Duisburg: Neue A40-Brücke - Startschuss für das Mega-Projekt am Rhein

Deutschlands längste Schrägseilbrücke : Neue A40-Brücke in Duisburg – Startschuss für das Mega-Projekt

Mit dem ersten Spatenstich für die neue A 40-Rheinbrücke ist am Montag der Baubeginn früher vollzogen worden als ursprünglich geplant. Bis zum Jahr 2026 soll der achtstreifige Ausbau zwischen Homberg und Neuenkamp fertig sein.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) stand offenbar nicht im Stau: Pünktlich um 9.55 Uhr rollte er unter der Brücke an der Flachsstraße in Homberg an. Sein NRW-Kollege Hendrik Wüst war bereits kurz zuvor eingetroffen. Der Auftrieb mit Vertretern der Politik, Verbänden, Wirtschaft und Medien war entsprechend groß. Das künftige Bauwerk – 802 Meter lang und 71 Meter hoch – werde die „längste Schrägseilbrücke Deutschlands“, versprach Scheuer. Dirk Brandenburger, Technischer Geschäftsführer der ausführenden Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) erklärte bei seiner Begrüßung: „Hier in Duisburg soll sich alles ändern, alles soll besser werden.“ Der Bund investiert in das Vorhaben rund 365,5 Millionen Euro, rund 250 Millionen Euro kostet dabei der Bau der neuen Brücke. Die Ausbaustrecke zwischen Duisburg-Homberg und Duisburg-Häfen, derzeit eine mehr oder minder große Dauerstau-Strecke, ist 4,4 Kilometer lang.

„Wir haben versprochen – und gehalten“, so Scheuer. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst habe ihn seit seinem Amtsantritt immer wieder traktiert, den Neubau in Angriff zu nehmen. Eigentlich sollte der Baubeginn erst 2020 sein. Dass es noch etwas schneller ging, ist vor allem dem beschleunigten Planfeststellungsverfahren durch die Bezirksregierung Düsseldorf zu verdanken: Am 1. Dezember 2017 hatte die Deges den Antrag auf Planfeststellung gestellt, ein Jahr später unterzeichnete die Bezirksregierung den Genehmigungsbeschluss. Dafür gab es viel Lob für Regierungspräsdentin Birgitta Radermacher, die beim Spatenstich am Montag ebenfalls dabei war.

So soll die neue A 40-Brücke einmal aussehen. Foto: Deges

Scheuer erinnerte daran, dass die Rheinbrücke 1970 für rund 30.000 Fahrzeuge pro Tag gebaut worden sei – inzwischen seien es über 100.000. Damit nicht genug: Die Deges kalkuliert bei der Fertigstellung 2026 mit rund 126.500 Fahrzeugen pro Tag. Flüsterasphalt und über fünf Kilometer Lärmschutzwände mit einer Höhe von bis zu zehn Metern Höhe sollen die Belastungen für de Anwohner in Grenzen halten. Allein die Lärmschutzwände schlagen mit rund 18 Millionen Euro zu Buche. „Wirtschaft braucht Wege“, so Scheuer. Dies gelte vor allem auch für den Duisburger Hafen. „Wir können stolz darauf sein, was der Hafen leistet“, sagte der Verkehrsminister.

Der Brückenbau sei „richtig wichtig“ für die Region, meinte auch NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst. „Es wurde Zeit. Jeden Tag müssen wir hier ein Auge drauf haben.“ Nur zwei von zwölf Brücken in der Region seien noch vollständig intakt. Die Waagen auf beiden Seiten sollen verhindern, dass die Schäden noch schlimmer werden. So beenden in diesen Tagen die Ingenieure vom Landesbetrieb Straßen NRW den 13. Brückenprüflauf – wieder mit einem vollen Auftragsbuch für die Schweißer. „Unser Kontrollnetz ist eng, um neue Schäden früh zu erkennen und entsprechend reagieren zu können“, sagte Straßen-NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek. Der Verkehr solle so bis zur Fertigstellung des Neubaus fließen.

Sichtlich gut gelaunt: die Minister Hendrik Wüst (l.) und Andreas Scheuer. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Im November 2018 war die Wiegeanlage in Richtung Essen installiert worden, im Mai 2019 kam die in Richtung Venlo dazu. Insgesamt rund 23.000 Brummis wogen mehr als die erlaubten 40 Tonnen beziehungsweise 11,5 Tonnen pro Achse – der Spitzenreiter brachte ein Gewicht von 62 Tonnen auf die Waage, so Wüst. Das Bundeskabinett habe es inzwischen auch möglich gemacht, beim Bau von Autobahnbrücken die Radwege stärker zu berücksichtigen. „Früher ging es da um Radwege mit einer Breite von 2,75 Metern an jeder Seite. Inzwischen reden wir aber von einem ganz anderen Fahrradfahren, zum Beispiel mit E-Bikes oder Pedelecs. Mit einem Fußgängerweg kämen wir da auf eine Breite von 6,50 Meter pro Seite. Das lässt sich für den ersten Bauabschnitt wohl nicht mehr verwirklichen, wohl aber für den zweiten.“ Der Moerser Bürgermeister Christoph Fleischhauer (CDU), der stets auf die Bedeutung eines zeitgemäßen Radweges hingewiesen hatte, zeigte sich erfreut darüber, dass Wüst dieses Thema so offensiv angesprochen habe: „Das ist doch mal ein gutes Zeichen.“

Hafen-Chef Erich Staake war sichtlich erleichtert, dass es mit dem Bau nun vorangeht. „Die A 40 ist die wichtigste Verbindung an die Westhäfen wie Rotterdam. Deshalb habe ich von Anfang an darauf hingewiesen, dass es ohne Waage nicht gehen wird. Bei unserem neuen Duisburg Gateway Terminal achten wir auch von vornherein darauf, möglichst viele Güter auf Schiene und Wasser zu transportieren.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Dietzfelbinger freute sich über den vorzeitigen Baubeginn, mahnte aber direkt an: „Wir wünschen uns, dass das auch so weitergeht. Schließlich stehen auch noch der Ausbau der A 59 und des Kreuzes Kaiserberg an.“

Bis 2023 soll der erste Teil der Brücke fertig sein, so dass der Verkehr dann wieder sechsspurig laufen kann, 2026 sollen dann vier Spuren in beide Richtungen zur Verfügung stehen.