Silizium. Voraussetzung ist allerdings, dass die Bauelemente kleiner sind als 100 Nanometer.

Weimann studierte Physik an den Universitäten Freiburg (1990 bis 1992) und Stuttgart (1992 bis 1996) und schloss sein Studium 1996 mit Auszeichnung ab. Nach der Promotion (1999) an der Cornell University (USA) forschte er 13 Jahre für die Bell Laboratories, der Entwicklungsabteilung von Nokia: bis 2002 in den Abteilungen Höchstfrequenztechnik und Halbleiterforschung, danach als Leiter einer Forschergruppe zur Verbindungshalbleiter-Elektronik. Bevor er an die UDE kam, war er am Berliner Ferdinand-Braun-Institut Wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Prof. Dr. Michael Pfitzner: Ein gesunder Geist steckt in einem gesunden Körper. Das ist das Motto des Professors für Sportpädagogik und -didaktik an der Fakultät für Bildungswissenschaften. Er untersucht, wie Bewegung das Lernen unterstützt. Zudem möchte er den Einsatz digitaler Medien im Sportunterricht und das Handeln von Lehrkräften bei Sportunfällen professionalisieren. Damit Kinder und Jugendliche sich in ungewohnten Situationen zurechtfinden, müssen sie sich gedanklich aufs Wesentliche konzentrieren und relevante Infos abspeichern können. Dies gelingt umso besser, wenn sie sich dabei bewegen und dabei geistig herausgefordert werden, so Pfitzner. An der UDE wird er erforschen, wie diese Lernförderung genau abläuft. Angehenden Sportlehrkräften wird er zeigen, wie sie inklusionspädagogische und -didaktische Elemente in ihrem Unterricht nutzen können.

Prof. Dr. Michael Pfitzner ist als Sportpädagoge engagiert. Foto: Frank Preuss

Pfitzner studierte von 1992 bis 1998 Sport, Französisch und Sozialwissenschaften auf Lehramt an der Universität Münster. Nach Promotion (2001) und Referendariat (2002) lehrte er an einem Gymnasium und den Universitäten Wuppertal und Münster. 2015 war er Sport-Referent am Landesinstitut für Schule NRW. Bevor er an die UDE kam, vertrat er eine Sportpädagogik-Professur 2016/17 an der Universität Kiel.

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